Unbekannte Flachland-Objekte in Bayern gesichtet!

Unbekannte Flachland-Objekte in Bayern gesichtet!
Außerirdische, die unsere Rumtata-Musik hören, machen in unserem Jeans-Ersatz aus Leder unser schönes Bayernland unsicher.

Sie sehen aus wie wir – aber sie ticken ganz anders. Aber warum kommen sie in Schwärmen zu uns, einer vollkommen anderen Spezies? Wir, die wir schon seit Jahrhunderten für einen eigenständigen, unabhängigen Staat Bayern kämpfen, um unsere unvergleichliche Kultur zu bewahren. Wir, die wir das gute bayerische Bier traditionell nach dem Reinheitsgebot von 1516 brauen und über alles schätzen. Wir, die Erfinder des einzig wahren Weißwurstfrühstücks. Wir, die oberbayerische Elite, wundern uns, was die Flachländler dazu bringt, sich in den bayerischen Lebensstil einzunisten. Was suchen sie in der bayerischen Sturköpfigkeit verbunden mit gelassener Gemütlichkeit? Wir wissen es nicht. Eines ist auf jeden Fall klar, man kann uns nicht imitieren. Das bayrische Copyright haben wir. Dass Preißn scheitern, ist deswegen vorprogrammiert. Sie probieren trotz allem, sich mithilfe von Dirndl und Lederhose zumindest auf dem Oktoberfest – dem Symbol für Bayerisches Brauchtum – zu integrieren. Doch das Urteil gegenüber den „Preißn“ wird sich gar nie nicht ändern. Denen ihre Tarnung fliegt auf, sobald sie im rosa Glitzer-Mini-Dirndl den Mund aufmachen und ihre fehlenden Kenntnisse unseres einmaligen Dialekts preisgeben. Mit ihrer schrecklich hochgestochenen Sprache, eben dem Hochdeutsch, das sie fließend sprechen, fällt es ihnen nun einmal schwer, eine Sprache zu erlernen, die – aus einer langen Tradition gewachsen – ein einzigartiges Lebensgefühl widerspiegelt. Somit schallt es ihnen schnell entgegen: „Oh mei, a Preiß!“. Ohne Dolmetscher kann es zwischen den oberhalb und unterhalb des Weißwurstäquators lebenden Menschen durchaus zu Missverständnissen kommen. Die Andersartigkeit ist einfach zu tief verwurzelt.
Kaum in Bayern angekommen, wollen die UFOs erst mal hoch hinaus, doch eine hohe Sprache allein genügt nicht. Ob Watzmann, Wendelstein, Zwiesel oder Zugspitze – kein Berg ist ihnen zu hoch: Fototreff am Gipfel, der schwer schnaufend schließlich doch noch erreicht wird. Da vergessen sie sogar kurzzeitig die schmerzhaften Blasen an ihren Füßen. Birkenstocksandalen sind nun einmal keine Bergschuhe. Somit sollten die Eindringlinge von oben trotzdem zuerst einmal besser am Boden bleiben.
Doch auch im Tal der Tatsachen angelangt, trachten die Trachten tragenden Aliens auf bayerischem Boden danach, nicht komplett ignoriert zu werden. Und wie funktioniert nun insgesamt die Integration der  „Preißn“? Im Endeffekt nicht wirklich – es läuft wohl auf eine Duldung hinaus. Denn eines ist für jeden Bayern ganz klar: „Mia san mia, de andan san hoid andas“ – und für alle Freunde des Hochdeutschen: „Wir sind wir und die anderen sind nun einmal anders.“

 

Unbekannte Flachland-Objekte in Bayern gesichtet!

Informationen zum Beitrag

Titel
Unbekannte Flachland-Objekte in Bayern gesichtet!
Autor
Theresa Baumann, Rebecca Linke, Regina Steinmaßl
Schule
Chiemgau-Gymnasium, Traunstein
Klasse
P-Seminar Journalismus Q11 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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