Migranten in Deutschland: „Mein erster Eindruck war grau“

Wie kommt man als Migrant in Deutschland zurecht?
Wie lebt man? Frau Menashe-Roth, Israelin, erzählt uns
über ihre Erfahrungen.

Frau Menashe-Roth kam 1988 aus Liebe mit 21 Jahren nach Deutsch-
land. Nach dem Militär, dass in Israel auch für Frauen Pflicht ist,
entschied sie sich mit ihrem heutigen Ehemann nach Deutschland
zu ziehen und eine Familie zu gründen.

- Konnten sie sich vorstellen, irgendwann
nach Deutschland zu gehen ?
Nein. Deutschland kam für mich eigentlich nie in
Frage, denn ich fand das Land nicht so attraktiv.
Ich würde eher nach Amerika reisen als nach Deutsch-
land. Als junges jüdisches Mädchen war es auch ein wenig
schwierig, wenn man an die Vergangenheit Deutschlands
denkt.
Von ihren Ersten Eindrücken erzählt sie mit Begeisterung.
Es sei grau gewesen, im Vergleich zu Israel, wo die Sonne fast immer scheint, sagt sie. Die Leute hier seien wie die Sonne, sehr fröhlich, direkt, sie reden gerne und sind nicht zurückhaltend.
- Wurden sie sofort in der Gesellschaft im
Dorf und Umgebung aufgenommen oder
gab es Schwierigkeiten ?
Ich muss sagen, es war kein Problem durch das, dass die Leute sympathisch und vor allem neugierig waren, da ich aus Israel
kam. Die Leute sind immer auf mich zugekommen. Da sie mit mir nur deutsch gesprochen haben, habe ich sehr schnell deutsch gelernt. Das hat mir alles sehr geholfen in dieser Fremden Umgebung klar zu kommen.

Bei der Frage, ob sie wieder zurück nach
Israel möchte, muss sie lächeln.  
Sehnsucht nach Israel hätte man immer, erzählt sie. Die ganze Familie
Lebe dort, man vermisse die Sprache und die Mentalität sehr.

- Haben  sie sich mittlerweile schon an die
Sitten etc. in Deutschland gewöhnt ?
Ja und nein. Man gewöhnt sich daran und akzeptiert es nach einiger Zeit.
Aber ich glaube, man wird immer die Sitten von seinem Mutterland
behalten und pflegen.

- Wie reagieren die Leute in Israel, wenn man
Ihnen erzählt, dass man als Israeli in Deutsch-
Land lebt ?
Für die Israelis sei es am Anfang ein bisschen schwer das zu akzeptieren, sagt sie. Sie stellen sich das schwierig vor mit der deutschen Mentalität und wegen der schlimmen Vergangenheit Deutschlands.



Was Sprache lernen angeht, findet Frau Menashe-Roth
sehr wichtig.
- Man sollte due Landessprache lernen, egal wo man ist.
  Man muss die Sprache unbedingt beherrschen um die
  Leute zu verstehen. Aber nicht nur um sich gegenseitig
  zu verstehen. Sprache verbindet in alle mögliche Richtungen.
  Ausländer, die die Sprache nicht gelernt haben oder nicht
  lernen wollen, werden on der Gesellschaft meist nicht akzeptiert.
  Man sagt ihnen nach, dass sie sich nicht integrieren. Das denke
  ich auch. Durch die Sprache habe ich viele Freunde, habe
  Möglichkeiten zu arbeiten, man kommt dadurch einfach mehr
  zurecht.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Migranten in Deutschland: „Mein erster Eindruck war grau“
Autor
Marie, Shachar
Schule
Gymnasium im Alfred-Grosser-Schulzentrum, Bad Bergzabern
Klasse
9c von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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