Frankenthal – Die ideale Stadt für Migranten?

Ist Frankenthal die ideale Stadt für Migranten? Diese Frage kann man aufgrund des geschichtlichen Hintergrunds der Stadt sofort mit ja beantworten, denn bereits im 16. Jahrhundert fanden 58 flämische Flüchtlingsfamilien hier Asyl, die ihre Heimat wegen ihres reformierten Glaubens hatten verlassen müssen. Diese Flüchtlinge waren sehr gebildete Menschen, meist waren es Kaufleute oder Edelmetallschmiede, was Frankenthal im Jahr 1577 die Stadtrechte sicherte, denn durch die Flüchtlinge konnte sich die Stadt so wirtschaftlich etablieren. Leider wurde in der Zeit der pfälzischen Erbfolgekriegen und den darauffolgenden Revolutionen in den darauffolgenden zwei Jahren Frankenthal fast vollständig aus den Geschichtsbüchern gestrichen worden, da die Stadt einerseits fast vollständig zerstört wurde und dann unter französische Herrschaft kam. Doch mit der industriellen Revolution konnte Frankenthal zu einer mächtigen Industriestadt mit metallverarbeitenden Vertrieben ausgebaut werden, sodass die Bevölkerungszahl von 4800 im Jahr 1850 auf knapp 17.000 im Jahr 1900 anstieg.

Im zwanzigsten Jahrhundert durchlebte Frankenthal die Nazi-Zeit, was Frankenthal sehr schadete, da es von der Wehrmacht besetzt wurde und Mörsch zum Arbeitslager von der SS umgebaut worden war.  Die Nazi-Diktatur erkannte schnell, dass sie von der Metallverarbeitung in Frankenthal profitieren konnte, denn so wurde es einfach Kriegsmittel herzustellen. Die Stadt hob sich zu einer Nazi-Hochburg auf und war mit Ende des Weltkrieges fast vollständig zerstört worden, doch es konnte schnell wieder an wirtschaftliche und kulturelle Traditionen angeknüpft werden. Mit dem Wiederaufbau konnten so viele Arbeitsplätze geschaffen werden, sodass die Auftragsbücher der ansässigen Firmen voll gefüllt waren.

Im Zuge des Fachkräftemangels, damals schon, wurde unter der Adenauerregierung  das Anwerbeabkommen  mit der Türkei vollzogen, sodass das Defizit halbwegs ausgeglichen wurde. Dies war ein großer Schritt, denn mit den Arbeitern stieg auch der Migrantenanteil in ganz Deutschland. In Frankenthal wirkte sich dies so aus, dass heute ca. 50000 Menschen in der Stadt leben, von denen 10000 ausländische Wurzeln haben. Im Übrigen sind die meisten schon in der dritten oder vierten Generation hier. Dies machte Frankenthal zu einer wirtschaftlich attraktiven Stadt für die dort ansässigen Menschen, sie reizt aber nicht nur mit Arbeitsplätzen, da die Lage im Rhein Neckar Dreieck günstig ist, sondern auch mit ihren kulturellen Zügen.

Frankenthal ist kulturell nämlich sehr aktiv, 2009 ist der Beirat für Integration und Migration gegründet worden, dieser veranstaltet jährlich das „internationale Fest“ auf dem Rathausplatz, dort kann jedermann auf seine Kosten kommen, man kann an einem Bühnenprogramm teilnehmen oder Gerichte anderer Länder probieren und noch vieles mehr. Ebenso ist Frankenthal ein Zentrum für Bildung, denn es gibt eine beachtliche Anzahl an Bildungseinrichtungen, von denen einige sich, wie zum Beispiel das Albert-Einstein-Gymnasium, gegen Rassismus und Diskriminierung aussprechen. So lukrativ wie das Bildungsangebot ist auch der Wohnungsmarkt: Franknethals Innenstadt und die Vororte besitzen Häuser für eine Familie oder gar für Singles. So kommt es auch dazu, dass die Stadt auch Bauplätze für Wohnhäuser, aber auch für Unternehmen vergibt, falls das richtige Haus nicht gefunden werden kann oder jemand den Traum vom Selbständigsein verwirklichen will.

So kommt man letztlich zum Schluss, dass Frankenthal sich durch seine wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Reize geradezu anbietet um dort einzuwandern, allerdings gibt es auch Schattenseiten, denn bei knapp 50000 Einwohnern ist es klar, dass sich keiner mehr etwas durch die Finger gehen lässt, so kommt es, dass sich durch die hohe Einwohnerzahl eine Wohnung nur schwer finden lässt wie man sie gern hätte, ebenso sind die schulen und Kindergärten recht gut besucht, sodass es in Frankenthal doch recht anspruchsvoll ist einen Platz für das Kind zu finden. Trotz aller negativen Fakten macht die Stadt auch durch ihr Angebot an Vereinen diesen Patzer wieder weg, denn wer in dem pfälzischen Ort ein Hobby oder Ehrenamt ausüben möchte kann dies entweder bei einem Fußball-; Tennis-; Schwimm- oder Leichtathletikverein machen. Aber nicht nur Fußball oder Schwimmen sind in Frankenthal gern gesehen sondern auch jeder freiwillige Helfer für die Stadt. Letztlich ist es in Frankenthal so möglich ein schönes Leben, egal ob Migrant oder nicht, zu leben.

Informationen zum Beitrag

Titel
Frankenthal – Die ideale Stadt für Migranten?
Autor
Matze
Schule
Albert-Einstein-Gymnasium, Frankenthal
Klasse
12 SK1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180