Ein Leben in Freiheit

Von Dunia Reshad und Frederike Hofmann

P-Seminar „Journalismus“ – Chiemgau-Gymnasium Traunstein

Dunia R. ist 18 Jahre alt und besucht ein Gymnasium im Südosten Bayerns. In ihrer Freizeit trifft sie sich mit ihren Freunden, geht ins Kino und spielt leidenschaftlich gern Tischtennis. Ein ganz normaler Teenager eben. Zumindest auf den ersten Blick. Denn was kaum jemand weiß: Dunia hat bereits einen harten und steinigen Weg bestritten.
„Mit fünf Jahren musste ich mit meiner Familie aus Afghanistan flüchten“, so Dunia. Dort herrschte damals Bürgerkrieg und ihre Familie sah sich aufgrund der politischen Verhältnisse in ihrer Existenz bedroht. Somit ließen sie all ihre Habseligkeiten in ihrem Heimatland zurück, um ein neues Leben fernab von Angst und Bedrohung zu beginnen.
„Meine Eltern mussten vieles aufgeben. Wie meine Mutter ihr Fremdsprachenstudium, so musste auch mein Vater seiner Teppichfirma den Rücken kehren“, berichtet Dunia. Die Familie beschloss einen Neuanfang, weit weg von Afghanistan, zu starten. Das Ziel sollte Deutschland sein. Über einige Irrwege wie Russland, Griechenland und Österreich gelangten sie schließlich nach Würzburg, wo sie in einem Asylantenheim untergebracht wurden.  Während dieser Zeit kämpften sie ständig mit der Angst, abgeschoben zu werden, und die Sorge um eine bessere Zukunft in Deutschland wurde immer größer. Als jedoch ihr Antrag, in Deutschland zu bleiben,  anerkannt wurde, verflog diese Angst und die Familie konnte sich endlich eine neue Existenz in ihrer Wahlheimat aufbauen.
Wenig später kamen sie nach Grassau in Bayern und auch dort wohnten sie anfangs in einem Asylantenheim. „Die Wohnverhältnisse waren katastrophal. Wir mussten uns zu viert ein kleines Zimmer teilen und das mit zwei kleinen Kindern“, erzählt Dunias Mutter.
Mit acht Jahren kam Dunia in die zweite Klasse der Grundschule in Grassau. Sie konnte kein einziges Wort Deutsch. Trotz aller Bemühungen der Lehrkräfte tauchten ständig Probleme und Missverständnisse auf. So erinnert sich Dunia an ein Erlebnis in ihrer Grundschulzeit. Die Lehrerin forderte sie auf, ihren Kaugummi aus dem Mund zu nehmen. Doch leider verstand sie kein einziges Wort von dem Tadel und kaute weiter. Daraufhin eskalierte die Situation. Die Lehrerin verwies das damals 9-jährige Mädchen aus dem Klassenzimmer. Erst als sie unbewusst aus Angst den Kaugummi verschluckt hatte, holte sie die Lehrerin, die nach dem Rechten sah, in die Klasse zurück, in dem Glauben, Dunia hätte ihre Worte verstanden.
In den darauf folgenden Jahren konnte die Familie zur großen Erleichterung aller  das Asylantenheim in Grassau verlassen. Die Wohnungssuche für eine Migrantenfamilie, die nicht besonders gut Deutsch spricht, gestaltete sich allerdings als äußert schwierig. „Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten wir unseren Wohnstatus jedoch verbessern und wir fanden eine Wohnung, in der tatsächlich jeder von uns seinen eigenen Lebensbereich für sich allein bekam“, so die 18-Jährige.
Nach und nach erkannte die heutige Gymnasiastin, dass man nur durch Bildung eine Chance auf eine bessere Zukunft haben kann. Sie freute sich über jeden Fortschritt, den sie in ihrer neuen Muttersprache Deutsch verzeichnen konnte.  So besuchte sie zunächst die Hauptschule, die sie dann wegen sehr guter schulischer Leistungen verlassen konnte, um auf die Realschule zu wechseln. Im Juni 2010 bestand sie dort als eine der besten die Mittlere Reife und beschloss aufgrund dieses hervorragenden Abschlusses, auf das Gymnasium überzutreten, um dort 2013 ihr Abitur zu machen.
Konfrontationen mit ausländerfeindlichen Menschen gab es natürlich auch, doch sie blieb immer stark und ließ sich nie unterkriegen. Auch hinsichtlich eifersüchtiger Mitschüler, die ihr ihren herausragenden schulischen Erfolg nicht  gönnten, blieb sie standhaft.  In ihrem Umfeld kümmert sich heute niemand wirklich um ihren Migrationshintergrund. Dort wird sie als ehrgeiziger und stets fröhlicher Mensch geschätzt.
Die Zeiten der Frustration sind für Dunia inzwischen Vergangenheit. Sie blickt der Zukunft positiv entgegen und hofft, später einmal im medizinischen Bereich tätig zu sein.
„Der  Weg, den ich beschritten habe, war zwar sehr hart, doch er hat mich auch stärker gemacht“, so Dunia.

Ein Leben in Freiheit

Informationen zum Beitrag

Titel
Ein Leben in Freiheit
Autor
Dunia Reshad, Frederike Hofmann
Schule
Chiemgau-Gymnasium, Traunstein
Klasse
P-Seminar Journalismus Q11 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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