IST DEUTSCHLAND WIRKLICH SO SCHÖN?

IST DEUTSCHLAND WIRKLICH SO SCHÖN?

Karim M. sitzt  im Flugzeug und schaut aus der Luft auf Deutschland herab. Er denkt sich das er Deutschland sehr vermissen wird. Erinnert sich an all die schönen Zeiten hier, ist aber sehr gespannt nach 17 Jahren seine Eltern wieder zu sehen.
Wie alles begann:
An einem verregnetem Donnerstag Nachmittag 1992 berührte der 25 jährige Algerier Karim M. zu ersten mal in seinem Leben europäischen Boden.
Er erhoffte sich ein schönes Leben ohne Probleme und ohne Geldsorgen, wollte eine Familie gründen und glücklich leben und arbeiten.
Sein erster Schritt war also der Flug von Algier ( Algerien ) nach Paris zu seinem Bruder.
Nach einer Woche in Paris ist er mit seinem EU-Visum in der Tasche nach Schöppingen gefahren, hat dort  Asyl beantragt dieser wurde nach ca. einem Jahr Verfahrensdauer rechtskräftig abgelehnt. Karim M. war zur Rückreise nach Algerien verpflichtet. Da er dort jedoch eine Gefängnis Strafe zu befürchten hatte, zum einem wegen des Asyl Antrags und zum anderen da er seinen Militärdienst nicht absolviert hat, trat er die Rückreise nicht an. Eine Abschiebung war dem Deutschen Staat nicht möglich, da Karim M. einen falschen Namen angegeben hatte. Er erhielt daher eine auf drei Monate befristete Duldung.
Er lebte 3 Jahre lang in einem Asyl-Heim in Schöppingen wurde dann nach Müntser verlegt.
In Münster wurde er dann im Ausländeramt registriert und durfte nun in Münster in dem Asyl-Heim leben.
Er hat sich sehr gut eingelebt, viele Freunde gefunden, sich sehr für Politik interessiert ,hat viel Sport getrieben: Fußball und Boule. So war er 10 Jahre Mitglied in dem Boule-Verein Münster.
Es hat ihm hier sehr gefallen und hat die Deutsche Sprache fließend und fehlerfrei gesprochen, was ihn aber sehr belastet hat war, dass er hier nur gedultet war und somit nicht arbeiten durfte und auf die Hilfe des Sozialamtes angewiesen war, er erhielt neben freiem Wohnen 160€ monatlich war aber nicht krankenversichert. Somit führte er ein sehr eingeschränktes Leben. Er konnte nie mit auf Boule Turniere ausserhalb von NRW, durfte nie seinen Bruder in Paris besuchen oder seine Schwester die in der zwischen Zeit nach Bremen gezogen ist. Das Schwerste für ihn war aber,dass er nie nach Algerien durfte um seine Eltern zu sehen, die ihn sehr vermisst haben.
Aller drei Monate musste er zur Ausländerbehörde um seine Duldung verlängern zu lassen und dieses hat er 17 Jahre lang gemacht.
Im Oktober 2009 meldete er sich telefonisch bei der Ausländerbehörde um einen Termin für die Verlängerung seiner Duldung zu vereinbaren, die bereits seit einer Woche abgelaufen war.
Nichts ahnend erschien er  pünktlich um 9 Uhr. Er setzte sich wie gewohnt in das Wartezimmer und wartete auf seinen Termin. Die Polizei kam, er wurde verhaftet und in U-Haft genommen, ein Richter beschloss das er abgeschoben werden müsse , wurde sofort in ein Gefängnis in Düren verlegt, ca. 200 km von seinem Wohnort Münster entfernt. Er hatte keine Chance sich von seinen Freunden zu verabschieden und nicht die Möglichkeit seine wenigen Habseligkeiten zu holen.
Karim M. war 3 Wochen in Düren, wurde von vielen Freunden besucht unteranderem mein Vater, der einer seiner besten Freunde war.
Als schließlich die 3 Wochen um waren und er abgeschoben wurde, war sein Leben in Deutschland vorbei.
Alle Bemühungen waren Erfolglos: Anwälte wurden eingeschaltet, Presse wurde informiert Sozial Vereine wurden informiert und es wurden Spenden gesammelt.
Jetzt 2 Jahre später lebt er bei seinen Eltern in seiner Heimatstadt Algier arbeitet in einem Kaufhaus als Sicherheitsmann, und vermisst Deutschland sehr.
 

IST DEUTSCHLAND WIRKLICH SO SCHÖN?

Informationen zum Beitrag

Titel
IST DEUTSCHLAND WIRKLICH SO SCHÖN?
Autor
Sina Merabet
Schule
Schillergymnasium, Münster
Klasse
GK Deutsch von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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