Migranten, Pizza und Probleme

Deutschland gilt als „verlockender Sozialstaat“, angesichts der Leistungen gegenüber den Einwohnern wie zum Beispiel Arbeitslosengeld und Krankenversicherung.
Die Antwort zeigt, dass Vorurteile, Meinungen und Reaktionen zu Migranten bei den Menschen im Prümer Land vielfältig sind, wie eine nicht-repräsentative Umfrage  unter 15 Jugendlichen (14-25Jahre) und 15 Erwachsenen (ab 26 Jahren) zeigt. Schulen und Polizei leisten Aufklärungsarbeit.
Die Gründe für eine Auswanderung nach Deutschland liegen zum Teil im familiären oder beruflichen Bereich. Auch Verfolgung und Kriege im Heimatland können dazu führen.

Bei der Bewertung der Zuwanderung nach Deutschland sehen viele erwachsene Deutsche insbesondere den wirtschaftlichen Vorteil für Migration. „Was Deutschland braucht, sind qualifizierte Arbeitskräfte, die auch aus dem Ausland stammen können“, sagte ein Befragter.
Auch Jugendliche verweisen auf die positiven Auswirkungen der Migration. Auf diese Weise lande mehr Geld im Rententopf, und die Vielfältigkeit der Kulturen werde weiterhin ausgebaut.
„Es ist wie bei einer Pizza. Je mehr Zutaten darauf sind, desto  schmackhafter wird sie“, sagte eine Befragte. Jedoch sind viele Jugendliche auch der Meinung, dass ein Großteil der Migranten sich nicht anpasse und die deutsche Sprache nur sehr schlecht beherrsche.
Ein Lehrer beschwerte sich: „Unsere Kinder beginnen bereits, den Sprachstil mancher ausländisch  Heranwachsenden zu lernen mit Sprüchen wie ,Eh Alter, was willst du?’“.

Ein Selbstversuch des Einbürgerungstests zeigt, dass sich der Schwierigkeitsgrad der Fragen in Grenzen hält.
Beispiel: „Zu welchem Fest tragen Menschen in Deutschland bunte Kostüme?
a) am Rosenmontag, b) am Maifeiertag, c) beim Oktoberfest, d) an Pfingsten?
Teilnehmer müssen lediglich 17 von 33 Fragen korrekt beantworten, um den Test zu bestehen.


Bei manchen Jugendlichen sind ausländerfeindliche Züge zu erkennen. So antwortet ein Jugendlicher auf die Frage, was er über Migranten denke, aggressiv: „Bei denen zählt nur Hartz IV und Kinder auf die Welt bringen, um die Kohle einzusacken.“ Solche extremen Standpunkte können leicht zu tragischen Folgen führen wie Ausländerhass und Rechtsextremismus. Ein aktuelles Beispiel dafür sind die Auswirkungen der Zwickauer Terrorzelle.
Um dem vorzubeugen, sollen Schüler über Migration und Rassismus aufgeklärt werden. Das hat sich auch Hubert Lenz, Jugendbeauftragter der Polizeidirektion Wittlich, ebenfalls zuständig für den Kreis Bitburg-Prüm,  zur Aufgabe gemacht. Oft besucht er Schulen und hält dort Seminare über Themen wie Gewalt, Zivilcourage und Fremdenfeindlichkeit.
Seine Vorträge und Hilfen kommen bei den meisten Schülern gut an. Lenz selbst sagt: „Ich bin erfreut, wie toll das in den Klassen funktioniert.“ Die Zusammenarbeit zwischen Streetworker, Polizei, Schulsozialarbeitern sowie den Jugendlichen sei elementar wichtig, obwohl jeder sich mit einem anderen Aufgabenfeld beschäftigte. Die Jugendlichen bauten eher Vertrauen zu Streetworkern auf als zur Polizei. Lenz: „Es ist wichtig, dass die Schüler eine Bezugsperson haben, die ihnen auch in schwierigen Situationen unterstützend und beratend zur Seite steht. Man ergänzt sich und hilft sich gegenseitig. Jedoch ist es auch wichtig, das Vertrauen der Jugendlichen nicht zu missbrauchen.“

Der Polizist kennt typische  Cliquen, deren Mitglieder derselben Religion angehören oder aus demselben Ursprungsland stammen. Seiner Meinung nach ist es wichtig, dass dort, wo viele Migranten auf engem Raum zusammen leben, Streetworker oder andere Leute aus der Jugendarbeit gezielt die Integration fördern, um zu vermeiden, dass sich Migranten isoliert vorkommen oder sich selbst isolieren.

Die Befragten waren größtenteils der Auffassung, dass die Kriminalität bei Ausländern höher sei als bei Deutschen. Die Polizeistatistik für Jugendkriminalität zeigt einen anderen Trend. Die Daten belegen einen deutlichen Rückgang der Kriminalität bei Nichtdeutschen.
Bei der Entwicklung der Tatverdächtigen (TV) unter 21 Jahren im Jahr 2010 kann resümierend gesagt werden, dass bei jungen Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit der Rückgang - 6,1 % beträgt und bei den Nichtdeutschen sogar -14,2 %.
Von der Gesamtheit aller Tatverdächtigen unter 21 Jahren ist im Jahr 2010 der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen auf 14,1% gesunken. 2009 betrug er 15,1 %.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die sehr viele Deutschen schnell voreingenommen gegenüber ihrer ausländischen Mitmenschen sind.
Man sollte sich erst mit Migration und ihrer Hintergründen beschäftigen, bevor man voreilige Schlüsse zieht oder sich an Vorurteilen festhält.



Eine Reportage von Laura Staus und Christina Hormes


Quellen:

Interview mit Polizist Christoph Cremer am 09.11.11 in Prüm
Telefonisches Interview mit dem Jugendbeauftragtem Hubert Lenz der Polizeidirektion Wittlich am 28.11.11
Auszug aus dem Jahresbericht des Beauftragten für Jugensachen 2010 über die Entwicklung der Jugendkriminalität (Kreis Bitburg-Prüm, Vulkaneifel u. Bernkastel-Wittlich)
Informationen zum Einbürgerungstest www.deutsch-werden.de
Umfrage (s. Anhang)



Anhang:


Umfrage zur Migration:

Was denken Sie im Allgemeinen über Migration?
Welche Vorteile hat sie?


Sollten noch mehr Migranten nach Deutschland  kommen? Wieso?


Welche Gründe haben Ihrer Meinung nach die Menschen, die sich entschließen in Deutschland zu leben?
Beruflich, Familiäre?


Denken Sie, dass die meisten Migranten sich nicht anpassen wie die Deutsche Sprache lernen?


Wurden Sie bereits einmal belästigt oder bedroht?
Wenn ja, in welcher Weise und das eher von Deutschen oder Ausländern?

Migranten, Pizza und Probleme

Informationen zum Beitrag

Titel
Migranten, Pizza und Probleme
Autor
Laura Staus, Christina Hormes
Schule
Regino-Gymnasium, Prüm
Klasse
11SK1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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