Familie ist das Wichtigste oder Der bloße Schein trügt

Viele Spätaussiedler fühlen sich nicht vollständig in der deutschen Gesellschaft integriert, der Zusammenhalt in der Familie hilft und gibt ihnen Kraft


Die Wahrheit ist, dass sich Russlanddeutsche in der deutschen Gesellschaft nicht richtig integriert fühlen. Ein Grund dafür sind die Vorurteile Ihnen gegenüber. Kaum einer weiß, dass viele der Spätaussiedler einen deutschen Ursprung haben. Die Vorfahren waren deutsch und sind nach Russland ausgewandert. Um ihren Kindern dann eine bessere Zukunft zu ermöglichen, wurden Sie von Ihren Eltern nach Deutschland gebracht. Hier hatten sie es nicht leicht sich in die Gesellschaft einzugliedern. Sie mussten ein Teil ihrer Jugend in Russland oder Kasachstan zurück lassen. Keine Freunde oder Verlobte mehr. Das größte Problem ist das Nichtsprechen und Verstehen der deutschen Sprache. Sobald man der deutschen Sprache nicht mächtig ist, wird man als Außenseiter abgestempelt und es wird noch schwieriger einen Weg in die Gesellschaft zu finden. Da es für sie so schwierig ist, sich in der Gesellschaft zu integrieren, gelangen viele der Spätaussiedler auf die Schiefe Bahn. Ihre ersten Schritte in Deutschland gehen in Richtung Kriminalität. Denn ,,11 Jahre Schule und 1 Jahr Berufsschule in Kasachstan” bringen in Deutschland nichts. Man muss wieder von vorne anfangen. Wenn man Glück hat kann man einen Schulabschluss machen und anschließend eine Lehre beginnen. ,,In Deutschland ist es schwer Arbeit zu finden, aber ich habe eine Ausbildung angefangen und nach zwei Jahren beendet. Da es eine Ausbildung in einem privaten Unternehmen war, wurde ich nicht übernommen. Für mich war es danach schwierig einen Job zu finden, denn viele hatten Vorurteile mir gegenüber. Ich geriet auf die Schiefe Bahn und wurde drogenabhängig“.
Interviews mit Russlanddeutschen aus der “Fachklinik Pfälzerwald” führten immer in die gleiche Richtung. Für die Männer ist die deutsche Sprache das größte Problem für Integration gewesen. Viele wurden auch von ihren Lehrern in der Schule diskriminiert. ,,Ihr macht Deutschland kaputt” oder ,,Lern mal Deutsch”. Dies sind nur zwei kurze Sätze, die sehr verletzend wirken können. Aber nicht nur in deutschen Schulen gab es diese Probleme. Denn auch in Kasachstan wurden sie auf Grund ihrer deutschen Nachnamen an dass ende der Schulhierarchie gestellt. Um seine Stellung zu verbessern musste man sich ,,nach oben kämpfen”. Ein weiteres Problem sind die kulturellen Aspekte. Für die Männer ist die Familie das Wichtigste und nichts geht über die Familie. Die Eltern sind ein Heiligtum und für sie tun sie alles. Nach ihren Aussagen steht der Mann als Oberhaupt der Familie über allen anderen und es ist für sie unvorstellbar, dass die Schwester oder Tochter vor der Ehe Karriere machen will. ,,Meine Schwester lebt auch in Deutschland, aber sie hat zuerst Karriere gemacht. Erst dann hat sie geheiratet und ein Kind bekommen. Ich verstehe das nicht. Mehr Familie und weniger Karriere.” An dieser Aussage kann man den Unterschied zwischen der russischen und der deutschen Mentalität erkennen.
Viele der hier lebenden Russlanddeutschen haben eine Familie gegründet und versuchen nun ihre russische Vergangenheit hinter sich zulassen. Eine große Hilfe sind hier bei die deutschen Sozialleistungen, die es in Russland nicht gibt. ,,Meine Mutter lebt auch in Deutschland, aber nur von Hartz IV. Für sie ist das zum Leben zu wenig, aber zum Sterben zu viel.” Deshalb ist es für die Männer sehr wichtig solch einen Job zu erhalten, indem sie so viel Geld verdienen, um ihrer ganzen Familie eine bessere Zukunft bieten zu können. ,,Geld bringt zwar kein Glück, aber ohne Geld hat man auch kein Glück”.
Nicht nur die Familie gibt ihnen Kraft, auch die Religion. Das Beten zu Gott ist für sie sehr wichtig und es hilft ihnen auch durchzuhalten. Die Integration bezüglich der Religion ist auf Grund ihrer Konfessionslosigkeit ein weiteres Problem. Für deutsche ist es wichtig einer Konfession anzugehören, für sie nicht. Sie glauben einfach nur an Gott. Ihr Glaube hilft ihnen bei dem Aufbau eines neuen Lebens, einer ganz neuen Zukunft, ohne Kriminalität und ohne Drogen, denn ,,Gott macht alles”

,,Das Ziel eines Jeden ist es ein Haus zu bauen, ein Baum zu pflanzen und ein Kind zu zeugen”.






Dokumentation der Arbeit:

Themenfindung:

Ich habe das Thema Integration von Russlanddeutschen gewählt, weil für mich die Integration und das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen wichtig ist. Unsere Schule ist ein Mitglied bei “Schule ohne Rassismus Schule mit Courage“.
Ich habe auch über meine Mutter mit Russlanddeutschen zu tun, da sie in der Fachklinik Pfälzerwald arbeitet. In dieser Klinik gibt es nur Russlanddeutsche Rehabilitanten.
Integration ist für mich auch noch wichtig, weil jeder das recht auf ein gutes Leben hat, auch wenn er nicht deutscher Herkunft ist. Jeder ist ein Teil einer Gesellschaft.

Meine Informationen für diesen Artikel waren Interviews mit Männern aus der Fachklinik Pfälzerwald und auch das Internet, um die Historischen Hintergründe besser zu verstehen. Die Zeitung hat über das Thema Integration von Russlanddeutschen nicht sehr viel geschrieben. Schade eigentlich.

Teambildung:

Bei diesem Artikel gab es kein Team. Ich habe alleine geschrieben.

Recherche:

Wie schon genannt habe ich Interviews mit Männer der Fachklinik Pfälzerwald geführt und auch das Internet für Informationen benutzt.

Ergebnisse:

Internet:    - Informationen zur Geschichte von Russlanddeutschen
        - Hintergrundinformationen über Russlanddeutsche

Interview:    - Ebenfalls kleine Einblicke in die Geschichte der Russlanddeutschen
        - Viele Gefühle und Meinungen kamen hervor

Nach den Recherchen und Interviews konnte ich mir gut eine eigene Meinung bilden und betrachte die Menschen mit Migrationshintergrund anders.
               
Resümee:

Mir hat das Projekt viel Freude bereitet, da ich mit den Männern aus der Klinik auch mal einen Spaß machen konnte. Die Informationen aus erster Hand zu erhalten war eine neue Erfahrung für mich. Es ist was anderes als im Internet zu suchen. Ich denke ich werde nun öfters mit Leuten direkt über Ihre Herkunft oder andere Dinge sprechen. Es ist interessanter und spannender.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Familie ist das Wichtigste oder Der bloße Schein trügt
Autor
Hendrik Wolf
Schule
Privates Trifels-Gymnasium mit Internat, Annweiler
Klasse
LK De2 von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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