Behinderte Jugendliche und Kinder mit Migrationshintergrund an der Münsterlandschule

Behinderte Jugendliche und Kinder mit Migrationshintergrund an der Münsterlandschule

"Lernen macht mir viel Spaß.", sagt die sechzehnjährige Batul über ihr Schulleben in der Münsterlandschule in Münster, Kinderhaus.

Die Münsterlandschule ist eine Schule für schwerhörige und gehörlose Kinder mit oder ohne Förderbedarf und/ oder mit Problemen im Elternhaus.
Dort gibt es eine Grund- und eine weiterführende Schule. Bevor die Schüler mit dem ersten Schuljahr beginnen, besuchen sie eine Einführungsklasse.
Schüler, die diese Schule besuchen, bekommen kein  Zeugnis wie Schüler auf den Regelschulen, sondern nur ein Schreiben über ihr Schwächen und Stärken.
In den Klassen sitzen bis zu zehn Schülern/ -innen, die so individuell gefördert werden können. Die Schüler mit gleichem Förderbedarf kommen in eine Klasse und lernen dort zusammen, auch wenn manche auf einem höherem Wissensstand sind als andere (z.B.: Zwei Schülerinnen der dritten Klasse rechneten Aufgaben im Buch, während die anderen Schüler/ -innen schon schwierigere Aufgaben in der Gruppe mithilfe von ihrer vertrauensvollen und hilfsbereiten Lehrerin lösten).
Außerdem sind die Klassenräume, um Rücksicht auf die Behinderung der Schüler zu nehmen, mit einem Teppich ausgelegt und die Wände und Raumdecken sind gedämmt.
So können die Schüler jedes Geräusch innerhalb des Raumes wahrnehmen und gut verstehen. Daher, und weil die Schüler/ -innen und Lehrer/- innen sich meistens nur über die Gebärden ausdrücken und unterhalten, ist es während des Unterrichts immer sehr ruhig.
Die Sitzordnung ist als Halbkreis ausgerichtet, so können alle Schüler die Gebärden und die Mundbewegungen der Lehrer/-innen und der anderen Schüler gut sehen.
Alle Lehrer erlernen während ihrer Studienzeit bei der Sonderpädagogik, die fünf bis acht Jahre andauert, die Gebärdensprache.
Die Schüler werden in den gleichen Fächern unterrichtet wie die Schüler an der Regelschule, wie z.B. in Mathe, Deutsch und Erdkunde.
Sie machen auch ein Praktikum und Klassenfahrten, so wie die Schüler einer Regelschule.
Außerdem gibt es neue Fächer wie zum Beispiel das Fach Computer, indem sie lernen, mit dem Computer umzugehen.
Da die meisten Klassen eine/n Klassenlehrer/-in haben, der/die fast alle Fächer unterrichtet, kann er/sie fachübergreifend arbeiten, manche Schulstunden zu einer anderen Zeit geben, als es auf dem Stundenplan vorgegeben ist, oder Besprechungen, die die Behinderung betreffen, dem Unterricht vorziehen.
Für die Schüler/-innen, die Probleme im Elternhaus haben, gibt es Wohngruppen auf dem Schulgelände.
Die oberen Klassen machen Ausflüge passend zum Schulstoff, zum Beispiel in das Anne-Frank-Museum in Amsterdam.

“Alles in allem hilft die Schule mir sehr, mit meiner Behinderung umzugehen.“, sagt die junge Schülerin mit einem Lächeln im Gesicht.
Obwohl ihre Eltern aus dem Libanon kommen, kann sie fließend deutsch sprechen. So fällt es ihr leicht, die deutschen Gebärden zu erlernen. Außerdem sprechen ihre Eltern zuhause mit ihr nur Deutsch, um ihre Tochter zu unterstützen.
So hat Batul nicht das Problem, das viele andere Migranten mit Hörbehinderung haben. Sie muss zu ihrer  Muttersprache (deutsche Sprache) nur noch die (deutsche) Gebärdensprache lernen. Andere müssen zu ihrer Muttersprache die deutsche und die Gebärdensprache lernen.
„Dies ist viel schwieriger für die Schüler.“, so Christina Arens, eine langjährige und erfahrene Lehrerin der Münsterlandschule, die sich jederzeit stark für ihre Schüler einsetzt.

Doch nicht alle Schüler/-innen mit Migrantenhintergrund haben es so leicht wie Batul, wie z.B. die ebenfalls sechzehnjährige aus Russland stammelnde Marina. Sie muss sich fast ganz selbstständig die deutsche Sprache beibringen, da ihre Eltern diese kaum beherrschen. Dabei helfen ihr ihre verständnisvollen Freunde und hilfsbereiten Lehrer/-innen.
„Ich bin oft sehr unsicher, wenn ich mit anderen Menschen auf Deutsch rede. Es fällt mir schwer, diese Sprache zu erlernen, aber es ist wichtig für mich und meine Zukunft. Es hilft mir, wenn die anderen auch mit Gebärden mit mir reden, so lerne ich auch die normale deutsche Sprache.“, sagt Marina mit leiser Stimme. Sie schien bei unserem Gespräch wirklich ein paar Schwierigkeiten gehabt zu haben, da sie uns oft aufforderte, die Fragen zu wiederholen und anders auszudrücken.
Doch als wir sie fragten, wie ihr das Schulleben an der Münsterlandschule gefällt, antwortete sie sofort mit einem schüchternem Lächeln: „Es macht mir viel Spaß. Ich fühle mich hier sehr wohl und fühle mich gefördert.“
Das mag wohl auch daran liegen, dass die einzelnen Klassen nach dem Unterricht oft etwas unternehmen. Zum Beispiel die Klasse 9 von Frau Arens hat mal in der Schule übernachtet, den Schülern und der Lehrerin hat dies viel Spaß gemacht.  Es scheint, als ob sie zu einer kleinen Familie zusammengewachsen sind.

Batul hat sich nun aber noch dazu entschieden, eine neue Sprache zu erlernen, und zwar die Muttersprache ihrer Eltern: Arabisch.
Die Münsterlandschule ist die einzige Schule, die Batul jemals besucht hat. Das könnte sich aber noch ändern, da es für die Schüler immer möglich ist, auf eine Regelschule zu wechseln. Es gibt auch viele Schüler, die in eine Regelschule eingeschult wurden, doch dort war es für sie durch ihre Behinderung, die lauten Mitschüler und die ungedämmten Räume zu schwer, dem Unterricht folgen.


Insgesamt ist die Münsterlandschule die perfekte Förderung für Kinder und Jugendliche mit Hörbehinderung. Hier werden sie individuell gefördert und unterstützt, egal ob es um den Unterrichtsstoff, ihr Elternhaus oder ihre Behinderung geht. Dabei setzen sich die Lehrer/innen sehr stark für die  
Schüler/-innen ein. Nach ihrem Schulabschluss beherrschen die Schüler/-innen die deutsche und die Gebärdensprache perfekt und können in das Berufsleben entlassen werden, ohne dass ihre Behinderung sie belasten wird.
 

Behinderte Jugendliche und Kinder mit Migrationshintergrund an der Münsterlandschule

Informationen zum Beitrag

Titel
Behinderte Jugendliche und Kinder mit Migrationshintergrund an der Münsterlandschule
Autor
keine Angabe
Schule
Schillergymnasium, Münster
Klasse
GK Deutsch von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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