Migration - Kinder haben es schwer

Am 5. 10. 1996 wurde Vladi Schuralew in Orsk in Russland geboren, einer Stadt mit mehr als 250.000 Einwohnern. Dort sollte Vladi jedoch nicht groß werden. Er besuchte den Kindergarten und ging danach zur Schule. Er beendete 2004 die erste Klasse, aber schon am 7. Juli des Jahres musste er umziehen. Olga, seine Mutter, die es aufgrund der Ordentlichkeit dieses Landes und der leichteren Arbeitssuche als in  Russland sehr nach Deutschland zog, setzte sich in der Familie durch und Vladi, seine Schwester Julia und später auch Vater Igor zogen per Flugzeug nach Deutschland. Sie landeten am Flughafen Frankfurt und hatten all ihr Hab und Gut in ihren Koffern bei sich.

Dieser Weg war für die Familie nicht leicht, denn sie mussten in Russland alles aufgeben und verkaufen.

Daraufhin zogen  sie in ein Wohnunterstützungsheim in Plauen (Sachsen). Sofort besuchten Vladi und Julia 2005 die zweite Klasse der Wartberggrundschule. Es erschien ihnen damals unmöglich, je die deutsche Sprache zu erlernen, da sie in der Schule im Deutschunterricht auf Note 6 standen und nur die Hälfte des Unterrichts verstanden hatten.  In einem kurzen Interview mit Vladi schilderte er kurz seine ersten Eindrücke von Plauen und seinen Einwohnern. Er war von der Ordentlichkeit und Anständigkeit der Personen aus seinem Umfeld beeindruckt. Jedoch verärgerte ihn die  Ausländerfeindlichkeit von seinen Klassenkameraden. Er schloss sich deshalb mit einem Iraker aus seiner Klasse zusammen, um die Mobbingangriffe zu verkraften.

Die Familie besuchte regelmäßig einen Deutschkurs, um die Sprache zu erlernen, von der Vladi nichts anderes sagen konnte als „Gabel" und „Löffel". Vladi und Julia fiel es schwer, sich in die deutsche Kultur zu integrieren. Mit viele Mühe und Fleiß bemächtigten sie sich jedoch Stück für Stück der deutschen Sprache und verstanden auch zunehmend die deutsche Kultur. Nach einem Jahr Wohnheim in Chrieschwitz zogen sie für drei Jahre in eine nahe gelegene Wohnung. Trotz der vielen sozialen Probleme und Schwierigkeiten, unter anderem das Finden von echten Freunden und natürlich der deutschen Sprache wechselten Vladi und Julia mit einer nicht befürwortenden Bildungsempfehlung 2007und mit einem Durchschnitt von 2,5 nach der vierten Klasse auf das Lessing-Gymnasium.  Dort lernten sie schnell neue Freunde kennen, obwohl immer eine kleine rassistische Randbemerkung kam, wie „Eh, du Russe". Davon jedoch ließ Vladi sich nicht beirren und lernte Tag für Tag mehr über die deutsche Sprache und ihre Kultur. Im Jahr 2009 zog seine Familie, welche inzwischen aus sechs Köpfen bestand, in eine größere Wohnung in der Tischendorfer Straße 23, in der Vladis Familie heute noch lebt.       In einem weiteren Interview erklärt er, dass er in Deutschland bleiben will und nur einmal im Jahr seine Verwandtschaft in Russland besuchen kann. Außerdem lernt er jetzt auch noch Englisch und Französisch in der Schule. Heute geht Vladi in die neunte Klasse des Lessing-Gymnasiums und ist stolz darauf, so schnell deutsch gelernt zu haben. Außerdem übernimmt er in seiner Familie eine große Verantwortung. Er muss seine kleinen Geschwister Markus (5) und Matthias (4) regelmäßig vom Kindergarten abholen und betreuen, denn Vater Igor ist wochenlang als LKW-Fahrer unterwegs und Mutter Olga arbeitet selbst in einem Kindergarten. Insgesamt kann man sagen, dass Vladis Familie den Umzug gemeistert,  und sich nun an die Deutschen gewöhnt hat.      

 

 

                          Christian Höltge

Informationen zum Beitrag

Titel
Migration - Kinder haben es schwer
Autor
Christian Höltge
Schule
Lessinggymnasium Plauen, Plauen
Klasse
9b von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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