Flucht oder Liebe?

Jeder weiß, wie es ist, in den Urlaub zu fahren, neue Kulturen kennenzulernen und vielleicht auch neue Freunde zu finden. Doch nicht jeder geht in ein anderes Land, um Spaß zu haben.

Zwei junge Frauen, wohnhaft in Bayern, erzählten, wie es war, einerseits aus Liebe und andererseits als Flüchtling nach Deutschland zu kommen.

Die jetzt in Hof wohnhafte junge Frau musste 1994 wegen eines Bürgerkrieges in ihrer Heimat, Bosnien nach Deutschland flüchten. Die Mitarbeiterin einer Spedition fand den Weg hierher sehr aufregend und gefährlich. Sie sagte, dass sie damals viel Angst hatte, da sie noch sehr jung war. Zu dem Zeitpunkt, als sie und einige Familienmitglieder flüchteten, durften Bosnier und Kroaten das Land nicht mehr verlassen.  „Es war sehr spannend, ob wir es schaffen würden oder nicht“, sagte die Speditionskauffrau.
 
Nach der Flucht lebte sie bei ihrer Großtante. „Sie half uns bei der Flucht und dafür bin ich ihr heute noch dankbar. Das Leben in Deutschland war nicht anders als in meiner Heimat, aber es war viel sicherer.“

Doch Herkommen und Dableiben - so einfach war es nicht. Ihre Mutter galt durch das, was sie erlebte, als psychisch traumatisiert. Deshalb brauchte sie erst ein Gutachten eines Psychologen, um mit ihren beiden Kindern hier bleiben zu können. Nun lebt die  25jährige schon 17 Jahre in Deutschland. Ihr Leben ist schön und sie hat sich gut angepasst. Natürlich gibt es hier und dort ein paar Probleme, aber die hat jeder. „Meine Aufenthaltsgenehmigung wird alle zwei Jahre geprüft, ist nun jedoch unbefristet. Mittlerweile habe ich einen Deutschen geheiratet, deshalb kann man mich nicht mehr abschieben!“, sagt die lebenslustige Frau mit einem Lächeln im Gesicht.

Ihre Familie ist größtenteils noch in Bosnien, aber sie fährt mindestens zweimal im Jahr in ihre Heimat, um diese zu besuchen. Ihr Bruder und ihre Mutter sind damals mit ihr zusammen geflohen und leben auch noch in Deutschland.

Aber Flucht ist nicht das einzige Migrationthema. Viele Ausländer kommen auch aus Liebe nach Deutschland, wie eine junge Frau, in Nürnberg lebend.

Die gebürtige Weißrussin war ab 2009 oft für ein Monate in Deutschland, bei ihrem Freund, den sie Ende 2010 heiratete. „Dies war wichtig für meine Aufenthaltsgenehmigung über drei Jahre. Außerdem musste ich einen Integrationskurs mit Sprachtest machen und bestand diesen erfolgreich.“ Sie schien sehr stolz darauf zu sein. Die Aufenthaltsgenehmigung war auch notwendig, um eine Arbeit zu finden.

Die 29 jährige meint, dass das Leben hier nicht besser sei. Es gibt Vor- und Nachteile gegenüber ihrer Heimat. Natürlich ist ihre Familie noch in Weißrussland, aber die jetzige Nürnbergerin hat noch Kontakt über das Telefon oder Skype mit ihnen. „Ich habe hier auch schnell viele neue Freunde gefunden. Der Bekanntenkreis meines Mannes hat mich freundlich aufgenommen.“

Beide Geschichten – Liebe und Flucht – wie allgemein Migration, sind ein ernstes Thema. Wenn sich einige Menschen mehr damit auseinandersetzen würden, könnten sie auch nachvollziehen oder verstehen, wie es ist, die Heimat verlassen zu müssen.


Eine Reportage von Franziska Höfer
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Flucht oder Liebe?
Autor
Franziska Höfer
Schule
Lessinggymnasium Plauen, Plauen
Klasse
9b von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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