Ein Schiedsrichter mit ausländischen Wurzeln

Ein Schiedsrichter mit ausländischen Wurzeln

 Anspannung. Volle Konzentration! Alle sind bereit.  Die rund 100 Zuschauer warten auf das Signal des Mannes im gelben Oberteil mit schwarzer Hose. Es ist ein sonniger Sonntagmittag und die Menschen aus Greven, bei Münster, haben sich versammelt um ihr Team beim heutigen Spiel zu unterstützen Dann der Pfiff, zwei Sekunden lang und laut, sehr laut. Die Partie läuft. Die B Junioren  von Greven 09 und dem Warendorfer SU stehen sich im Kampf um der Tabellenspitze gegenüber! Beide wollen aus der Bezirksliga in die Landesliga aufsteigen. Von allen  wird ein enges Spiel erwartet.  Der Mann in gelb heißt Jounes Mabrouk und ist Schiedsrichter. Der 18 jährige ist hauptberuflich  Schüler und wohnt in Münster wo er das Annette- von- Droste- Hülshoff- Gymnasium besucht. Das heutige Spiel ist ein Spiel wie jedes andere auch, jedoch muss man als Schiedsrichter auf dem Platz immer mit dem Unmöglichen rechnen, denn 90 Minuten können manchmal viele Konflikte und stressige Situationen hervorrufen. Auf diese Art und Weise ist jedes Spiel eine neue Herausforderung, die immer volle Konzentration erfordert.

Jounes Mabrouk wurde am 22. März. 1993 im tunesischen Nabeul geboren. Sein Vater ist Tunesier und seine Mutter Deutsche. Kurz nach seiner Geburt kam die Familie Mabrouk nach Deutschland und lebt mittlerweile seit 18 Jahren hier im westfälischen Münster. Jounes ist seit seiner Geburt Träger der deutschen Staatsbürgerschaft. Seine Erziehung war auf das Leben in Deutschland ausgerichtet. Er lernte Deutsch als Muttersprache und war von Beginn an mit der Kultur hier im Land vertraut. Integriert war er direkt von Geburt an, so sagt er uns in unserem Interview. Er ist jedoch der Meinung, dass der Sport und insbesondere der Fußball eine große Integrationsinstanz ist. „Durch den Sport knüpft man sehr viele Kontakte und lernt immer wieder neue Personen kennen“. In seiner Aufgabe als Schiedsrichter begegnet er Woche für Woche vielen verschiedenen Menschen aus den verschiedensten Kulturen. Jounes findet es erstaunlich, dass wenn  zum Teil so viele verschiedene Kulturen in einer Mannschaft vorhanden sind, diese sich trotzdem so aufeinander abstimmen, dass ein geschlossenes Mannschaftsbild erzeugt wird! Durch den Fußball und die Kommunikation untereinander und mit den Spielern als Schiedsrichter verbessern sich die Sprachkenntnisse der einzelnen Akteure, welche vielleicht noch nicht so gut Deutsch sprechen können.
Jounes Mabrouk wurde in seiner Rolle als Schiedsrichter nicht von Beginn an ernst genommen; „ Dies lag aber nicht an meinem ausländischen Aussehen, sondern vielmehr an meinem jungen Alter“, so Mabrouk. „Es ist klar, dass sich die Erwachsenen in der Kreisliga A nicht gerne etwas von einem gerade einmal 17 oder mittlerweile 18 jährigen anhören lassen wollen. Doch das müssen sie!“  Dass er auf dem Platz das Sagen hat, stärk Jounes´  Selbstvertrauen immer wieder. Dieses neu gewonnene Vertrauen in sich und seine Handlungen lässt sich auch ins „echte Leben“  übertragen. Man sei viel lockerer und kommunikativer und kontaktfreudiger als man es sonst vielleicht wäre. Dies sei ein wichtiger Aspekt, der einem helfe sich besser zu integrieren indem man neue Kontakte knüpft.  Zudem lerne man mit anderen Menschen respektvoll umzugehen. „Wenn mir ein Spieler mit Respekt gegenüber tritt und mir somit zeigt das er mich als Person akzeptiert, so trete ich ihm ebenfalls mit Respekt gegenüber“.  Er findet es übrigens sehr wichtig, dass sich Schüler in der heutigen Zeit mit dem Thema „Migration“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“ beschäftigen, da man so viel mehr über andere Kulturen oder Menschen erfahren kann.
Jounes ist ein ganz gewöhnlicher Jugendlicher, der sich gerne mit Freunden trifft und einen kleinen Nebenjob hab. Er steht mitten im Leben und ist bei seinen Freunden und Bekannten sehr beliebt. Er ist voll integriert und hat Spaß an seinem Hobby als Schiedsrichter, welches ihm schon oft im Leben voran gebracht hat.
Sein Bezirksligaspiel endete übrigens mit 1:3 für die Gastmannschaft aus Warendorf.    

Ein Schiedsrichter mit ausländischen Wurzeln

Informationen zum Beitrag

Titel
Ein Schiedsrichter mit ausländischen Wurzeln
Autor
Patrick Holz
Schule
Schillergymnasium, Münster
Klasse
GK Deutsch von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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