Deutschland – meine Heimat? Zwei Beispiele für gelungene Integration in Laer

Deutschland – meine Heimat? Zwei Beispiele für gelungene Integration in Laer

Migration ist ein wichtiges Thema in unserer Gesellschaft. Auch in meinem Wohnort, Laer, werden wir damit konfrontiert, da hier mehr als 15 Nationen aufeinander treffen und von Jahr zu Jahr werden es immer mehr. Viele von ihnen flohen aus Kriegs- und Krisengebieten und haben eine schlimme Zeit hinter sich. Wie in vielen Großstädten, bilden sich auch in Laer sogenannte Wohnghettos. Am Dorfrand gibt es solch eine Sozialwohnungsbausiedlung. Diese ist fast ausschließlich von Albanern bewohnt. Migranten anderer Nation wohnen lieber alleine. Jedoch unternehmen sie viel zusammen. Vor allem in einem Dorf, wo sich fast jeder kennt.                                                                                                                              

Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Migranten, bis auf wenige Ausnahmen.  Die Mehrheit der Einwohner versteht sich blendend mit den Deutschen. Für ein gutes Zusammenleben auf Dauer ist das auch eine wichtige Voraussetzung. Um das Thema Migration aus einer anderen Perspektive zu sehen, habe ich zwei Migranten aus Sri Lanka zu ihrem Wohlbefinden und Leben in Deutschland befragt. Man muss dazu sagen, dass sie ein sehr gutes Beispiel für gelungene Integration sind. Frau S. ist eine Migrantin aus der ersten Generation und Saddish, ein Migrant aus der zweiten Generation. In meinem Interview habe ich große Unterschiede, in Bezug auf ihre unterschiedlichen  Lebensweisen feststellen können.  Frau S. ist eine Migrantin aus Sri Lanka. Sie kam mit neun Jahren nach Deutschland und hoffte hier mit ihrer Familie auf bessere Lebensumstände. Sie war erfolgreich auf der Suche nach Arbeit. Ihr Ziel war es,  bodenständig zu werden. Das zeigt, dass man mit großer Willenskraft auch als Migrant etwas in Deutschland erreichen kann.  Heute hat sie zwei Kinder und fühlt sich sehr wohl in Laer. Mit den Einwohnern hat sie keine Probleme und in ihrer Freizeit unternimmt sich auch gerne etwas mit ihnen. Für sie ist Laer der perfekte Ort. Sie hat viele Kontakte und fühlt sich mit ihren Kindern sehr sicher. Das heißt, sie braucht keine Angst zu haben, dass ihren Kindern etwas auf dem Spielplatz zustoßen könnte. Das zeigt auch, dass Migranten hier voll und ganz akzeptiert werden. In manchen Ländern ist das ganz anders. Dort kann man nicht auf die Straße gehen, ohne sicher zu sein, dass einem nichts passiert. Frau S. geht sogar so weit und behauptet, dass sie, wenn sie zurück nach Sri Lanka ziehen würde, nicht wüsste, ob  sie sich dort noch wohl fühlen würde.  Sie arbeitet als Erzieherin und wird auch in ihrem beruflichen Umfeld akzeptiert. Die Eltern der Kinder haben großes Vertrauen in sie und bewundern, was sie als Migrantin erreicht hat. Dafür muss man ihr wirklich ein großes Lob aussprechen. Trotz einer anderen Hautfarbe, so gut von den Kindern akzeptiert zu werden, ist schon toll. Man kann also sagen, dass sie ein sehr gutes Beispiel für eine Migrantin ist, die sich in Deutschland bestens eingelebt hat und sich gut mit den Deutschen versteht. Nun komme ich zu einem ganz anderen Migranten. Saddish ist auch aus Sri Lanka, jedoch aus der zweiten Generation. Er hat es geschafft, die Schule mit einem Fachabitur abzuschließen. Das ist erwähnenswert ,  da dies nur eine Hand voll Migranten schafft. Die meisten Kinder sind während der Schulzeit auf sich gestellt, denn sie erfahren wenig Unterstützung von zu Hause, da viele ihrer Eltern immer noch Probleme mit der deutschen Sprache haben. Wie auch Frau S., fühlt Saddish sich sehr wohl in Deutschland. Seiner Meinung nach braucht man auch keine Angst zu haben, nachts von irgendwelchen Leuten auf der Straße überfallen zu werden. Nach seiner Arbeit unternimmt er viel mit seinen Freunden. 99% seiner Freunde sind Deutsch, daran sieht man, wie gut er in seinem Umfeld integriert ist. Seine Freunde leben zum großen Teil in Münster, das heißt, er fühlt sich sehr dort hingezogen. Das Dorf Laer ist für ihn nur noch eine Schlafstätte. Er will wie die meisten  deutschen Jugendlichen, in eine Gegend, wo viel los ist und man ordentlich feiern kann.  Er wird auch von allen so behandelt, als wäre er ein Deutscher. Die kulinarischen und anderen Unterschiede sind seinen Freunden egal. Nur die Person an sich zählt, die Hautfarbe ist nebensächlich, und  gelegentlich werden auch Witze darüber gemacht werden. An dem Tag des Interviews trug er sogar ein T-Shirt mit dem Aufdruck „ Nur weil ich schwarz bin.“ Das verdeutlicht auch noch einmal, wie gelassen er seine Hautfarbe sieht.
