Bravo Deutschland: Die Russen kriegen Zuschüsse und bauen sich Häuser auf unsere Kosten!

„Welche Zuschüsse?" fragen sich Diana Richert* und ihre Familie seit 12
Jahren. Die Antwort ebenso simpel. Die Zuschüsse gibt es nicht.
Genauso wenig die Illusion von Häusern, die auf Kosten des Staates
gebaut werden. Das “Bravo“ bleibt der “toleranten“ Art
der Deutschen gewidmet.


Ein Blick in den Alltag einer deutsch-russischen Familie in der Eifel:
Am 8.Dezember 1999 siedelte die vierköpfige Familie aus Karaganda
(Kasachstan) sich in Deutschland an. Sie zogen in die Nähe ihrer
Verwandten und ließen sich in der Kleinstadt Prüm nieder. Grund für
die Auswanderung waren die chaotischen Verhältnisse des Landes nach
dem Fall der Sowjetunion, da Unruhen und eine hohe Kriminalität
herrschten. Anna berichtet: „ Mein Mann ging ein Jahr lang jeden Tag
zur Arbeit ohne auch nur ein einziges Mal für die Arbeit bezahlt zu
werden!“ Nach dem Umzug nach Deutschland der Familie mit vorhandenen
deutschen Wurzeln gab es jedoch weitere Probleme für ein harmonisches
Leben.
„ Sie sind ein guter Ingenieur Herr Richert, aber Sie sind Deutscher.
Hier können sie keinen Erfolg ernten “, hieß es für den
Diplomingenieuren in Kasachstan. Ein Skandal, weil in Kasachstan zu dieser Zeit politischen Unruhen der Grund, dass nur Ingenieure kasachischer Herkunft eine Chance auf einen Arbeitsplatz hatten. In Deutschland erschweren ihm Sprachprobleme und die geografischen Gegebenheiten der Eifel, seinen Beruf auszuüben. Er arbeitet hier als Bauarbeiter, während seine Frau den Beruf der Arzthelferin ausführt. Dem Klischee, dass Kindern mit Migrationserfahrung just ein Hauptschulabschluss und nicht mehr vorprogrammiert sei, trotzen ihre beiden Kinder. Sowohl Diana als auch Maxim besuchen ein Gymnasium.
Seit Jahrhunderten liegt es in der Natur des Menschen seine Nächsten in eine negative Schublade zu stecken, um seine eigene Unvollkommenheit zu kaschieren. Schon der Philosoph Thomas Hobbes stellte fest, dass der „Mensch von Natur aus böse ist.“  Es werden Straßen aus Frustration und Missmut gebaut, gepflastert mit Rassismus. Ein traditionsbewusster Bürger fühlt sich auch in einer Welle des Umschwungs angegriffen und interpretiert Neues als natürlichen Feind seiner gesitteten Ordnung. Dabei ist Neues manchmal besser, als man denkt. Was denkt man als Erstes wenn man das Wort Russe hört? An einen fleißigen Arbeiter, der seinen Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen will und deshalb bei Regen und Schnee auf der Baustelle arbeitet, trotz eines Diplomtitels, und nebenbei ein guter Ehemann und Vater ist, der gerne Fußball spielt ? Wohl eher nicht. Heißt es nicht normalerweise, dass Russen „trinkfest“, „vorlaut“, „aggressiv“ und „gewaltbereit“ sind? Sergej Richert nicht. Er ist weder ein Trinker noch ein Tyrann oder ein Barbar, so wie viele Leute es vermutlich denken. In den Nachrichten stehen oft negative Schlagzeilen über die Russen. Ist Familie Richert nicht in Wirklichkeit eine unsympathische, unfreundliche und zerstörerische Familie? Sind die Deutschen nicht genau so trinkfest, aggressiv und vorlaut? Bestimmt, aber die Russen kommen aus Russland und die Deutschen aus Deutschland, der große Unterschied zwischen „Gut“ und „Böse“. Wann liest man in der Zeitung, dass Migranten etwas Gutes für Deutschland und die Gesellschaft getan hat? Nackte Utopie. Willkommen in der Realität, auch wenn viele grausaume Ereignisse unser System erschüttern ist  "schon länger bekannt, dass die  “Menschenrassen” aus genetischer Sicht zu inhomogen sind, um als Einheit betrachtet zu werden" (Martin Marheinecke). Menschenrassen gibt es also nicht. Genauso wenig wie die Tatsachen, dass alle Deutschen Nazis sind und alle Migranten kriminell sind. Man kann Menschen nicht auf ihr Herkunftsland reduzieren und sich dann ein Urteil über diese erlauben. Denn wenn nur eine Traube verdorben ist, heißt es nicht gleich, dass alle anderen auch schlecht sind!
*Die Namen wurden geändert

Elvira Axt & Annika Wehse
(Regino-Gymnasium Prüm, 11Sk1, Elvira Axt und Annika Wehse)

Bravo Deutschland: Die Russen kriegen Zuschüsse und bauen sich Häuser  auf unsere Kosten!

Informationen zum Beitrag

Titel
Bravo Deutschland: Die Russen kriegen Zuschüsse und bauen sich Häuser auf unsere Kosten!
Autor
Elvira Axt, Annika Wehse
Schule
Regino-Gymnasium, Prüm
Klasse
11SK1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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