Ehrenlose Morde an Dönern

Wir können ja gar nicht mehr unsere eigene Arbeit erledigen! Viele von uns sind zu unqualifiziert. Es herrscht ein Lehrkräftemangel in Deutschland. Deutschlands Wirtschaft ist immer mehr auf ausländische Kräfte angewiesen, aber nicht nur die Wirtschaft, sondern, wie es den Anschein hat, auch Politik und Gesellschaft. Jetzt müssen schon Menschen mit Migrationshintergrund uns vormachen, wie man Integrationspolitik betreibt. Menschen wie Serdar Somuncu müssen uns sagen, dass Migranten unsere europäische Kultur zu achten haben und wir nicht alles tolerieren müssen, jedoch wir als Deutsche diese Menschen als Teil unserer Gesellschaft zu respektieren haben und als Menschen mit zwei Identitäten zu sehen haben, nämlich mit einer deutschen und die ihres Heimatlandes.
Aber mehr als Betreiber von Imbissbuden scheinen sie nicht zu sein. Acht Mitbürger mit Migrationshintergrund wurden ermordet. Das ist aber nicht so schlimm. Sie sind nicht mehr als Fremde oder besser gesagt, sie sind Döner. Schön zu beobachten lässt sich das jeden Tag. Angefangen wenn man morgens das Radio einschaltet oder in die Zeitung blickt. Man kann manchmal solche Schlagzeilen lesen wie „Flugzeug ist über dem Pazifik abgestürzt“. Passiert ja jeden Tag. Steht aber in der Unterüberschrift „ fünf Deutsche sind unter den Toten“, dann ist das Entsetzen groß. Warum macht man hier Unterschiede? Eigentlich sollte man doch dann genauso Trauer für die anderen Toten empfinden, wenn man schon die Zeit hat, für völlig unbekannte Trauer zu empfinden. Weiter geht es bei der Arbeit. Nicht selten werden hier in der Personalabteilungen Namen aussortiert, die ausländisch klingen und die der Chef nicht aussprechen kann, obwohl die dazugehörigen Personen vielleicht qualifizierter wären als ihre deutschen Kollegen.Was machen diese hochqualifizierten Arbeitskräfte später? Sie wandern aus und fehlen auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Wir haben es geschafft eine ganze Volksgruppe mit einem Dönerspieß zu verbinden. Ungebildet und faul sollen sie ja sowieso sein. Mehr als Gammelfleisch bescheren sie uns wohl nicht.
Andererseits üben sich die Deutschen oft in höchster Toleranz. Dann wollen sie sich als Gutmenschen feiern lassen. Die Ausländer müssen sich ja bei uns wohlfühlen.Wir sind ja eine tolerante und offene Gesellschaft mit höchster persönlicher und religiöser Freiheit. Da haben wir Platz für jegliche persönliche Entfaltung. Wenn wir die Kinder von Migranten von Anfang an in Sonderklassen stecken, können sie ohne Probleme ihre eigene Kultur kennen lernen, ihre eigene Sprache sprechen und müssen sich nicht um Anpassung kümmern, da sie ja immer untereinander bleiben können. Wenn das kleine muslimische Mädchen dann mal groß ist und ihr schon ein Bräutigam aus der fernen Heimat zugeordnet wurde, den sie wohl noch nie gesehen hat, wird ihr bald eine Burka übergestreift gegen ihren eigenen Willen. Und das als Zeichen ihrer kulturellen Freiheit.
Was hier wie ein Witz klingt, wird wohl jeden Tag von uns toleriert. Ist da nicht etwas verkehrt gelaufen? Wie kann man so etwas tolerieren. Aber häufig hört man solche Sätze wie: „Ich habe eigentlich nichts gegen Ausländer, die kommen aber hierher und benehmen sich, wie sie wollen“. Wie sollen sich denn sonst benehmen? Wie sie es etwa sollen?  Ein ganz typischer Satz ist auch: „ Ich bin ja nicht rassistisch, aber (…)“.  Zu hören sind dann oft irgendwelche halbgaren Aussagen, die im Grunde auf einseitigen Vorstellungen und Stereotypen gegenüber Fremden basieren. Die Deutschen wissen oft, dass sie solche Züge vorweisen und haben dabei noch den Blick auf die Vergangenheit des eigenen Landes, deshalb haben sie Angst eigene Stellung zu beziehen und dabei kommt dann so etwas heraus. Auf  diesen Zug springen dann Hetzer wie Thilo Sarrazin, die Thesen in den Raum stellen über Judengene und vererbte Idiotie und es entsteht dann ein Geraune der Zustimmung im Volk. Thilo Sarrazin macht es dann ähnlich wie die Bild und greift eine imaginäre Stimmung im Volk auf und beginnt eine Hetze, die nicht zu verantworten ist. Haben wir aber nicht eine Verantwortung als aufgeklärte humanistische Gesellschaft, für ein Verständnis zwischen Menschen zu sorgen?

