Fünfmal täglich ,,Salat’’ - Zu gesund für die Deutschen?

Beinahe täglich wird in den Medien über Integration gesprochen. Das allgemeine Interesse an diesem Thema scheint durch aktuelle Gerichtsverhandlungen oder andere Vorkommnisse geweckt, jedoch ist dies häufig nur ein Trugschluss, wie folgende Reportage zeigt:
 
Zurzeit leben in Deutschland 80 Millionen Menschen, davon gehören knapp 4 Millionen dem Islam und ungefähr 28 Millionen dem Christentum an. Trotz hoher Einwanderungsquoten scheint diese Religion den Christen fremd. Von diesen 4 Millionen Muslimen lebt ein recht kleiner Teil im Eifelkreis Bitburg-Prüm.
Der Islam ist weltweit die zweitgrößte Weltreligion. Besonders vor diesem Hintergrund ist es verwunderlich, wie schwierig es hier für die Migranten ist, ihre Religionen und Traditionen auszuleben, denn viele Menschen wissen nicht, welche Pflichten mit dem Islam verbunden sind.
Eine grundlegende Voraussetzung ist zum Beispiel eine Moschee (,,Cami‘‘)  zum Beten. Doch schon allein diese Bedingung ist im Eifelkreis Bitburg-Prüm nur unzureichend gegeben. „ Für mich ist es schwierig, meinen Pflichten als Moslem nachzukommen, da die nächste Moschee 71 km von meinem Wohnort entfernt ist. Wir haben zwar die Möglichkeit, einen Gebetsraum zu besuchen, doch das ist nicht das Gleiche“, so Behram A., ein türkischer Migrant, der 1976 nach Deutschland eingewandert ist und sich in einem kleinen Dorf in der Eifel niedergelassen hat.  Wie viele andere Türken hat auch Herr A. das Problem, seine religiösen Pflichten mit dem deutschen Alltag in Einklang zu bringen. Denn eine der fünf Säulen des Islams schreibt das fünfmal tägliche Beten vor, das im arabischen Koran als „Salat“ bezeichnet wird. Diesem Gebot konnte er in seinem Berufsalltag oft nicht nachkommen, denn die ständigen Unterbrechungen der Arbeitszeit zum Beten wurden von vielen Arbeitgebern nicht toleriert, da sie diese Art der Religionsausübung von ihrer eigenen, meist katholischen oder evangelischen Konfession, nicht kennen. „Oft musste ich daher abends die versäumten Gebete nachholen“, sagt Herr A. Jedoch ist es nicht nur für Erwachsene im Berufsleben schwierig ihre Gebetszeiten einzuhalten, sondern auch Schüler haben oft Probleme in der Schule beten zu dürfen, wie man am Beispiel von Yunus M. erkennt, der gegen seine Schule klagte, um ein Gebetsrecht während der Unterrichtszeit erreichen. Diese Klage wurde jedoch von dem dafür zuständigen Gericht abgelehnt.  Man muss jedoch bedenken, dass nicht jeder Anhänger, egal welcher Religion, so streng gläubig ist.
Neben dem ,,Salat’’ gibt es noch vier weitere Säulen, die jeder gläubige Moslem im Laufe seines Lebens erfüllen sollte:
Zum einen ist es das Glaubensbekenntnis ,,Schahada’’, das vergleichbar mit dem der Christen ist. Das Glaubensbekenntnis ist im Original in der arabischen Sprache verfasst und daher schwierig ins Deutsche zu übersetzen. Sinngemäß übersetzt heißt es: „Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist“.
 Zum anderen sind die Moslems aufgefordert, jedes Jahr einen kleinen Teil ihrer Ersparnisse an bedürftige Menschen zu spenden. Diese Säule wird als ,,Zakat’’ bezeichnet.
Des Weiteren fasten die Gläubigen einmal im Jahr einen Monat lang, der auch als ,,Ramadan’’ (arab. Saum) bekannt ist. Der Hintergrund dieses Gebotes ist, dass sich die Moslems in die Lage von armen und bedürftigen Menschen hineinversetzen sollen und deren Not selbst erfahren sollen.
Die fünfte und letzte Säule ist die Pilgerfahrt nach Mekka, die jeder Moslem im Laufe seines Lebens unternommen haben sollte. Zu dieser Pilgerfahrt ist jeder volljährige, gesunde Moslem, der finanziell dazu in der Lage ist, verpflichtet, denn im Koran steht sie als ,,religiöse Pflicht’’. Es gibt jedoch neben Mekka noch weitere Pilgerziele der Moslems, wie zum Beispiel  Medina.
Neben den Pflichten, die ein gläubiger Moslem im Laufe seines Lebens erfüllen muss, hat jeder Moslem, wie schon oben genannt, die Aufgabe des fünfmal täglichen Gebets (,,Salat’’). Diese Gebete sollen nach Möglichkeit zu bestimmten, festgelegten Tageszeiten in Richtung Mekka abgehalten werden. Das erste soll morgens, noch vor dem Frühstück, bei Sonnenaufgang gesprochen werden. Das Zweite soll am Mittag gebetet werden, wobei die genaue Uhrzeit in einem Kalender für jeden Tag einzeln bestimmt ist. Ebenso dort festgelegt sind sowohl die  Nachmittagsgebete als auch die Gebete bei Sonnenuntergang und bei Einbruch der Nacht. Jedes Gebet wird vorher durch einen Gebetsruf angekündigt. Doch vor diesem muss eine rituelle Waschung durchgeführt werden, bei der bestimmte Körperteile 3-mal gewaschen werden müssen. Diese Reinheit beim Beten wird auch als ,,Tahara‘‘ bezeichnet. Zudem gibt es jeden Freitagmittag ein Gemeinschaftsgebet, das nur für die Männer verpflichtend ist.
Von all diesen Pflichten und Festen, die Muslime täglich erledigen, wissen nur wenige Menschen etwas. Trotz hoher Einwanderungsquoten und den vielen Gesprächen rund um das Thema ,,Integration‘‘, ist es für viele Einwanderer schwierig ihre Kultur mit der der Deutschen in Einklang zu bringen und dennoch gibt es Beispiele, an denen man sich orientieren kann und die zeigen, wie eine gelungene Integration aussehen und funktionieren kann. Daher ist die These „Fünfmal täglich Salat – zu gesund für die Deutschen“ durchaus zutreffend. Sie kann jedoch durch ein wenig Engagement beider Parteien überwunden werden.  



Regino-Gymnasium Prüm
11SK1
Sara Großmann, Burcin Alma, Dominik Feltes

Quellen:
-    Statistisches Bundesamt
-    Statistisches Landesamt Rheinland - Pfalz
-    Interview mit Behram A.
-    Bischöfliche Pressestelle Trier
-    ,,Kuppeln ohne Experimente‘‘ FAZ, 2.11.2011
 

Fünfmal täglich ,,Salat’’ - Zu gesund für die Deutschen?

Informationen zum Beitrag

Titel
Fünfmal täglich ,,Salat’’ - Zu gesund für die Deutschen?
Autor
Sara Großmann, Burcin Alma, Dominik Feltes
Schule
Regino-Gymnasium, Prüm
Klasse
11SK1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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