Döner in Deutschland – eine Erfolgsgeschichte der Migration

Wer etwas auf sich hält, greift nicht zum Burger – pfui, viel zu ungesund und zu viele Kalorien. Er wählt einen Döner. Schmeckt gut, ist gesünder und hat diesen Hauch von Weltoffenheit und Multikulti.
„Schmeckt gut" stimmt meistens. Aber ist der Döner echt so gesund? Der  Döner-Fan findet viele Gründe, warum sein liebster Imbiss  in seiner gesamten Darreichungs-form das Prädikat „gesund“ verdient.

Herr Ali Bozkuş aus der Osttürkei, der mit Leib und Seele ein Bistro in Plauen be-treibt, bestätigt aus eigener Erfahrung, dass die Döner-Begeisterung ungebrochen ist.  Seit nunmehr 20 Jahren wohnt er in Deutschland und kann sich ein Leben ohne das Bistro nicht mehr vorstellen.

Wie jedoch gelangte der Döner nach Deutschland?

Ab 1961 bekamen türkische Arbeitssu-chende die Möglichkeit, sich von deut-schen Unternehmen anwerben zu lassen, auf der Grundlage des Anwerbeabkom-mens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei,  als türkische Gastarbeiter.

Zunächst war nicht daran gedacht, dass die als „Gastarbeiter“ bezeichneten Ar-beitskräfte dauerhaft in Deutschland blei-ben sollten.

Bereits Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre war bei türkischen Gastar-beitern Familiennachzug zu beobachten. Dies führte zwischenzeitlich zu einem Ein-wanderungsstopp.

Die politische Lage in der Türkei Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre führ-te schließlich zu einer weiteren Einwande-rung, jetzt Asyl suchender, Flüchtlinge. Nach Angaben des Statistischen Bundes-amtes lebten Ende 2006 in Deutschland insgesamt 6,75 Millionen Ausländer. Da-von waren die 1,739 Millionen Türken die größte Gruppe.

Viele der Migranten erhoffen sich ein bes-seres wirtschaftliches Leben. Sie pflegen hier in ihrem Gastland weiterhin ihre kul-turellen und kulinarischen Werte.  Manche ihrer Gepflogenheiten erscheinen uns auch heute noch ziemlich fremd und un-verständlich. Das religiöse Konfliktpotenti-al ist nicht von der Hand zu weisen. Eine Basis haben Türken und Deutsche jedoch ganz sicher gefunden - die Liebe zum Dö-ner.

In Istanbul wurde Dönerkebab seit den 1940er Jahren angeboten – seit Mitte der 1960er Jahre war es auch in Büfes, Imbiss-lokalen, im Straßenverkauf erhältlich, schon damals im Fladenbrot.

Wer den ersten Döner-Imbiss in Deutsch-land eröffnete, ist ungewiss, es soll der Legende nach zu Anfang der 1970er Jahre in Berlin am Kottbusser Damm gewesen sein. Doch auch andere reklamieren für sich, als erste Döner angeboten zu haben. Seit den Anfängen in den 1970er Jahren hat die Liebe der Deutschen zum Döner einen ungeahnten Aufschwung erhalten.
Zunächst in Berlin, später in ganz Deutsch-land, wurde Döner zu einem beliebten Imbiss-Gericht.

Als politischer Flüchtling hat sich Ali Bozkuş in der Vogtlandmetropole Plauen eine neue Existenz aufgebaut. „Ich liebe meinen Beruf“, sagt er. Das merkt jeder, der  einmal bei ihm isst. Mit den Jahren freut sich Herr Bozkuş über eine große Stammkundschaft, die Qualität und Frische seiner leckeren Kreationen zu würdigen weiß. Nur ein Wermutstropfen trübt die Begeisterung für seinen Job – die verübten Döner-Morde. „Die Unsicherheit wächst, es könnte immer wieder passieren“, meint  er.

Seit 2010 hat die Döner-Industrie sogar ihre eigene Messe, die DÖGA (Kontakt-messe Döner-Gastronomie). Zu diesem Industriezweig gehören Dönerproduzen-ten, Zulieferer- und Gastronomiebetriebe.

Täglich werden von der Döner-Industrie etwa 200 bis 300 Tonnen Dönerfleisch produziert. Im Jahr 2011 gab es in Deutschland über 16.000 Dönerbuden.
 „Mittlerweile werden hierzulande jährlich um die 122.000 Tonnen Döner-Fleisch verspeist”, freut sich der Sprecher des Veranstalters ATDID (Verein türkischer Dönerhersteller in Europa e.V.) und DÖGA-Veranstalter, Tarkan Tasyumruk.
Mit geschätzt 60.000 Beschäftigten, etwa 100 Hersteller-Unternehmen und einem europaweiten Umsatz von 3,5 Milliarden Euro stellen die Döner-Industrie und Dö-ner-Gastronomie einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.

Sicher kann man bei diesen Zahlen von einem Erfolg derjenigen Türken sprechen, die sich durch die Döner-Industrie eine Lebensexistenz und Zukunft in Deutschland aufgebaut haben. Sie beweisen Ge-schäftstüchtigkeit und sogar Innovation.

Was könnte für eine Dönerbude denn noch erfunden werden, um die Herstellung effizienter zu gestalten?  

DÖGA-Besucher wissen es. Auf der DÖGA 2010 wurde ein neu entwickelter Roboter vorgestellt. Der Döner-Roboter stellte eine kleine Revolution in der Döner-Branche dar, da er den bislang ausschließlich hand-betriebenen Döner-Grill auf vollautomati-schen Betrieb umzustellen in der Lage ist. Mit Hilfe eines Sensors soll eine Digitalka-mera dafür sorgen, dass die Klinge immer an der richtigen Stelle des Döner-Spießes angesetzt wird. Laut Aussagen des Herstel-lers kann sich die Wirtschaftlichkeit des Dönerbetriebs damit erheblich verbessern.

Die Beliebtheit des Döners als das „gesün-deste“ Fast-Food-Gericht ist weiter unge-brochen. Wer könnte sich Deutschland heute ohne eine Dönerbude vorstellen? Knuspriges Fladenbrot, Grillfleisch, knacki-ger Salat, mediterrane Gewürze und das freundliche Lächeln des Bistrobetreibers - nein, darauf wollen wir nicht mehr ver-zichten, oder?

Zumindest auf diesem Gebiet ist die In-tegration der türkischen Staatsbürger ein voller Erfolg.

Marco Goller
Lessing-Gymnasium, Plauen



Quellen:
-    Interview mit Bistro-Betreiber Ali Bozkuş (Plauen, 01.12.11)
-    www.döga.de
-    www.apotheken- um-schau.de/Ernaehrung/Ernaehrung-Kalorienbombe-Doener-50948.html
-    www.wikipedia.org/wiki/D%C3%B6ner
-    www.wikipedia.org/wiki/Einwanderung_aus_der_T%C3%BCrkei_in_die_Bundesrepublik_Deutschland
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Döner in Deutschland – eine Erfolgsgeschichte der Migration
Autor
Marco Goller
Schule
Lessinggymnasium Plauen, Plauen
Klasse
9b von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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