Die kuriosesten Studentenjobs Aufpassen, ausprobieren, ausziehen

Der Rikschafahrer

Younus Balke-Want strampelt sich für seinen Nebenjob ganz schön ab. Denn er kutschiert Touristen in einer Fahrrad-Rikscha durch Köln. Dabei verdient der Jurastudent im fünften Semester mindestens zehn Euro die Stunde, manchmal auch deutlich mehr. An Karneval oder in der Vorweihnachtszeit sind es nicht selten Beträge zwischen 30 und 50 Euro pro Stunde. „Man muss nur fit sein und darf natürlich keine Menschen scheuen“, sagt Balke-Want. Das gilt insbesondere an Karneval, wenn die „Jecken“ kommen. In der sogenannten Fünften Jahreszeit fährt Balke-Want manchmal fünf Tage nacheinander, sonst ist es im Schnitt nur ein Tag pro Woche. Die Arbeitszeiten sind flexibel. „Wann und wie viel ich fahre, kann ich mir selbst aussuchen“, sagt er. Das ist auch gut so, denn der Student steckt mitten in den Vorbereitungen für das erste Staatsexamen. „Ein Job mit festen Arbeitszeiten wäre nichts für mich“, sagt er. In den meisten größeren Städten gibt es gleich mehrere Unternehmen, die Rikschafahrten anbieten – also auch jede Menge Anlaufstellen für Studenten, die Rikschafahrer werden möchten. Balke-Want hat sich auf eine Anzeige im Stellenwerk der Universität Köln beworben, und zwar beim Unternehmen Rikolonia. Seitdem ist er dort angestellt. In Job-Portalen wie dem Stellenwerk finden sich regelmäßig Ausschreibungen solcher Firmen.

Das Aktmodell

Für ihren Nebenjob ließ Lidija Burcak die Hüllen fallen: Völlig nackt stand die damals 30-Jährige während ihres Studiums vor Kunst-Studenten und ließ sich zeichnen. Damals studierte sie Kulturwissenschaften in Zürich, heute lebt sie in London und macht ihren Master in „Visual Anthropology“. Einfach sei der Job als Aktmodell nicht immer gewesen. „Für mich entstand er nur aus einer Mutprobe heraus“, erinnert sich Lidija Burcak. Beim ersten Mal war sie deshalb auch ziemlich nervös. „Die ganze Situation war einfach seltsam“, sagt sie. Aber wer Aktmodel werden möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass ein kompletter Kunstkurs einen anstarrt, nackt zeichnet und sich das Bild womöglich später an die Wand hängt. „Es hilft, einen Punkt im Raum zu fixieren, während man Model steht“, rät Burcak. Hochschulen mit künstlerischen Studiengängen, Volkshochschulen oder Kunstakademien buchen regelmäßig Aktmodelle für ihre Zeichenschüler. Wer sein Geld auf diese Weise verdient, sollte sich ohne Kleidung wohl fühlen. Einen perfekten Körper muss er aber nicht haben, dafür genügend Ausdauer, um eine Pose lange zu halten. Aktmodelle müssen manchmal ewig stillhalten und dürfen sich dabei nicht einmal an der Nase kratzen. Das kann schon mal unangenehm werden: „Mir ist öfter das Bein eingeschlafen“, sagt Lidija Burcak. „Trotzdem ist es ein faszinierender Job.“ Eine Sitzung dauert in der Regel 90 Minuten. Bezahlt werden Aktmodelle pro Sitzung – mit etwa elf bis 20 Euro die Stunde. Jobs finden Studenten selten im Internet. Bei Interesse erkundigen sie sich am besten direkt beim Fachbereich oder achten auf Aushänge im entsprechenden Institut.

Die Produkttesterin

Mit Essen und Kosmetik kennt sich Katrin Reimering inzwischen bestens aus. Denn sie nimmt regelmäßig an Studien von Marktforschungsinstituten teil. „Bisher hatte ich bei jeder Studie Spaß“, sagt die Lehramtsstudentin. Die 24-Jährige muss immer wieder viel fürs Studium tun, braucht aber auch Geld. Die Produkttests sind da perfekt, denn die meisten Studien dauern nicht länger als zwei Stunden, werden dafür aber großzügig entlohnt. „Meistens bekomme ich 15 Euro die Stunde“, sagt sie. Manchmal nimmt die Masterstudentin aber auch an mehrtägigen Studien teil. „Dafür gibt es dementsprechend dann auch mehr Geld.“ Einmal hat sie über drei Tage hinweg verschiedene Cocktails probiert. „Das war sehr cool“, sagt sie, „denn wie Arbeit kommt einem das wirklich nicht vor.“ Auch Kartoffelchips durfte sie schon gegen Bezahlung essen. Oder Parfums ausprobieren. „Man sollte nur ehrlich und zuverlässig sein, damit die Institute auch was davon haben, dass man ihre Produkte testet“, erzählt sie. Die Voraussetzungen für die Teilnahme hängen ganz von den jeweiligen Studien ab. Manche richten sich zum Beispiel nur an Frauen, andere nur an eine bestimmte Altersgruppe. Auf Facebook hatte die Studentin vor fünf Jahren das erste Mal gesehen, dass ein Marktforscher Tester suchte. Inzwischen schaut sie immer wieder auch auf den Internetseiten von Instituten oder achtet auf Aushänge. Beliebt unter Studenten sind die Institute Quotapoint in Köln und Frankfurt und Quo Vadis in Hamburg, Köln und München.

