Integration und Musik - Zwei Welten suchen Balance

Dass bestimmte Themen sowohl regional als auch bundesweit für hitzige Diskussionen sorgen, ist kein Geheimnis. Wie man sich richtig mit ihnen beschäftigt, allerdings schon.
Im Rahmen eines Projekts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat sich Dennis Gierenz, 16 Jahre alt und Schüler des Regino-Gymnasiums Prüm, intensiv mit der Brücke zwischen den Themen Integration und Musik beschäftigt. Seine Ergebnisse stellt er in Form einer Reportage vor und geht dabei auf verschiedene Musiker/-innen ein, die sich mit demselben Thema beschäftigt haben – und zwar in ihren Liedern.

,,Wenn der Name ‚Bushido’ fällt, sollten die Menschen eher (…) an die denken, die vielleicht noch immer nicht von der Integration betroffen wurden, aber (…) diese Menschen, die aufschreien und mir vorwerfen, wofür ich einige Zeit eingestanden bin, vergessen diesen ganz großen Rattenschwanz, der doch eigentlich viel, viel größer ist als ‚Bushido’ selber.“
(Quelle: youtube.com; Zugriff: 05.12.2011)
Dies ist ein Auszug aus der Dankesrede des Rappers Bushido (33), der am Abend des 10. November 2011 von Peter Maffay (62) den Integrations-Bambi in Wiesbaden überreicht bekam.

Ob auf der Straße oder im Fernsehen, zuhause oder im Bundestag – Meinungsverschiedenheiten gibt es überall und zu jeder Zeit. Ganz besonders auf einflussreichen Veranstaltungen, bei denen Personen für ihre Leistungen öffentlich geehrt werden und somit oftmals die Meinung der Bevölkerung in Form einer kleinen Edelmetall-Trophäe zum Ausdruck gebracht wird. Dass dabei auch nicht immer jeder zufrieden sein kann, zeigt ein noch recht aktuelles Ereignis: die Verleihung des BAMBI vom 10. November.
Während dieser Gala wurde dem Rapper Bushido eine Auszeichnung in der Kategorie ‚Integration’ verliehen, was schon einige Zeit vor jenem Abend für hitzige Diskussionen sorgte. Denn: Anis Mohamed Youssef Ferchichi, wie der Musiker bürgerlich heißt, sorgte bis vor ein paar Jahren unter anderem mit schwulen- und frauenfeindlichen Texten für Aufsehen. Dass nun genau dieser Mann einen Bambi für ‚Integration’ bekommt, kann auch Rosenstolz-Mitglied Peter Plate nicht nachvollziehen und beschwerte sich diesbezüglich vor laufenden Kameras noch am gleichen Abend auf der Bühne, während er mit seiner Rosenstolz-Kollegin AnNa R. eine eigene Auszeichnung entgegennahm.
Auch Heino war von der Entscheidung des Burda-Verlages nicht sonderlich begeistert und gab seinen 1990 erhaltenen Bambi zurück, um diesen für den guten  Zweck unter den Hammer zu bringen.

Doch entgegen dieser vielen negativen Meinungen, fiel wenigstens Bushidos Dankesrede, in der er auch auf die bösen Zungen einging, mehr oder weniger integrativ aus.
So basierten seine Worte weitestgehend auf Eingeständnissen:
Er habe gelernt, dass das, was er einst gemacht habe, falsch gewesen sei und dass er nichts schönreden möchte sowie sich nicht rechtfertigen wolle. Er gebe außerdem offen zu, dass es wahrscheinlich viele Punkte gebe, die dagegen sprächen, ihm den ‚Bambi’ zu verleihen. Man könne ihn kritisieren, aber das führe zu nichts, es sei jedoch viel wichtiger zu akzeptieren, zu respektieren und zu tolerieren.
Da klärt sich die Frage offensichtlich von selbst, ob der Musiker nervös war, doch das ist ja auch gar nicht weiter schlimm, denn: Er wies gleich mehrmals auf die Priorität von Integration hin und forderte, sich mehr für sie einzusetzen, was wohl das Mindeste war, was er sagen konnte. Halten wir also fest: Erstens, es bleibt weiterhin strittig, wofür Bushido genau geehrt wurde und ob er dies überhaupt verdient hat. Zweitens, die Kritiker haben zwar nur versucht, ihren Job zu machen, also zu kritisieren, haben es jedoch diesmal vielleicht etwas zu weit getrieben. Die Menschen sollen selbst entscheiden, welche Meinung sie diesbezüglich vertreten.
Bei den einen fehlt es an der Integration von Personen, bei anderen an der Integration von Humor.

Doch auch andere Musiker setzen sich effektiv für Integration ein und nutzen dazu ihren Einfluss, den sie sich über längere Zeit durch ihr Talent und ihre Mühen hart erarbeitet haben. Im Folgenden nun ein kleiner Überblick über ein paar dieser Personen.
Sehen wir uns zuerst einen weiteren Rapper an: Harris, 33 Jahre alt. Er ist dunkelhäutig, stammt aus Berlin-Kreuzberg – und rappt. Mit seinem Song „Nur ein Augenblick“ steuert er seinen Beitrag zum Thema bei. In dem Lied kritisiert er unter anderem die Integrationsverweigerung, die viele Migranten, die in Deutschland leben, sich aber nicht mit dem Land identifizieren können, an den Tag legen. Hier eine Passage des Liedes:
Wieso wohnst du in diesem Land über 10 Jahre?
Vielleicht länger und sprichst trotzdem nicht die deutsche Sprache?
Du sagst Deutsche sind scheiße, Deutsche Frauen sind Dreck
Tu Deutschland bitte einen Gefallen, und zieh weg!
(Quelle: magistrix.de; Zugriff: 05.12.2011)
Es hagelte Kritik, dass der Text zu oberflächlich sei, jedoch waren auch einige Befragte froh, dass jemand auf geläufige Klischees, im Bezug auf Migranten, eingeht. Woran liegt es, dass Migranten oft in schlechtes Licht gerückt werden? Bemühen sich viele von ihnen nicht gut genug oder liegt es an den Mitmenschen, die nicht genug Toleranz zeigen? Beides ist der Fall.

Fazit: Sowohl diejenigen, die noch nicht genügend Integration erfahren haben, als auch diejenigen, die so sozial sein müssen, zu integrieren, müssen versuchen, noch mehr auf einen Nenner zu kommen. Nur dann kann etwas verändert werden. Die Musik hat sich im Laufe der Jahre zu einem bewährten Mittel entwickelt, da sie durch ihre Vielfalt unglaublich viele verschiedene Arten von Menschen erreichen und bewegen kann, da sich viele in der heutigen Zeit mit Musik identifizieren, beziehungsweise es schon immer getan haben. Musik ist eine Sprache, die auf der ganzen Welt gesprochen und verstanden wird. Damals drückte man sich mit Poesie aus, mittlerweile hat diesen Platz bei den Jugendlichen die Musik eingenommen. Da sie außerdem auch noch Spaß macht und man durch ihre Hilfe Probleme diskutieren kann, hat sie sich bis heute als wahre Therapie für die Seele etabliert. Integration und Musik, zwei von Grund auf verschiedene Themen, auf der Suche nach Balance.


Von:
Dennis Gierenz
11SK1
Regino-Gymnasium Prüm

Integration und Musik - Zwei Welten suchen Balance

Informationen zum Beitrag

Titel
Integration und Musik - Zwei Welten suchen Balance
Autor
Dennis Gierenz
Schule
Regino-Gymnasium, Prüm
Klasse
11SK1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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