Die „Internationalmannschaft“ - Wie der DFB beweist, dass gelungene Integration auch auf d

Von Felix Steinbrecher und Patrick Stadlmayr
P-Seminar „Journalismus“, Chiemgau-Gymnasium Traunstein

22 Uhr und 26 Minuten. Der spanische Radiokommentator ist völlig aus dem Häuschen, Mesut Özil trifft zum 1:0 gegen Getafe und bringt die Madrellenen im direkten Titelkampf gegen den FC Barcelona in Front. Und nicht nur die Fans jubeln, sondern auch Madrids Cheftrainer José Mourinho bezeichnet die gewonnenen drei Punkte als „sehr wichtig“. Bei der anschließenden Pressekonferenz dankt er aber auch dem deutschen Bundestrainer Joachim Löw: „Wenn Spieler von einer Länderspielreise zurückkehren, sind sie normalerweise ausgelaugt, aber wenn die zwei Deutschen Mesut und Sami wieder zum Verein stoßen, dann bemerkt man eine deutliche Leistungssteigerung.“ Laut Mourinho liegt das an der guten Arbeit des deutschen Trainerteams. Bei genauerem Hinsehen fällt einem aber eines besonders ins Auge – die genannten Spieler der deutschen Nationalmannschaft haben Migrationshintergrund. Und dabei wird die gute Arbeit des deutschen Fußballbundes in der Förderung und Integration von Migranten deutlich, was auch José Mourinho nicht unverborgen blieb.
Die deutsche Fußballnationalmannschaft gehört zur Weltelite. Dazu tragen genau diese Spieler einen nicht unerheblichen Teil bei und es ist fraglich, ob das deutsche Team ohne eben diese Spieler genauso konstant erfreuliche Ergebnisse bei den großen Turnieren dieser Welt erzielen könnte, wie es in den letzten Jahren der Fall war. Deutschland ist ein Einwandererland und das spiegelt sich auch in unserer Nationalmannschaft wider.
Einige Fußballer der DFB-Elf haben Migrationshintergrund und repräsentieren unser Land mit Stolz. Die meisten hätten auch für andere Länder kicken können, haben sich aber für Deutschland entschieden – für ihre Heimat.
Die deutschen Fans dürfen sich freuen, wenn einige prominente Spieler wie Miroslav Klose und Lukas Podolski (beide Polen), Mesut Özil (Türkei), Sami Khedira (Tunesien) oder Jerome Boateng (Ghana) bei den großen Turnieren Erfolge für unser Land feiern.

Doch dass so viele Spieler der deutschen Nationalmannschaft Migrationshintergrund haben, ist kein Zufall, sondern viel mehr das Ergebnis erfolgreicher Arbeit des Deutschen Fußballbundes bei der Integration im Fußball. So ist das Erste, was einem auf der Homepage des DFB unter der Rubrik Integration auffällt die Überschrift: „Fußball – Viele Kulturen – Eine Leidenschaft“.
Ein weiteres Indiz für die verstärkte Arbeit in diesem Bereich ist, dass der DFB und Mercedes Benz seit 2007 jährlich den sogenannten „Integrationspreis“ für vorbildliche Projekte verleihen.
„Spieler, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben, bringen andere Charaktere mit, eine andere Spielauffassung, eine andere Lebensphilosophie – und das bereichert uns“, so Oliver Bierhoff, der Nationalmannschaftsmanager.
Als Paradebeispiel bezeichnet der DFB auf seiner Website die deutsche U21 – Nationalmannschaft.
Bei der U 21-Europameisterschaft im Juni 2009 in Schweden hatten neun Spieler aus der Startformation Migrationshintergrund.
Ein klarer Beweis dafür, dass die Integration im Fußball funktioniert.
Zumal die deutsche U21 bei eben dieser EM 2009 unter der Leitung von Trainer Horst Hrubesch auch noch Europameister wurde.
Chefcoach der A-Nationalmannschaft Joachim Löw meint, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei und genau das solle man zu seinem Vorteil nutzen, denn durch den Fußball bietet sich nicht nur den jungen Spielern mit Migrationshintergrund eine Chance auf leichtere Eingliederung in die Gesellschaft, sondern auch Verantwortliche und andere Mitspieler setzen sich mehr mit Migration auseinander und lernen gelungene Integration kennen, was nicht zuletzt ganz Deutschland als Vorbild dienen kann.
Der Deutsche Fußballbund stellt mit dieser Philosophie ein ideales Beispiel dar. Sowohl die Jugend aus dem Ausland, als auch die eigene Entwicklung im Sport wird gefördert. Eine Win-Win-Situation. Die Bezeichnung „Internationalmannschaft“, die ein Nutzer des Fußball Forums „soccer-warriors.de“ gebrauchte, könnte folglich wohl nicht treffender gewählt sein. Neben Deutschland gibt es auch andere Länder, die erfolgreiche Integration im Fußballsport betreiben. Ein Nutzer des Internetforums „asslema.com“ beschreibt, wie Frankreich 1998 mit Spielern, die überwiegend aus ehemaligen Kolonien wie z.B. Nordafrika stammten, Weltmeister im eigenen Land wurde und zwei Jahre danach auch noch die Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden für sich entscheiden konnte. Es liegt auf der Hand, warum die damalige Mannschaft „Black, blanc, beur“ statt „Bleu, blanc, rouge” genannt wurde.
Das prominenteste Beispiel ist hierbei der zu dieser Zeit wohl beste Fußballer der Welt Zinedine Zidane, dessen Familie aus Algerien stammt. Diese Erfolge bezeichnet ein Nutzer des Forums völlig zurecht als „gelungene Integration“ – zumindest auf Ebene des Fußballs, denn man sollte nicht verschweigen, dass Frankreich damals durchaus auch Integrationsprobleme hatte, wobei der Sieg bei der Weltmeisterschaft natürlich eine sehr willkommene Abwechslung für alle Beteiligten war.
Auch in ganz Europa gibt es Organisationen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen und die soziale Integration von Jugendlichen fördern. Zum Beispiel unterstützt die Organisation „streetfootballworld“ die Netzwerkarbeit auf der ganzen Welt und führt zum Teil eigene oder mit Partnern gemeinsam initiierte Projekte durch.
Im Fußball steht die Gemeinschaft im Vordergrund, die perfekte Grundlage für Integration, die „spielerisch“ gelingen kann.
 


Quellen:
http://www.soccer-warriors.de/2010/06/11/die-deutsche-migrantenelf-bei-der-wm-in-suedafrika/
www.wikipedia.de
http://www.dfb.de/index.php?id=508798
http://www.theeuropean.de/ccile-calla/3740-eine-mannschaft-ein-land
http://www.stiftung-jugendfussball.de/
http://www.streetfootballworld.org/
 

Die „Internationalmannschaft“ - Wie der DFB beweist, dass gelungene Integration auch auf dem Rasen stattfinden kann

Informationen zum Beitrag

Titel
Die „Internationalmannschaft“ - Wie der DFB beweist, dass gelungene Integration auch auf d
Autor
Felix Steinbrecher, Patrick Stadlmayr
Schule
Chiemgau-Gymnasium, Traunstein
Klasse
P-Seminar Journalismus Q11 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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