Das neue Anerkennungsgesetz: “ Ein wichtiges Zeichen im Hinblick auf Integration“

Als der Prümer Islamexperte Dr. Abdul Husseini vor 35 Jahren aus dem Libanon nach Deutschland einwanderte, gab es das Problem mit der Anerkennung noch gar nicht. „Als ich nach Deutschland kam, hatte ich keinerlei Probleme mit meinem Schulabschluss.“, so Husseini. Doch nach Schätzungen des Bundesministeriums für Bildung und Familie leben in Deutschland rund 285.000 Menschen, die von dem neuen Gesetz zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse profitieren könnten. Was momentan noch nicht möglich ist, soll bereits nächstes Jahr möglich sein: Schulabschlüsse unabhängig von der jeweils zuständigen Kammer prüfen zu lassen. Mit der Vereinheitlichung soll mehr Transparenz geschafft werden für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die zuständigen Kammern. Mit nur maximal drei Monaten Bearbeitungszeit ist eine sehr schnelle Abwicklung garantiert. Somit können Migranten schnell ihren Beruf anerkennen lassen und somit auf dem deutschen Arbeitsmarkt die jeweiligen Chancen erhöhen.
Mit dem neuen Gesetz zur Anerkennung im Ausland erworbener Bildungsqualifikationen, kurz BQFG, werden auch insgesamt 60 bereits bestehende Arbeitsgesetze verändert. In §1 BQFG heißt es, dass dieses Gesetz zur besseren Nutzung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen für den deutschen Arbeitsmarkt dient.
Für Antragssteller können je nach Schulabschluss verschieden hohe Bearbeitungsgebühren anfallen. So veröffentlichte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz bereits erste Zahlen bezüglich der anfallenden Gebühren. Diese reichen bei erfolgreicher Anerkennung von 25€ für die Anerkennung eines Hauptschulabschlusses bis zu 65 € für die Anerkennung der allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung. In Sonderfällen kann sogar eine Gebühr von bis zu 120 € erhoben werden.
Doch was passiert wenn ein Abschluss nicht anerkannt wird?
Stellt die Behörde fest, dass wesentliche Unterschiede in der Ausbildung bestehen, hat der Antragssteller die Möglichkeit, sich weiterbilden zu lassen z.B. in Form von Lehrgängen oder Prüfungen, die jeweils vom Land angeboten werden. Nutzt der Antragssteller seine Möglichkeit nicht, kann er seinen Beruf in Deutschland nicht ausüben. Diese Verpflichtung zur Weiterbildung besteht jedoch nur bei reglementierten Berufen. Bei nicht- reglementierten Berufen (Ausbildungsberufen) besteht keine Pflicht. Jedoch können in diesen Berufen auch Weiterbildungen erfolgen, um die Chancen des Antragstellers auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.
Als es in den 80er Jahren das Anerkennungsgesetz noch nicht gab, war es um einiges schwerer für einen Migranten, seinen Abschluss auf Gleichwertigkeit prüfen zu lassen. So auch bei dem ehemaligen Gymnasiallehrer Christopher Meux, der insgesamt 10 Jahre kämpfte, um seinen in England erlangten Master in Deutschland anerkennen zu lassen. Der durchweg sehr gute Ruf der University of Cambridge, an der er studierte, schien den damals zuständigen Beamten nur wenig zu kümmern. Sein Bildungsabschluss wurde nicht anerkannt. “Leider Gottes war das eine persönliche Entscheidung des Beamten“, so Meux. Doch was mit dem neuen Gesetz zur Anerkennung im Ausland erworbener Bildungsabschlüsse nicht mehr möglich sein wird, war glücklicherweise in den 80er Jahren noch machbar: Obwohl der Abschluss nicht anerkannt wurde zu arbeiten. Denn Christopher Meux arbeitete in dieser Zeit auch als Lehrer, doch konnte er nur 13 Stunden in der Woche an einer Hauptschule unterrichten. Er selbst sieht in dem neuen Gesetz eine große Chance für alle Migranten, ihren im Ausland erworbenen Schulabschluss anerkennen zu lassen. Außerdem begrüßt er die kurze Bearbeitungszeit von drei Monaten, die die Antragsteller nicht all zu lang auf die Folter spannt.
So sollen in Zukunft solche jahrelangen Kämpfe um die Anerkennung ausländischer Schulabschlüsse vermieden werden. Doch wird die Attraktivität Deutschlands wirklich steigen, wird die neue Vereinfachung mehr dringend benötigte Fachkräfte aus dem Ausland

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nach Deutschland locken? Wenn es nach Bildungsministerin Schavan geht, ja.
Doch ob das neue Gesetz auf Anhieb ein großer Erfolg wird und ob ausländische Fachkräfte am Ende nicht doch den Bürokratiestaat Deutschland meiden wird ganz und allein die Zukunft zeigen. Das neue Gesetz ist auf jeden Fall ein großer und auch richtiger Schritt in die richtige Richtung und wird Deutschland hoffentlich wirtschaftlich und kulturell viele Vorteile bringen und die alten Nachteile aus dem Weg räumen.
 „In anderen Ländern klappt es doch auch, warum sollte es bei uns also nicht so sein?“, so Bildungsministerin Annette Schavan.




Regino Gymnasium Prüm
11SK1
Lars Nelles



Quellen:
- http://www.add.rlp.de/Schulen/Anerkennung-auslaendischer-Zeugnisse/
  3.12.11, täglich mehrere Aufrufe
- http://www.bmbf.de/pubRD/faqsanerkennungsgesetz.pdf
  Download: 8.11.11
- http://www.bmbf.de/de/15644.php
  25.11.11-  13.12.11, täglich
- http://www.berufliche-anerkennung.de/brain%20waste.pdf
  8.11.11, 1 Aufruf
- Telefongespräch mit Dr. Abdul Husseini: 15.11.11; 15:00 Uhr
- Telefongespräch mit Christopher Meux:6.12.2011; 17:30 Uhr
- Zitate Frau Schavan, Video auf: http://www.bmbf.de/de/15644.php
  Bundespressekonferenz; Aufruf 11.12.11

 

Das neue Anerkennungsgesetz: “ Ein wichtiges Zeichen im Hinblick auf Integration“

Informationen zum Beitrag

Titel
Das neue Anerkennungsgesetz: “ Ein wichtiges Zeichen im Hinblick auf Integration“
Autor
Lars Nelles
Schule
Regino-Gymnasium, Prüm
Klasse
11SK1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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