Der Hauswächter

Marius Kroll hat ein ziemlich großes Dach über dem Kopf, und das für ziemlich wenig Geld: Gerade mal 192 Euro zahlt der 28 Jahre alte Politik- und Wirtschaftsstudent für ein 50 Quadratmeter großes Zimmer in einem leerstehenden Zollamt. „Bei den Mietpreisen in Münster spare ich so monatlich enorme Summen“, sagt Kroll. „Und viel Platz habe ich noch dazu.“ Der Masterstudent ist Hauswächter und lebt mit rund 19 anderen jungen Menschen in dem verwaisten Verwaltungsgebäude. „Eine WG kann anstrengend werden, weil man auf so engem Raum zusammenwohnt“, sagt er. Alleine zu wohnen wäre aber auch nichts für ihn. „Deshalb finde ich meine Situation ziemlich optimal“, sagt er. Was nach Hausbesetzung klingt, ist in Wirklichkeit das Gegenteil: Leerstehende Häuser verlieren schnell an Wert, weil die Gebäudesubstanz verfällt. Wohnt jemand darin, heizt er automatisch, lüftet und hilft so, das Haus instandzuhalten. Außerdem hält es Vandalen und Sprayer ab, wenn jemand in einem Gebäude wohnt. Die Firma Camelot vermittelt deswegen bundesweit Hauswächter, die gegen eine Verwaltungsgebühr in solche Gebäude einziehen dürfen. „Die allermeisten meiner Mitbewohner sind Studenten“, sagt Marius Kroll. Der Nachteil: Hauswächter müssen flexibler sein als normale Mieter. Sobald sich ein Käufer für ein bisher leerstehendes Objekt findet, müssen sie ausziehen. Und die Kündigungsfrist beträgt gerade mal vier Wochen. „Bisher war es aber nie ein Problem, über Camelot rechtzeitig ein neues freies Gebäude zu finden“, sagt er. Kroll ist seit drei Jahren Hauswächter und wohnte bisher in drei verschiedenen Gebäuden. Toiletten gibt es auch in Büro- und Verwaltungsgebäuden, und der Hauswächter-Vermittler organisiert den Einbau einer Dusche – somit kommen auch solche Gebäude in Frage. Um die Küche müssen sich die Studenten dann aber selbst kümmern. „Das ist in der Regel aber schnell organisiert bei so vielen Mitbewohnern“, sagt er. Das erste Jahr als Wächter wohnte Kroll in einem Finanzamt, und bis vor kurzem war ein Offizierscasino sein Zuhause. „Das war der Wahnsinn, überall Kronleuchter und ein Ballsaal!“, schwärmt er. Und er ahnt schon: „So werde ich wahrscheinlich nie wieder wohnen.“ Doch wer weiß? Manch ein Hauswächter hat sogar schon ein Schlössern bewohnt.

Die Schauspielpatientin

Wie erklärt man werdenden Eltern, dass ihr Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommt? Mit solchen Situationen müssen Ärzte umgehen können. Deshalb spielt Felizitas Schulz Szenen wie diese als sogenannte Schauspielpatientin mit Medizinstudenten durch. Für ihre verschiedenen Rollen gibt es vor jedem Kurs ein kurzes Training, in dem sie sich auf ihre jeweilige Rolle vorbereiten muss. „Dafür sollte man definitiv Spaß am Schauspielern haben“, sagt die Studentin der Umweltwissenschaften. Erfahrung als Schauspieler ist aber keine Voraussetzung für den Job. Felizitas Schulz ist seit vier Jahren Schauspielpatientin an der Universität Gießen. Mal spielt sie eine panische Mutter, die Angst um ihr ungeborenes Kind hat. Mal ist sie eine Patientin, die ihre Diagnose nicht richtig versteht und den Arzt mit Fragen löchert. Schauspielpatienten verhalten sich dabei wie richtige Patienten in einem Gespräch mit ihrem Arzt. „Danach gebe ich ein ausführliches Feedback“, sagt die 24-jährige. Denn Medizinstudenten sollen es bei diesen Übungen schaffen, dass die Schauspielpatienten sie verstehen und sich wohl fühlen. Deshalb sind Kritik und Verbesserungsvorschläge besonders wichtig. Ordentlich bezahlt ist das Ganze auch. Die vermeintlich Kranken verdienen an der Universität Gießen 12 Euro die Stunde. „Gerade im Vergleich zu anderen Nebenjobs ist das ziemlich viel“, sagt Schulz. An anderen Universitäten gibt es ähnliche Beträge, meistens mindestens zehn Euro die Stunde. Normalerweise dauern Einsätze zwei bis drei Stunden. Nur für das Krisengespräch mit werdenden Eltern ist oft mehr Zeit nötig. Das Institut für Medizinische Psychologie sucht über die Homepage regelmäßig nach neuen Schauspielpatienten. „Es ist wichtig, dass es viele neue Gesichter gibt, damit ein Schauspielpatient nicht zweimal im selben Kurs schauspielert“, sagt Felizitas Schulz. Die beste Zeit für eine Bewerbung ist bei den meisten Universitäten kurz vor Semesterbeginn – wenn neue Schauspielpatienten für das kommende Semester gesucht werden.

Fussnote:
Autor:
Annika Fröhlich
Datum:
24. March 2017
Quelle:
F.A.Z.

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