Zukunft ohne Bienen

DEUTSCHLAND 2025 – (K)eine Glosse

Mein Auto fährt auf einer langen leeren Autobahn, links und rechts wechseln sich Mais und Weizenfelder mit großen Steppen und einzelnen Städten ab, Tiere sind nicht zu sehen. Was klingt wie die Beschreibung eines trockenen Landstriches des mittleren Westens der USA, ist die Bundesrepublik im Jahre 2025. Man könnte meinen, dieses Landschaftsbild wäre Folge der nicht aufgehaltenen Klimaerwärmung. Fehlanzeige, die Bienen sind verschwunden. 9 von 10 Obstbäume und Blütenpflanzen brauchen die Bienen als Bestäuber. Ohne Bestäubung bleiben nur die, deren Pollen vom Wind von Pflanze zu Pflanze getragen werden. Keine Blumen, blühende Sträucher oder blühende Bäume mehr. Man sieht diesen kleinen Insekten in keiner Weise ihre Verdienste an. Vor 10 Jahren wurde ihr Sterben deshalb leider nicht als Gefahr wahrgenommen. Die Gründe für ihr Verschwinden waren längst bekannt: Monokulturen, elektromagnetische Wellen, Pestizide und diverse Krankheiten sorgten beinahe unbehelligt dafür, dass mehr und mehr Bienenstämme verschwanden, obwohl sie in Deutschland das drittwichtigste Nutztier waren. Jetzt im Jahr 2025 sind die Bienen in Deutschland ausgestorben. Nachdem ich eine Weile weitergefahren bin, wird in der Ferne eine große Stadt sichtbar, umrandet von großen gläsernen Kuppeln. Das sind die Farmanlagen für die Superreichen. Welche Felder in Kuppeln liegen? Nun Pflanzen, die es heute nicht mehr in der Natur gibt. Obst, Blumen und sogar die berühmte deutsche Kartoffel sind ohne natürliche Bestäubung zu Luxusgütern geworden, in diesen Kuppeln findet die Bestäubung künstlich statt, denn anders ist das nicht mehr möglich. Damit die kostbaren Pollen nicht einfach wegfliegen, ist alles isoliert. Große Ventilatoren rauschen, um für Luftaustausch zu sorgen. Innen gehen Arbeiter von Blüte zu Blüte um die Pflanzen mit einem Wattepinsel zu bestäuben. Das mag bizarr oder sogar lustig klingen, doch es ist ein trauriges Zeugnis von dem Zustand der Agrarwelt ohne die schwarz-gelben Helden. Diese Art der Landwirtschaft ist viel zu teuer und zu aufwendig, als dass diese Form der Lebensmittelversorgung für die breite Masse erschwinglich wäre. Kurz vor der Stadt mit ihren Hochhäusern tauchen plötzlich viele kleine Wellblechhütten auf. Einer von vielen Slums mitten in Deutschland. Ein Drittel der menschlichen Nahrung wird durch Bienen ermöglicht, nun nachdem sie verschwunden sind, können sich viele Menschen die teuren Nahrungsmittel kaum noch leisten. Zwar sind die meistproduzierten Nahrungspflanzen Reis, Mais und Weizen nicht betroffen, aber auch ihre Preise steigen dank des erhöhten Bedarfs. 2020 gab es eine große Wirtschaftskrise, als viele Leute auf der Welt sich keine Vorzüge der modernen Welt, wie Autos, Fernseher mehr leisten konnten. Sie mussten ihr Geld für das teurer gewordene Essen ausgeben. Die finanzielle Situation wurde noch schlimmer und jetzt 2025 ist auch das Europa arm geworden. Indien, die USA, Brasilien, Japan und die Türkei sind am schwersten betroffen, dort sieht es noch schlimmer aus, weil sie abhänginger von den Bienen waren. China hingegen ist der Staat, in dem alles beim alten blieb. Nicht etwa weil sie keine Pollen bräuchten, sondern weil sie vorbereitet waren. Obwohl dort vor 10 Jahren nur 10 % der Bestände verschwunden waren, setzten sie bereits Tagelöhner als künstliche Bestäuber auf den Plantagen ein, was den großen Kollaps der Landwirtschaft abgefangen hat. Dort hatte man das Problem ernster genommen. Wir hätten die Bienen retten sollen, als wir die Möglichkeit hatten. Jetzt ist es zu spät und die Katastrophe ist eingetreten.

Informationen zum Beitrag

Titel
Zukunft ohne Bienen
Autor
Marek Daniv
Schule
Albert-Einstein-Gymnasium , Frankenthal
Klasse
Kurs Sozialkunde
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Jugend recherchiert 2014 - Die Relevanz der Biene
Kategorie
Print

Beruf und Chance