Tor ist Tor und Mensch ist Mensch

Ob Deutschland nun ein besonders migrationsfreundliches Land ist oder nicht, darüber lässt sich im Zweifelsfall streiten. Jedoch sollte jeder bei der Betrachtung unserer Fußballnationalmannschaft zugeben können, dass es äußerst viele ausländische Namen zu entdecken gibt. Özil, Aogo, Boateng, Khedira oder Podolski, Cacau, Klose, Gomez und wie sie alle heißen, in kaum einer anderen Nationalmannschaft gibt es eine so große Selektion der ausländischen Namen.
Wenn wir einmal einen Blick auf die Mannschaft Italiens werfen, ist es unvorstellbar, dass die Italiener einge deutschnamige Spieler hätten. Jedoch tut diese Mischung, wie schon oft bewiesen, der Stimmung und dem „wir sind Deutschland Gefühl“ hierzulande keinerlei Abbrüche. Allerdings mangelt es bei dem ein oder anderen doch erheblich an den Deutschkenntnissen. An diesem Punkt könnte man sich natürlich fragen, ob das Erlernen der Landessprache keine Selbstverständlichkeit sein müsste, ansonsten ist es doch irgendwie höchst interessant, ein oft bemerktes multikulturelles Ritual beobachten zu können: Da wird auf dem Spielfeld innbrünstig die deutsche Nationalhymne gesungen und danach der ein oder andere Koran-Vers heruntergebetet. Passt nicht? Passt anscheinen sehr wohl. Und wenn das kein Zeichen für erfolgreiche Integration und Respekt anderen Religionen und Sitten gegenüber ist, dann gibt es wohl keines.
Im Grunde ist das doch eine tolle Sache, diese Migration. Da fühlen sich Menschen mit Migrationshintergrund so wohl bei uns, dass sie „ihr Land“ sogar sportlich und gegen die ganze (Fußball-) Welt verteidigen möchten. Allerdings ist das für die Spieler teilweise kein Zuckerschlecken. Ein Mesut Özil zum Beispiel, fühlt sich da schnell in der Zwickmühle gefangen. So wird er in der Türkei trotz deutscher Staatsangehörigkeit als „unser Mesut“ bezeichnet, jedoch, wie sollte es anders sein, nur so lange er nicht im Spiel gegen die Türkei erfolgreich ist. Denn dann ist er der „deutsche Mesut“. Dass es einem da als Spieler mit Migrationshintergrund vor der Begegnung mit den beiden Heimatländern mulmig werden kann, ist nachvollziehbar.
Eines muss man jedoch abschließend sagen, der Erfolg der multikulturellen Mannschaft gibt ihnen Recht. Und vielleicht gibt es ja in den nächsten Jahren auch außerhalb des Sportes Fortschritte, was die Denkweise und die allgemeine Integration der Immigranten angeht. Das Beispiel Sport ist schließlich schon mal ein guter Anfang, denn Tor ist Tor, ganz gleich wer es geschossen hat, also sollte auch Mensch gleich Mensch sein. Ganz egal aus welchem Land die Person kommt oder wer deren Eltern sind.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Tor ist Tor und Mensch ist Mensch
Autor
keine Angabe
Schule
Wilhelm-Schickard-Schule, Tübingen
Klasse
12 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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