In den Interviews deutlich geworden, dass sich beide Personen in Deutschland sehr wohl und akzeptiert fühlen. Die kulinarischen Probleme und die Hautfarbe sind kein Problem für den Kontakt zu Deutschen, da nur auf den Charakter geachtet wird und nicht auf das Äußerliche. Doch es gibt auch einen gravierenden Unterschied. Frau S., die aus der ersten Generation stammt ist sehr aufs Land bezogen. Hier ist sie integriert und fühlt sich sicher. Saddish hingegen will weg vom Land und ab in die Stadt, wo er mit seinen Freunden feiern kann. Er fühlt sich auch außerhalb von Laer wohl. Er hat überall Akzeptanz erfahren und das gibt ihm Sicherheit. In meinem dritten Interview habe ich die „Ureinwohnerin“ Frau T. befragt, welche Erfahrungen sie mit Migranten gemacht hat. Es ist deutlich geworden, dass die Bewohner in Laer sehr viel Interesse an diesem Thema haben und sich sehr aufgeschlossen gegenüber dem Thema Integration zeigen. Auf die Frage, ob Migration in Laer funktioniert, gab sie eine klare Stellungnahme. Ihrer Meinung nach, gibt es zwei unterschiedliche Gruppen von Migranten. Die eine Gruppe besteht vornehmlich aus  Menschen, die aus der Gegend um Sri Lanka kommen. Sie passen sich dem Dorfleben gut an, nehmen sämtliche Hilfsangebote an und nutzen ihre Chance auf Anerkennung. Die andere Gruppe, die fast ausschließlich aus Albanern besteht, lebt lieber für sich und ist nicht so anpassungsfähig. Frau T. findet die vielen Hilfestellungen von Freiwilligen für die Migranten sehr lobenswert. Das zeigt, wie sehr sich die Menschen  um ein gutes Zusammenleben mit den  Migranten bemühen. Sie findet jedoch, dass die Migranten mehr zur Verantwortung heran gezogen werden müssen. Jede Migrantenfamilie wird mit allen lebensnotwendigen Sachen ausgestattet. Zu oft haben die Einwohner schon mitbekommen, dass viele Sachen mutwillig zerstört wurden und die Migranten  einen Ersatz dafür eingefordert haben. Sie findet es unverschämt eine solche Unterstützung so auszunutzen, da es genügend Deutsche gibt, die wenig Geld haben und sehen müssen, wie sie zurechtkommen. Frau T. meint, dass die Migranten lernen müssen, dass in Deutschland nicht alles selbstverständlich ist und jeder auch Eigenverantwortung übernehmen muss. Mein Fazit ist, dass das Verständnis für Migranten in Laer sehr gut ist. Frau T. versucht auch immer wieder Gespräche mit Integrationsunwilligen zu führen,  um ihnen klar zu machen, dass auch sie sich hier besser anpassen und einbringen müssen. Die Migration ist also nicht nur eine große Herausforderung für die Einwanderer, sondern auch für die alt eingesessenen Bürger und Bürgerinnen  einer kleinen Gemeinde wie Laer. In unserer Gemeinde hat sich 1987 ein Betreuerkreis  für ausländische Mitbürger zusammengefunden. Der Betreuerkreis bemüht sich auf vielen Gebieten Hilfestellung zu leisten. Unterstützt wird dieser von den Kirchen, der Politik und Vereinen. Zunächst erfuhren die Asylanten eine handwerkliche Betreuung. Da die Sprachbarriere oft ein großes Handicap bei der Verständigung war, wurden auf Anregung des Pfarrgemeinderates Kurse zum Erlernen der deutschen Sprache eingerichtet. Auch bei  verschiedenen Behördengängen ist der Betreuerkreis behilflich. Es werden immer wieder verschiedenste Veranstaltungen organisiert, damit sich Migranten und Laerer gegenseitig besser kennen lernen können. In der Grundschule wird besonders auf die sprachliche Entwicklung der Kinder aus Migrantenfamilien geachtet. Für diese Kinder gibt es eine spezielle sprachliche Förderung im Ganztagsbereich.

Deutschland – meine Heimat ? Zwei Beispiele für gelungene Integration in Laer

Informationen zum Beitrag

Titel
Deutschland – meine Heimat? Zwei Beispiele für gelungene Integration in Laer
Autor
Marcus Thüning
Schule
Staatliche Schule Gesundheitspflege W1, Hamburg
Klasse
FOS 11-1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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