Vom LKW-Fahrer zum Vertreter Gottes

Vom LKW-Fahrer zum Vertreter Gottes

Lengerich – Als der Mennonit Johann Langlitz (57) im Jahre 1991 nach Deutschland kam, wusste er nicht, dass er seiner Religion bald sehr nahe stehen würde.
In Kasachstan arbeitete er als LKW-Fahrer und in Deutschland wurde er zu seinem eigenen Chef. Deutschland betrachtet Johann Langlitz als seine „historische Heimat“. Er wurde in einem „deutschen“ Dorf in Kasachstan geboren. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erfuhr er, dass er ein Anrecht auf eine Aussiedlung nach Deutschland habe. In der Angst, dass sich die Gesetze verändern würden, ließ die Familie Langlitz ihr Hab und Gut zurück und kam nur mit einem Koffer nach Deutschland. Sie verbrachten die ersten Jahren mit Sprachkursen und in Notwohnungen, wobei sie in Gedanken in ihrer Heimat und mit dem Körper in Deutschland waren. Langsam aber sicher lebte sich die Familie Langlitz hier ein und baute 1994 sogar ein Eigenheim.

Vom LKW-Fahrer zum Vertreter Gottes

Die Mennoniten sind eine Glaubensgemeinschaft, die der protestantischen Konfession angehören. Benannt wurden sie nach ihrem Gründer Menno Simons (1496-1561). Er war Wanderprediger und im Laufe der Zeit, folgten ihm mehr und mehr Menschen. In Holland wurden die Mennoniten grausam verfolgt. Der Glaube verbot ihnen, in der Armee zu dienen und in staatlichen Institutionen zu arbeiten. Die mennonitische Haltung gegen den Wehrdienst führte jedes Mal zu Konflikten mit der Regierung. So erließ z.B. Preußen 1787 ein Dekret, das den Mennoniten den Erwerb von Grundstücken verbot. Dies war eine Art Strafe für den nicht geleisteten Wehrdienst. Für die Gläubigen war die Emigration der einzige Ausweg.
Im Jahr1789 wanderten erste preußische Mennoniten nach Russland aus. Zu ihnen gehörten 228 Familien, die ihre Religion nun frei wählen konnten und keinen Wehrdienst leisten mussten. Sie erhielten 65 Hektar Land als Existenzgrundlage. Sie bauten deutsche Dörfer und wurden von den Einheimischen „Russland-Deutsche“ genannt. Ihre Dörfer und Güter gehörten zu den wohlhabenden der Umgebung.

Ungeachtet dessen, dass Johann Langlitz schon seit über 20 Jahren in Deutschland lebt, holen ihn dennoch die Erinnerungen seiner Jugend ein: „Ich vermisse die Lebensart  meines Geburtsortes“. Diese 20 Jahre hat er die Kirche beständig besucht, seit vier Jahren steht er im regen Austausch mit dem Prediger und vertritt ihn manchmal.
Anruf – am anderen Ende spricht der Prediger. Johann Langlitz lässt alles stehen und liegen und fährt zu ihm. Heute steht für Johann die Religion über allem: „Das ist ein wichtiger Teil meines Lebens und durch den Glauben erreichte ich viele Dinge an sich, auf der Arbeit und zu Hause“.
 

Vom LKW-Fahrer zum Vertreter Gottes

Informationen zum Beitrag

Titel
Vom LKW-Fahrer zum Vertreter Gottes
Autor
Jakob Martens
Schule
Schillergymnasium, Münster
Klasse
GK Deutsch von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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