Viel Einsatz - wenig Ertrag

"Sport ist gelebte Integration(…)" so Sven Schulz von der SPD. Solche oder ähnliche Sätze erreichen oft unsere Ohren, wenn über erfolgreiche Integration gesprochen wird.Aus der Werbung kennt der sportinteressierte Bürger die deutsche Fußballnationalmannschaft der Männer. Alle Eltern der Nationalspieler, die aus vielen verschiedenen Ländern stammen, sind zusammen auf einem Fest und Grillen. Es wird gezeigt, wie gut die Integration im Fußball funktioniert hat. Dabei ist der Fußball nicht die einzige Sportart, in der dies gut funktioniert. Auch beim Deutschen Basketballbund scheint alles reibungslos zu funktionieren. Eine Vielzahl von Integrationsprogrammen zielen darauf ab, Migranten durch Sport besser in die Gesellschaft zu integrieren. So auch das Programm des Deutschen Olympischen Sportbundes( DOSB ) „Integration durch Sport“ oder spin-sportinterkulturell vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen. In denProgrammkonzeptionen dieser Programme ist meist auf vielen Seiten Papier erklärt wie Integration durch Sport funktioniert und welche Ziele damit verfolgt werden. Dem Sport wird hierbei ein hohes Integrationspotential attestiert. Zum Verständnis bedarf es meist nicht der Sprache, was interkulturelle Kommunikation einfacher macht, darüber hinaus gibt es ein einheitliches Regelwerk. Trotz all dieser Bemühungen und der Teilerfolge ist im regionalen Sport und vor allem im Breitensportsegment ein anderes Phänomen zu beobachten.
Trainer und Übungsleiter aus Städten mit hoher Anzahl von Migranten klagen immer wieder über Schwierigkeiten Migranten vor allem in den Breitensport zu integrieren. So auch Simone Bollian vom Rastatter Turnverein. Als Referentin für Sport und Öffentlichkeitsarbeit plant und begleitet Sie Sport- und Bewegungsangebote und ist bemüht, Migranten zu integrieren. Mit bisher eher enttäuschenden Ergebnissen. „Echte Integration findet nicht statt, da die Migranten als Gruppe kommen und auch wieder gehen.“ so Frau Bollian. „Oft bildet sich so etwas wie ein Verein im Verein.“ Doch womit ist das zu erklären?
Bei genauem Hinschauen fällt auf, dass bisher erfolgreiche und nachhaltige Integration in die Gesellschaft durch Sport, nur im Wettkampf- und Spitzensport funktioniert hat.Über die Gründe dafür wird leider anscheinend viel zu wenig nachgedacht, oder wie ist es sonst zu erklären, dass die Programme, die eben genau diese Integration fördern sollen nur selten den gewünschten Erfolg haben?
Schaut man sich die Programme genauer an fällt auf, dass die Theorie meist überwiegt und es oftmals an der praktischen Umsetzung scheitert. So auch erlebt beim Rastatter Turnverein. Mit großen Bemühungen versuchte Frau Bollian ein Schwimmkurs für muslimische Frauen ins Leben zu rufen. Dieser musste vor allem Rücksicht auf die Kultur und Religion nehmen, da gerade bei der Badekultur einige Unterscheide bestehen. Das Schwierigste war hierbei, dass der Schwimmkurs von einer Frau geleitet werden musste und kein Mann sich im Gebäude befinden durfte. Da der Bademeister des Schwimmbades, der für die Sicherheit verantwortlich ist allerdings männlich ist waren schon dass schier unüberwindbare Zäune. Darüber hinaus durften an dem Schwimmkurs nur muslimische Frauen teilnehmen was eine Integration in die deutsche Bevölkerung natürlich völlig ausschloss. Das Programm hat sein Ziel verfehlt, denn es führte eher zu Isolation als zur Integration. Den Konzepten der in der Theorie so einfach klingenden Programme zur Integration fehlt oft der Bezug zur Praxis.
Ein weiteres Problem ist der Mangel an Übungsleitern mit Migrationshintergrund. Ihnen fällt es viel leichter einen Bezug zur Gruppe herzustellen und mit Problemen zwischen den Kulturen umzugehen, da sie selbst einmal in der Situation waren. Sie können Migranten helfen sich zurecht zu finden und ihre Erfahrungen weitergeben. Da es allerdings bisher nur bedingt gelungen ist Migranten in den Sport zu integrieren und vor allem für das Ehrenamt zu begeistern fehlt hier oft das Personal.Nicht die Sprache sondern die Kultur wird zur unüberwindbaren Barriere.
Das Ziel der nachhaltigen Integration in die Gesellschaft durch den Sport ist nur durch eine Mithilfe der erfolgreich integrierten Bevölkerung zu erreichen. Von der Vorstellung die Probleme von außerhalb lösen zu können sollten wir uns langsam verabschieden und anfangen mit den Migranten und nicht für die Migranten zu entwickeln und zu arbeiten.
 

Viel Einsatz - wenig Ertrag

Informationen zum Beitrag

Titel
Viel Einsatz - wenig Ertrag
Autor
keine Angabe
Schule
Anne-Frank-Gymnasium , Rheinau
Klasse
J2 von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180