Wir sollten endlich das erkennen, was wir schon längst sind. Deutschland ist ein multikulturelles Land. Türken und Deutsche leben hier nicht alleine. Belgier, Amerikaner, Franzosen, Albaner, Libyer und noch viele andere haben sich zusammen mit ihren Religionen hier angesiedelt. Darunter sind genauso viele Integrationsunwillige, wie unter den Türken auch. Genau hier setzt das Problem an. Wir dürfen nicht die Schuld alleine auf ein Volksgruppe, wie zum Beispiel die Türken, schieben.  Man muss das originäre Nationalverständnis aufgeben. Deutschland ist ein Land vieler Kulturen. Wir, also Deutsche, Türken, Griechen, Polen, Russen und noch viele mehr leben zusammen in einem Staat. Um diese Tatsache, um nicht Problem zu sagen, zu bewältigen, brauchen wir ein differenziertes Denken. Egal wer gegen die Regeln verstößt, seien es ein Deutscher, Afghane oder eben Dominikaner,  muss mit Strafe rechnen. Wenn eine Frau eine Burka trägt, müssen wir dann eben  hinschauen. Sie wird in den seltensten Fällen das freiwillig tun und als Zeichen der Unterdrückung ist das nicht zu tolerieren. Frauen, die in einer patriarchalen Umgebung unterdrückt werden, können nicht von selbst sagen, dass sie keine Burka tragen wollen, deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sie das können. Zu guter Letzt werden sie Opfer rechtsradikal motivierter Morde, beschönigend auch Dönermord genannt,  oder von Ehrenmorden. Genau das passiert hier mitten in Europa in einer Parallelgesellschaft, wenn wir alles tolerieren, was wir sehen. Auch wenn die Burka eventuell in anderen Ländern in ihrer Kultur verankert sein mag, haben die hierher gewanderten Migranten unsere Kultur zu tolerieren und auch unser Verständnis von Selbstbestimmung und freien Willen. Falls sie trotzdem ihren Frauen weiterhin eine Burka aufzwängen wollen, können sie ja wieder in ihre Heimat zurückkehren und das dortige Verständnis von Freiheit genießen. Wer nach Deutschland oder Europa zieht, hat die europäische Kultur zu respektieren und muss sich dieser auch anpassen. Die Deutschen müssen endlich das Selbstvertrauen gewinnen, ihre Meinung durchzusetzen und sollen sich nicht in irgendeiner verwaschenen Hetze gegen Ausländer verlieren. Ein idealer Deutscher hat das alles uns schon vorgemacht. Mit Begriffen wie differenzierte Intoleranz zeigt er uns, wie wir erfolgreich unser fortschrittliches Land friedlich mit allen teilen können, die dies auch wollen.  Serdar Somuncu, Kabarettist und Autor, setzt sich schon seit langem für Integration und Verständnis. Mit perfektem Deutsch, das viele andere Deutsche nicht beherrschen, macht er uns vor, wie Integration richtig funktioniert. Er übernimmt den Job, den eigentlich wir ursprünglichen Deutschen  hätten. Er ist nur ein Beispiel von vielen hier in Deutschland. Migranten werden weiter immer mehr Arbeit übernehmen müssen als qualifizierte Fachkräfte. Ohne diese wird es das sonst schrumpfende Deutschland in der Zukunft nicht mehr geben. Mit Ausländerfeindlichkeit werden wir die qualifizierten Fachkräfte nur vertreiben, aber die problematischen Fälle werden nicht verschwinden. Migranten tragen Positives und Negatives zum Land bei. Jedoch kann man das Negative nur mit Annäherung bewältigen. Polemik und Populismus helfen dabei wenig. Migranten auszugrenzen und sie in der Schule in Sonderklassen stecken verschärft das Problem nur weiterhin. Mit einem differenzierten Blick muss man Regelverstöße bestrafen bei Deutschen, wie bei Migranten, und für ein Verständnis zwischen den Kulturen sorgen. Unterschiedliche Kulturen können sich gegenseitig bereichern und dabei ihre eigenen Traditionen bewahren.
 

Ehrenlose Morde an Dönern

Informationen zum Beitrag

Titel
Ehrenlose Morde an Dönern
Autor
Niklas Kiefer
Schule
Anne-Frank-Gymnasium , Rheinau
Klasse
J2 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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