Gaststudium – Eine Migration auf Zeit

Etwa 29000 Studenten zog es im Jahr 2009/2010 ins Ausland. Aber was sind Ihre Ziele, Gründe und Erfahrungen?  Wir begleiten Martin S. bei seiner Reise.
Abends sitzt Martin in seinem Zimmer und  geht  noch einmal die Kontrollliste für seine bevorstehenden Auslandsaufenthalt  durch. Schnell möchte er noch einige Besorgungen in der Stadt erledigen. Doch als er die Haustür verlässt, kommen ihm seine Freunde entgegen. Sie sind vorbeigekommen, um ihn zu verabschieden.
Martin befindet sich momentan  mitten in seinem  Sprachstudium mit dem Schwerpunkt Französisch und hat vor einigen Wochen einen Bestätigungsbrief für sein Auslandssemester erhalten. Damit gehört er zu den 45 Prozent der Sprachen Studierenden, die ein Semester im Ausland absolvieren oder absolvierten. Seine Reise wird ihn nach Frankreich, in die Bretagne, führen. Somit hat er das gleiche Ziel wie 40 Prozent der befragten Studenten. Die Mehrheit der deutschen Studierenden verbringen ihr Auslandssemester in Europa. Das beliebteste Zielland ist Frankreich, gefolgt vom Vereinigten Königreich und Spanien. Außerhalb von Europa zieht es die meisten nach Nordamerika (Kanada, 20 Prozent und die Vereinigten Staaten von Amerika, 10 Prozent).

Spontan lädt Martin seine Freunde zu einem Drink in einer Bar der Großstadt München ein. Ihr Ziel ist ihre Stammkneipe, die sie fast jeden Samstagabend  aufsuchen. Sie sind der Meinung, er solle seinen letzten Abend in Deutschland genießen. Nach einigen Getränken und langen Gesprächen verlassen sie schließlich die Bar. Er geht früh schlafen, da er für den morgigen Tag fit sein möchte.
Sein Flieger startet schon in den frühen Morgenstunden Richtung Paris. Mit dem Zug geht es  weiter nach Rennes. Vor Ort hat er wie die meisten Auslandsstudenten, 96 Prozent, keinerlei Probleme mit den örtlichen Behörden.
Martin gehört zu den wenigen, die sich  eine eigene  Wohnung im Ausland leisten können. Rund zwölf Prozent der Erasmus- Teilnehmer bilden Wohngemeinschaften, um Geld zu sparen. Jedoch leben die Meisten, ca. die Hälfte der Studenten, während ihres Auslandsaufenthaltes in dortigen Gastfamilien, mit welchen sie in der Regel sehr zufrieden  sind.
Er fühlt sich schon am ersten Tag gut in die Gesellschaft eingegliedert. Erste Kontakte knüpft er schon auf der Fahrt zur Universität. Seine guten Sprachkenntnisse bieten hier schon große Vorteile. Die Kontaktaufnahme vor Ort fällt  88 Prozent der Studenten leicht. Nur  wenige, zwölf Prozent, haben Probleme mit der ersten Kontaktaufnahme. Sie bemängeln oft den geringen Kontakt mit den Einheimischen.
Martin lebt  sich schnell in den französischen Alltag ein und kann sich gut mit den dortigen Kulturen auseinandersetzten. Er ist sehr über die hiesige Gastfreundlichkeit überrascht und wird widererwartend zügig in die allgemeine Gesellschaft integriert. So erging es auch 75 Prozent der immigrierten Studenten. Hiervon wurde die Mehrheit durch Studienkollegen  eingebunden. Auch der Universitätssport und gemeinsame Aktivitäten führten bei  31 Prozent zur Integration bei. Nur die Minderheit musste eigenes Engagement zeigen.
Die Zeit in Rennes vergeht für Martin wie im Flug. Unter der Woche besucht er die Uni fast täglich, um seine fachlichen und sprachliche Horizonte zu erweitern. Er lernt jeden Tag etwas Neues dazu, sowohl in kultureller als auch sprachlicher Form.
Nun sind es nur noch knapp zwei Tage bis zu seiner Abreise. Damit der Kontakt zu seinen französischen Freunden nicht abbricht, notiert er sich noch ihre Kontaktadressen. Schließlich verabschiedet er sich vor seinem Rückflug von seinen neuen Bekanntschaften  und bedankt sich für ihre Hilfsbereitschaft  und ihre Gastfreundschaft.
Im Flugzeug lässt er sich das letzte halbe Jahr noch einmal durch den Kopf gehen und ist sich sicher nur positive Erfahrungen gemacht zu haben. Diesen Eindruck teilen alle der befragten Studenten mit ihm.  80 Prozent knüpften neue Kontakte und verbesserten ihre Sprachkenntnisse. Außerdem lernten 13 Prozent die anderen Kulturen besser kennen und  haben bis heute noch persönlichen Kontakt zu ihren Freunden und Partnern aus dem Ausland. Niemand sah den Auslandaufenthalt als negativ an.
Bei Martins Ankunft stehen Freunde und Familie schon in der Eingangshalle des Flughafens, um ihm einen schönen Empfang zu bereiten.
Schon auf der Heimfahrt muss Martin von seinen Erlebnissen berichten. Letztendlich  sagt er: „ Es war eine sehr  erfahrungsreiche Zeit und ich könnte mir vorstellen später einmal im Ausland zu arbeiten“.  Damit vertritt er die Meinung von 75 Prozent der Studenten die schon einmal an einem Auslandssemester teilgenommen haben. Trotz der stets positiven Meinungen über ein Semester im Ausland, sind es erstaunlicherweise rund 25 Prozent, die lieber weiterhin in Deutschland  studieren und arbeiten möchten.

Informationen zum Beitrag

Titel
Gaststudium – Eine Migration auf Zeit
Autor
Jana Strohmeier, Kimberly Breuhauer
Schule
Gymnasium im Alfred-Grosser-Schulzentrum, Bad Bergzabern
Klasse
9c von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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