Deutschland-Multikultiland: Asyl mal ganz genau

Wir, Amir Ressing und Lennart Lux, von der Heimschule Lender in Sasbach bei Achern haben uns mal ganz genau mit dem Tagesablauf in einem Asylbewerberheim beschäftigt. Genauer gesagt waren wir bei der „Staatlichen Gemeinschaftsunterkunft für ausländische Flüchtlinge“ in Rastatt. Dort gewannen wir sehr viele Einblicke in das Leben von Asylanten.

Diese „Gemeinschaftsunterkunft“ in Rastatt sieht im Grunde genommen wie ein ganz normales Wohnhaus aus. Das ist es aber nicht! Nicht weit weg von der Innenstadt haben hier Ausländer, die in ihrem Land aus vielen Gründen nicht bleiben konnten,  die Möglichkeit, sich ein komplett neues Leben aufzubauen. Als wir das Gebäude betraten fiel uns im Treppenhaus auf, dass es sich von einem normalen Wohnhaus zunächst nicht wirklich unterscheidet. Die Unterschiede fielen uns erst nach und nach auf (s.unten).
Anfangs sprachen wir mit Frau Vera Fritz, Leiterin der Gemeinschaftsunterkunft, über alles, was man zu einem Asylbewerberheim wissen sollte. Zunächst einmal muss man wissen, dass Asylanten nur einen Hauch der Freiheit haben wie wir Deutschen. In einem Asylbewerberheim gibt es eine Essensausgabe, in der sich die Asylanten zweimal in der Woche ihr tägliches Brot holen können. Es gibt genau das, was  jeder Erwachsene und jedes Kind braucht. Von Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Salz, Zucker, Obst und Gemüse, Tiefkühlkost, Käse, Butter bis immerhin zu Cola und Süßigkeiten. Allerdings gibt es kein Schweinefleisch aus Rücksicht auf die vielen Muslime, die in diesem Heim wohnen. Außerdem findet sich, nur wenige Schritte vom Asylbewerberheim entfernt, ein Supermarkt, der nur für die Hausbewohner gedacht ist. Der Unterschied zwischen der Essensausgabe im Heim bzw. dem eigenen Supermarkt zu einem normalen Supermarkt ist aber, dass die Heimbewohner nicht mit Geld, sondern mit Punkten bezahlen. Jeder Bewohner über 8 Jahre erhält 565 Punkte, jeder unter 8 Jahre erhält 535 Punkte. So kosten z. B. 100 g Edamer 19 Punkte und eine Packung Cornflakes 20 Punkte. So werden also die Lebensmittel und deren Konsum rationiert.
Außerdem dürfen die Heimbewohner den Landkreis nicht verlassen, in diesem Fall nicht den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden. Außerdem erfuhren wir, dass die meisten Asylanten ohne Visum und ohne Papiere nach Deutschland kommen. Wenn sie also Asyl wollen, beantragen sie dies beim Bundesamt für Migration in Berlin. Dort werden sie zu ihrer Lage interviewt. Schließlich wird entschieden, ob der Betroffene Asyl erhält oder nicht. Nachdem dies geschehen ist, wird entschieden, in welchem Landkreis und welchem Heim der Asylant untergebracht wird. Nach diesem Aufwand müssen die Asylanten mindestens ein Jahr bleiben, um sich vom Asyl „befreien“ zu können. Erst dann können auch sie sich ein normales Leben aufbauen. Außerdem sprachen wir mit Wolfgang Kientz, Hausmeister in der staatlichen Gemeinschaftsunterkunft für ausländische Flüchtlinge in Rastatt. Hier  wohnen ca. 135 Asylanten,  davon 37 Kinder. Sie wohnen  verteilt auf 3 Häuser. Jedes  Haus besitzt 10 Wohnungen. Und in jeder Wohnung gibt es verschiedene Zimmer. Das größte ist das
A-Zimmer, in das bis zu 4 Personen kommen, das zweitgrößte das B-Zimmer, in das bis zu 3 Personen gehen und das kleinste, das C-Zimmer, in das bis zu 2 Personen hineinkönnen. Familien kommen selbstverständlich, soweit es geht, in eine Wohnung. Einzelpersonen müssen sich dagegen mit anderen Personen ein Zimmer teilen. Die Wohnungen für die Asylanten sind komplett eingerichtet, daher verbietet auch die Hausordnung eigenständig Mobiliar mitzubringen.  Die meisten der Asylanten kommen aus arabischen Ländern wie Iran, Irak, Afghanistan und der Türkei. In den meisten Ländern, aus denen die Asylanten kommen, wird die Todesstrafe noch angewandt.
Wir interviewten Mintanga E. (35) aus dem 19,7 Millionen Einwohner-Staat Kamerun und Ahmade F. (31) aus Afghanistan. Beide sind sog. politische Flüchtlinge. Sie baten uns ihre Nachnamen abzukürzen um etwas anonym zu bleiben.


