Ein Ort der Akzeptanz : Die Brücke

Ein Ort der Akzeptanz : Die Brücke

Wenn man in ein fremdes Land kommt, braucht man eine Menge Liebe und Zuneigung, um das Gefühl zu bekommen, akzeptiert zu werden“, erzählt Ana, eine junge Studentin aus Albanien, die seit sieben Jahren in Deutschland lebt.

Genau diese Akzeptanz wird einem in der „Brücke“ entgegengebracht. Seit mittlerweile 55 Jahren ist die „Brücke“ in Münster eine zentrale Anlaufstelle für Studenten ausländischer Herkunft. Um die 3200 Migranten aus bis zu 140 verschiedenen Nationen finden dort Unterstützung und Versorgung während ihres Studiums.

Unter dem Motto „Zusammenführung“ veranstaltet die „Brücke“ viele verschiedene Projekte. Dazu gehören von den Studenten selbst angebotene Sprachkurse und themenbezogene Länderabende, bei denen über die politischen, kulturellen und sozialen Situationen der verschiedenen Herkunftsländer informiert wird. Das „Friendship – Programm“ vermittelt dagegen Partnerschaften von einzelnen Studierenden zu Familien oder zu deutschen Studenten. Diese sind nur ein kleiner Teil der zahlreichen Angebote, die den Migranten und Austauschstudenten den Einstieg in ihr neues Leben in Deutschland erleichtern.

„Hier kann man viele neue Kontakte knüpfen und sich über eigene Erfahrungen austauschen“, erzählt Ana, die einige Projekte der Brücke mit organisiert. Die Kommunikationswissenschaftsstudentin hat selbst auch schon viel erlebt. Sie ist Albanien geboren, in Griechenland aufgewachsen. „Nach Deutschland bin ich gekommen, um mich selbst besser kennen zu lernen. Aber es ist wirklich schwer, sich zugehörig zu fühlen, wenn man innerhalb kurzer Zeit schon in mehreren Ländern gelebt hat“, gesteht Ana. Oft weiß sie nicht, zu welcher Nationalität sie gehört: Ist sie Albanerin, Griechin oder Deutsche? „Ich bin international und das möchte ich auch bleiben. Bei der Brücke kann ich das glücklicherweise auch sein.“

„Unser Ziel ist es, möglichst viele verschiedene Kulturen zusammen zu bringen“ teilt uns Joachim Sommer, der Leiter der Brücke mit. „Durch die Projekte versuchen wir nicht nur ausländische Studenten anzusprechen, auch der normale Münsteraner ist hier herzlich willkommen.“
Unterstützt wird die „Brücke“ bei ihrem Vorgehen unter anderem vom städtischen Integrationsrat und dem Amt für Ausländerangelegenheiten. Für ihr erfolgreiches Engagement wurde der „Brücke“ sogar schon vom Außenministerium der Bundespreis verliehen. Vier wissenschaftliche, zwölf studentische und zehn ehrenamtliche Hilfskräfte bieten kulturelle, politische, soziale und studienbezogene Beratung an, sowie Vorbereitungen für die Rückkehr ins Heimatland. „Die Brücke ist nicht nur für die Unterstützung des Studiums da. Sie hilft einem auch bei anderen Problemen, wie der Visumsverlängerung oder der Wohnungssuche“, klärt Ana auf, „Das Leben besteht eben nicht nur aus dem Studium.“

Auch die 27-jährige Jianxia aus Peking kommt regelmäßig in die „Brücke“, um dort ihre Freunde zu treffen. „Hier gibt es immer so viele nette Menschen und leckeres Essen.“ Dies ist ein weiteres Angebot der „Brücke“: In der gemütlichen Cafeteria „Café Couleur“ wird täglich ein gemeinsames und preisgünstiges Mittagessen angeboten, dass für jeden offen ist. Zudem gibt es Kaffee und Kuchen, 20 internationale Zeitungen und Zeitschriften und eine mehrsprachige Bibliothek.

„Die Zeit in der Brücke ist immer etwas Besonderes“, sagt Jianxia, „alle sind hier wirklich herzlich und hilfsbereit, das werde ich bestimmt noch ewig in Erinnerung behalten.“ In Münster beendet sie bald ihren Jura – Masterstudiengang, ihren Bachelor absolvierte sie bereits in China. „Ich hatte schon lange geplant, in Deutschland zu studieren, nicht nur, weil es hier günstiger ist, sondern weil mir das Land einfach schon immer super gefallen hat“, erinnert sich Jianxia. Ihren Weg nach Münster fand die junge Chinesin durch die „Brücke“. Vorher lebte sie in Bonn, wo sie einen Sprachkurs zur Studienvorbereitung mitmachte. Durch Werbung auf einer Messe wurde sie schließlich auf die „Brücke“ aufmerksam. „Mir gefielen sofort die vielen Möglichkeiten und schnell wurde mir klar, dass ich ein Teil der Brücke werden wollte.“ Im Januar wird die junge Chinesin nach vier Jahren Aufenthalt in Deutschland wieder in ihre Heimat Peking zurückkehren und dort in der Deutschen Botschaft arbeiten.

„Es ist immer wieder interessant und spannend, den Werdegang der einzelnen Studierenden in Deutschland miterleben zu können“, sagt Joachim Sommer. Der Leiter der Einrichtung ist mit der Entwicklung der „Brücke“ sehr zufrieden. Doch ein Wunsch hat er noch: „Jeder soll wissen: Es gibt die Brücke!“

Ein Ort der Akzeptanz : Die Brücke

Informationen zum Beitrag

Titel
Ein Ort der Akzeptanz : Die Brücke
Autor
Lea Gries
Schule
Schillergymnasium, Münster
Klasse
GK Deutsch von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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