„... gib dem Menschen die Heimat, die er braucht...“

(Reportage mit einer Band)

Der Kaffee lässt den Dampf empor steigen, die Gesichter sind streng auf das Blatt gerichtet. Einige Sekunden später wird zum fünfzigsten Mal zurück gelehnt und vom Kaffee ein Schluck genommen.
Es herrscht Stille in dem Versammlungsraum der Band „Bona Fides“. Diesmal wird kein Song, sondern ein Gedicht geschrieben. Wer weiß, vielleicht folgt ja auch ein Song..

„Was ist Integration?...“- war die erste Frage des Lehrers im Sozialwissenschaftsunterricht. Viele schmunzelten, einige wussten sofort Bescheid. Im Prinzip weiß man, was Integration ist – man lebt darin. Besonders hier in Deutschland.
Es ist tatsächlich faszinierend wir viele Nationen hier vertreten sind, einfach stark!
Das Bandmitglied und Schülerin des Sozialwissenschaftsunterricht hat sich nicht nur für die  Kategorie „Musik“ entschieden, weil sie Musik macht, sondern weil alle Mitglieder der Band „Bona Fides“ aus dem Ausland kommen und somit die Integration hautnah erlebt haben.
Marija kommt aus der Ukraine und kam mit jungen vier Jahren nach Deutschland. Daria und Dimitri kommen aus Russland. Im Jahre 2000 kamen die beiden mit ihrer Familie nach Deutschland. Daria hat die Integration ganz besonders erlebt und zwar aus dem Grunde, dass sie nach der Sprachschule sofort in die Grundschule versetzt wurde, jedoch hatte sie die Sprache noch nicht gut beherrschen können.
Wie man es von Grundschülern kennt, machen sich viele Kinder über Sachen lustig, die eigentlich verletzlich sind.
„...Es war unangenehmen von meinen Mitschülern wegen meines Akzents und den mangelnden Sprachkenntnissen ausgelacht und ausgeschlossen zu werden...“
Natürlich gab es auch Kinder die abgesehen von der Sprache auch andere Qualitäten und Eigenschaften gesehen haben.

Interessanterweise zitiert die Band aus der Bibel, aus dem Grund, dass die Band christlich orientiert ist, sie sind überzeugte Christen. Da im Christentum eines der wichtigsten Gebote die Nächstenliebe ist, kommt ihnen das Thema genau gelegen.
Die Reaktion der Menschen, die den Song mal lesen werden, wird bestimmt merkwürdige Blicke aufwerfen, aus dem Grund, weil das Thema Glaube zur heutigen Zeit kaum noch erwähnt wird.
Es ist äußert mutig diesen Aspekt des Glaubens zu thematisieren und ihn mit der Integration in Verbindung zubringen.
Der Mensch ist ein Wesen, welches Kommunikation braucht. So wurde er geschaffen und ist es bis heute geblieben.  
Die Integration beinhaltet unter anderem auch die Kommunikation aber natürlich auch viel mehr. Es heißt dem Menschen das Gefühl zu geben, angenommen und akzeptiert zu werden, unabhängig von seiner Nationalität und seiner Herkunft. Viele sehen das als ein Hindernis oder assoziieren diese Aufgabe mit Vorurteilen, die eigentlich gar keine Grundlage haben.

„.. gibt dem Menschen die Heimat, die er braucht..“

Das aller wichtigste bei der Aufgabe des Integrieren ist, dass man auf keinen Fall Angst haben muss ein Individuum mit seiner Umgebung bekannt zu machen. Noch wichtiger ist es, offen und guten Mutes zu sein, dem Menschen eine Heimat geben.
Diese Aussage möchte die Band „Bona Fides“ mit ihrem Gedicht vermitteln. Es sind zwar Differenzen, die uns ins Stauen oder Schrecken versetzen aber, wenn man mal die Welt von der Seite ansieht, insbesondere die zwischenmenschlichen Beziehung, stellt man fest: es sind die kleinsten Differenzen aus denen man leider großen Schwierigkeit macht.

Wir kehren wieder zurück in den Versammlungsraum der Band und hören ein erleichtertes Aufatmen, der Kaffee ist leer getrunken. Anstatt der herrschenden Stille am Anfang hört man nun den Klang einer Akustikgitarre, die Akkorde stehen fest, alle sitzen gelassen auf der Couch, es wurde doch ein Song...


Der Song „Integration“

1.Ein Mensch flieht in ein neues Land
   er erhofft sich hier seine neue Heimat
   nimm ihn herzlich auf, so dass er sich geborgen fühlen kann
   lass ihn leben, mach es ihm nicht so schwer

Ref.:
Ob Deutscher oder Türke, ob Pole oder Russe
Ein Mensch ist ein Mensch und hat seine Bedürfnisse
So wurde er geschaffen um leben mit sein'm Nächsten
nicht um verachtet und exkludiert zu werden


2.Jesus Christus sagte einmal:
  „Liebe den Nächsten wie dich selbst.“
  So versuch auch du mit dieser Liebe
  und es bleibt für immer der ewig' Friede.


3.Warum sprech ich das jetzt hier an?
   Integration für Menschen ist nicht leicht
   So mach es auch diesem nicht schwer
   und mach aus ihm kein „Taliban“




Schule : Ricarda Huch-Gymnasium Gelsenkirchen
Klasse : 13
Fach : Sozialwissenschaften
Autoren : Daria Mayer
 

„... gib dem Menschen die Heimat, die er braucht...“

Informationen zum Beitrag

Titel
„... gib dem Menschen die Heimat, die er braucht...“
Autor
Daria Mayer
Schule
Ricarda-Huch-Gymnasium, Gelsenkirchen
Klasse
Zusatzkurs Sozialwissenschaften von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180