Fußball – ein Vorbild für Integration

Integration ist ein in Deutschland viel diskutiertes Thema. Aber was bekommt man  in der Öffentlichkeit mit? Meistens nur solche Kommentare wie: „Wie viele Ausländer denn noch?“ oder „Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg und können sich nicht integrieren!“
Das sind natürlich Aussagen von Personen, die ohne nachzudenken solche Kommentare abgeben. Durch so etwas entstehen dann die typischen Vorurteile gegen Migranten! Doch profitiert Deutschland nicht viel mehr von seinen Einwanderern? Denn sie beheben unseren Fachkräftemangel und bereichern unsere Kultur. Außerdem kann man Integration noch von einem anderen Standpunkt aus betrachten – dem des Fußballs. Denn wo stände unsere Nationalmannschaft ohne Spieler wie Miroslav Klose, Lukas Podolski oder Mesut Özil? Alle genannten sind Leistungsträger unseres Teams und haben einen Migrationshintergrund. Sie sind Vorbilder für viele deutsche Kinder. Vor allem aber für Einwandererkinder, die es am Anfang sehr schwer in einem neuen Land wie Deutschland haben. Sicher gibt es auch Migranten die sich bewusst isolieren und sich nicht in die Gesellschaft integrieren möchten, aber das ist eher ein Ausnahmefall.
Lange Zeit waren Spieler mit Migrationshintergrund  im Nationalteam eher selten, der erste Spieler mit Migrationshintergrund im Dress der Nationalmannschaft war Josef Posipal (ehemals Hamburger SV).
Von 1951 bis 1956 wurde Josef Posipal 32-mal in den Kader der Nationalmannschaft berufen und war auch einer der WM-Helden von 1954, die beim Tunier in der Schweiz den Titel holten. Posipal ist am 20.Juni 1927 in der rumänischen Stadt Lugoj geboren, er wanderte mit 16 Jahren alleine nach Deutschland aus und erlernte den Beruf des Maschinenschlossers. Während seiner Ausbildung lebte er in einer Jugendherberge in Würfel, einem Stadtteil von Hannover. Josef Posipal blieb nur in Deutschland, weil er einen Brief von seiner Mutter bekam, die noch in Rumänien lebte. Sie riet ihrem Sohn in Deutschland zu bleiben, weil die  Rumäniendeutschen zur Zwangsarbeit in der damaligen Sowjetunion verschleppt wurden. Der gebürtige Rumäne blieb in Deutschland und startete im Jahr 1943 seine Fußballkarriere beim TSV Badenstedt, einem Verein in Hannover. Über die Vereine Blau-Weiß Wölpinghausen, SV Linden 07, Arminia Hannover wechselte er 1949 schließlich zum Hamburger SV; damit schaffte Josef Posipal denn Sprung von der Oberliga Nord zum Wettbewerb der Deutschen Meisterschaft, dem Vorgänger der 1. Deutschen Bundesliga. Als rechter Verteidiger des Hamburger Sportvereins avancierte er zum Führungsspieler einer Mannschaft, die 8-mal Deutscher Meister wurde. Die Klublegende der „Hanseaten“ und Freund des Rumänendeutschen, Uwe Seeler, nannte ihn einen der größten Spieler den der HSV jemals hatte und das er ein Leitbild für den HSV sei - nicht nur wegen seiner sportlichen Fähigkeiten, auch in menschlicher Hinsicht. Uwe Seeler beschrieb seinen Freund als „einmalig und herzensgut.“
Am 21. Februar 1997 verstarb Josef Posipal im Alter von 69 infolge eines Herzversagens während einer Routineuntersuchung im Uni-Krankenhaus Eppendorf (Hamburg).
 