 
Interview mit Herr Mintanga E.

A&L:  Wann sind sie nach Deutschland gekommen?
Herr E.: Im Juni 2008
A&L: Warum sind sie nach Deutschland gekommen?
Herr E.: Ich bin als politisch Verfolgter nach Deutschland gekommen. Ich werde von  Präsident Paul Biya unterdrückt.
A&L: Waren sie vorher schon einmal in D?
Herr E.: Nein.
A&L: Wie sind die Menschen hier?
Herr E.: Ich finde die Menschen hier sind sehr nett. Ich habe keine Probleme mit anderen Menschen.
A&L: Sind sie alleine nach D. gekommen oder haben sie hier auch Verwandte?
Herr E.: Leider kam ich ohne Verwandte.
A&L: Haben sie manchmal Heimweh?
Herr E.: Ja, ich will aber erst wieder in mein Land, wenn mein Präsident gestorben ist.
A&L: Was erhoffen sie sich hier?
Herr E.: In einem Jahr möchte ich einen Job, Autofahren lernen, ins Stadion gehen und einfach nur frei sein, aber jetzt bin ich hier ja erst mal festgesetzt.
A&L: Ist es ihnen schwer gefallen, ihr Land zu verlassen?
Herr E.: Es ist immer schwer seine Familie zu verlassen und es ist mein größter Traum sie wiederzusehen.

Interview mit Frau Ahmade F.

A&L:  Wann sind sie nach Deutschland gekommen?
Frau A.: Im Dezember 2009.
A&L: Warum sind sie nach Deutschland gekommen?
Frau A.: Mein Mann, ein Goldschmied , wurde überfallen und bestohlen.
Er kannte Diebe doch sie sagten ihm, dass sie unsere Kinder töten
würden wenn er zur Polizei ginge. (Anmerkung: Es ist uns leider nicht bekannt, ob eine Anzeige erfolgte und deshalb die ganze Familie flüchtete)
A&L: Wie sind sie eingereist und gab es dabei Probleme?
Frau A.: Ich bin mit dem Auto eingereist, die Fahrt dauerte 3 Monate!
 A&L: Waren sie vorher schon einmal in D?
Frau A.: Nein               
A&L: Haben sie manchmal Heimweh?
Frau A.: Nein. Ich will nie wieder zurück.
A&L:  Ist es ihnen schwer gefallen ihr Land zu verlassen?
Frau A.: Nein. Überhaupt nicht.

Schließlich war unser Fazit:

Es ist sehr beeindruckend, mal Leute kennenzulernen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Alle Leute waren sehr nett und hilfsbereit. Alle unsere Fragen wurden mit Begeisterung beantwortet. Ein besonderer Dank geht an alle Leute, die fleißig mithelfen, dass es den Menschen dort so gut geht und dass alles so läuft wie es sollte.

Informationen zum Beitrag

Titel
Deutschland-Multikultiland: Asyl mal ganz genau
Autor
Amir Ressing, Lennart Lux
Schule
Heimschule Lender Sasbach, Sasbach
Klasse
9f von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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