Erst verfolgt – jetzt integriert

Erst verfolgt – jetzt integriert

„Ich fühle mich integriert“ so Ferhad K., heute fünfzehn Jahre alt, der im Jahr 2000 mit seiner kurdischen Familie aus Syrien nach Deutschland migrierte. Er und seine Eltern hatten das gleiche tragische Schicksal der staatlichen Verfolgung bis hin zur organisierten Deportation erlitten, so wie hunderttausende andere kurdische Familien. Sie wurden ihrer Staatsbürgerrechte beraubt. Unter anderem wurde ihnen verboten ihre Sprache zu sprechen und für ihre Kinder und Geschäfte kurdische Namen zu verwenden.

Die Kurden sind eines der ältesten Völker des Mittleren Ostens. Ihre ursprünglichenSiedlungsgebiete sind verstreutund liegen in Teilen der heutigen Türkei, im Iran, im Irakund in Syrien. Aufgrund hoher Arbeitslosigkeit, mangelnder Infrastruktur und nicht zuletzt wegen des Jahrzehnte andauernden Krieges zwischen der türkischen Armee und der Arbeiterpartei Kurdistans, siedelten viele Kurden um. Nach den Jahrhunderten der Vertreibung, werden sie nun verfolgt, weil sie in den heutigen Staaten für sich Autonomie fordern. Damit stoßen sie jedoch in ihren Siedlungsgebieten ständig auf Widerstand, insbesondere weil dort bis heute nur vereinzelnd demokratische Strukturen vorliegen. Daraufhin migrierten viele Kurden nach Deutschland, um dort ein neues Leben ohne Verfolgung führen zu können. Mittlerweile bilden die ca. 600.000 Kurden eine der größten Einwanderungsgruppen in Deutschland, die meisten leben heute im Raume Berlin und dem Ruhrgebiet. Während es seinen Eltern sehr schwer fiel die deutsche Sprache zu erlernen, gelang dies dem damals 4-jährigen Ferhad spielend. Mittlerweile spricht er akzentfrei deutsch. Zu Hause wird die kurdische Sprache gepflegt, „um ein Stück eigene Kultur bei zu behalten“, so Ferhad. Die Bundesrepublik Deutschland ermöglicht den Kurden ihre Kultur offen zu leben und so ihre Identität als Kurden neu zu entdecken, was in ihren Heimatländern so oft nicht möglich gewesen war. Seine Eltern schickten Ferhad gleich zu Beginn in einen deutschen Kindergarten, da sie auf Integration sehr viel Wert legen. Nach der Meinung seiner Mutter ist für Integration zum einen die gegenseitige Akzeptanz und Respekt zwischen den Bevölkerungsgruppen wichtig und Offenheit zur Kommunikation. Zum anderen ist sie der Ansicht, dass auch Chancengleichheit in den wesentlichen Bereichen unserer Gesellschaft gegeben sein sollte. Heute meistert Ferhad die Oberstufe eines Gymnasiums mit dem Ziel, nach dem Abitur ein naturwissenschaftliches Studium zu beginnen. Seine Zukunft sieht er in Deutschland. Als Moslem nimmt er sogar am christlichen Religionsunterricht  teil, da er sich auch für die anderen Religionen interessiert. Der Islam spielt bei ihm jedoch auch eine entscheidende Rolle, er besucht mit seiner Familie regelmäßig die Moschee. In seiner Freizeit gehen seine Freunde gerne mit ihm zusammen dem gemeinsamen Hobby, dem Fußball nach. („Name geändert“)

Erst verfolgt – jetzt integriert

Informationen zum Beitrag

Titel
Erst verfolgt – jetzt integriert
Autor
Jonas Weber
Schule
Schillergymnasium, Münster
Klasse
GK Deutsch von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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