Ein weiteres Beispiel für die Integration durch den Fußball ist Marc Gouiffe á Goufan, Spieler beim Regionalligisten Eintracht Trier. Er kam im Jahre 2002 zunächst nur nach Deutschland, um mit der U20-Nationalmannschaft seines Heimatlandes Kamerun an einem Turnier in Sindelfingen teilzunehmen. Dabei wurde der Bundesligist VfL Wolfsburg auf ihn aufmerksam. So wechselte er im Juli 2002, im Alter von gerade mal 18 Jahren nach Wolfsburg, da er die „Entwicklungsmöglichkeiten für einen Fußballer in Deutschland weitaus besser als in Kamerun“ einschätzte. In dem Interview, welches wir mit ihm führten, fragten wir ihn wie seine erste Zeit in Deutschland war. Darauf antwortete er uns, dass ihm die Verständigung am Anfang sehr schwer fiel. So verstand er den Trainer zum Beispiel nicht. Durch die Hilfe seiner Mitspieler und Dolmetscher klappte es aber zumindest einigermaßen mit der Verständigung. Mit der Zeit kam dann auch das Erlernen der deutschen Sprache. So unterstützte ihn sein damaliger Verein, der VfL Wolfsburg, durch organisierte Sprachkurse.
 Mit Pablo Thiam fand er einen Mitspieler, der ihm in der ersten Zeit gut helfen konnte, da er selbst afrikanische Wurzeln hat. Zusätzlich hatte er Probleme mit dem neuen Lebensstil.   „Disziplin und Pünktlichkeit musste ich in dem hier gewünschte Maße erst lernen“, gibt er uns zu Protokoll. „Diese Ausrichtung war zunächst doch neu für mich.“
In dieser schweren Zeit stand ihm seine Bezugsperson Bernhard Hansen, ehemaliger Nachwuchskoordinator der „Wölfe“, stets zur Seite.
Auf die Frage ob er in seiner Zeit in Deutschland auch schon einmal Probleme wegen seiner Herkunft hatte, sagt er: „Ja. Bei Gastspielen in Rostock, Magdeburg und Dresden. Da kam es zu Anfeindungen und Beleidigungen von der Tribüne, aber auch von Gegenspielern. Da muss man dann ganz stark sein – und darf letztlich keine Zeit verschwenden, sich darüber groß Gedanken zu machen oder sich gar mit diesen Leuten anzulegen.“
An solchen Aktionen von Fans und Spielern merkt das Migranten noch nicht von der gesamten Gesellschaft angenommen werden. Denn was haben Spieler wie Marc Gouiffe á Goufan, auch „Goofy“ genannt, diesen Menschen getan? Mit dieser Frage sollten wir uns alle mal beschäftigen, denn solch ein Verhalten ist erstens dem Spieler gegenüber verletzend, und des Weiteren ist es beschämend für alle anderen Bürger!
Trotz solcher Aktionen und einer langen Verletzungspause vor seinem Wechsel zur Eintracht über die Stationen Paderborn und St. Pauli hat „Goofy“ ein positives Bild von Deutschland. „In Trier habe ich keine Probleme. Hier ist alles gut. Ich spiele gerne hier.  Die Leute sind nett und respektieren einen. Darüber hinaus fühle ich mich auch in Deutschland wohl. Hier lebt meine Familie. Deutschland ist längst zu meiner zweiten Heimat geworden.“
Marc Gouiffe á Goufan ist also ein tolles Beispiel für gute Integrationsarbeit im deutschen Fußball. Aber er ist natürlich nicht der einzige. Man braucht sich nur die Nachwuchsmannschaften der Bundesligisten anzugucken um zu sehen wie viele Jugendliche mit Migrationshintergrund mittlerweile im deutschen Fußball aktiv sind. Und mit diesen jungen Spielern ist der DFB im Nachwuchsbereich schon jetzt sehr erfolgreich. So hat man in den letzten Jahren wieder Welt- und Europameistertitel im Juniorenbereich gewonnen. Das sieht man auch in der A-Nationalmannschaft. Denn dort rücken immer mehr junge, talentierte Spieler nach, die zwar in Deutschland aufgewachsen sind, aber nicht hier geboren wurden. Mit dieser Mischung wird die junge Truppe in absehbarer Zeit auch wieder Titel gewinnen können. Und ist das nicht ein schöner Erfolg für die tolle Arbeit, die hier geleistet wird? Das der DFB den Migranten durch den Fußball die Möglichkeit gibt sich in der Gesellschaft zu integrieren, ist eine tolle Geste, denn der  Fußball verkörpert Gemeinschaftsgefühl. Auch der aktuelle DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sagte „Fußball ist ein wichtiger gesellschaftlicher Integrationsmotor“. Mithilfe von Kampagnen des DFB wird die Integration, die jetzt schon als vorbildlich gilt, immer weiter verbessert. Diese Maßnahmen sind sehr wichtig, denn unsere Nationalmannschaft spiegelt unser gesamtes Land wider und sie repräsentiert unsere Nation bei internationalen Wettbewerben.
In der Bundesrepublik leben ca.7.5 Mio. Migranten, die zu einem großen Teil auch eine erfolgreiche Karriere in ihrem Berufsleben haben und sich in ihrer neuen Heimat wohl fühlen – wenn auch in Ausnahmefällen wie in unserem Beispiel nach einem schweren Beginn und manchen Rückschlägen. Sie bereichern unser Land und unsere Kultur und wir können froh sein, dass sie hier sind.

Marvin Junk
Martin Molitor
 

Fußball – ein Vorbild für Integration

Informationen zum Beitrag

Titel
Fußball – ein Vorbild für Integration
Autor
Marvin Junk, Martin Molitor
Schule
Regino-Gymnasium, Prüm
Klasse
11SK1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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