Wenn der Ball ins Rollen kommt...

Sportgymnasium Neubrandenburg
Musisches Haus
Klasse 12M1
Alexandra Golke

Wenn der Ball ins Rollen kommt...
Durch einen Eintritt in einen Fußballverein wird die Integration junger Frauen mit Migrationshintergrund enorm vorangetrieben

Die letzte Fußballweltmeisterschaft der Frauen hat es gezeigt – die Augen der Bevölkerung richten sich zunehmend auf die Frauen in diesem eigentlich von Männern dominierten Sport. Doch trotz Zuwachs beim Mädchenfußball und Siegeszügen der Nationalelf ist der Frauenfußball längst nicht so populär wie der Männerfußball. Dies liegt an der Medienpräsenz, dem enormen Unterschied des Geldverdienstes durch Fußball und anderen Faktoren. Dabei sollte der Mädchenfußball viel mehr gefördert werden, da er die unterschiedlichsten positiven Effekt auf die Entwicklung junger Mädchen mit sich bringt. So sagt Professorin Claudia Kugelmann, dass es drei verschiedene Ebenen dieser positiven Effekte gibt. Zum ersten die persönliche, bei der es sich um die Stärkung des Selbstbewusstseins handelt. Dann die interaktionale Ebene, bei der es darum geht, sich anderen gegenüber zu beweisen und Status und Anerkennung zu erlangen. Die letzte Ebene ist die gesellschaftliche Ebene, bei der sich die Spielerin als wahres Talent in dieser anerkannten Sportart erweisen kann.
Diese genannten positiven Effekte sind für Mädchen mit Migrationshintergrund nun noch wichtiger, so können beispielsweise muslimische Mädchen aus den üblichen Rollen ausbrechen und durch den Sport ‚aufblühen’. Außerdem gibt es für die Spielerinnen einen zusätzlichen Ansporn, sich in einer männlich dominierenden Sportart zu beweisen. Deshalb gibt es besonders viele Frauen mit Migrationshintergrund im Fußball oder auch in Kampfsportarten. Doch für die meisten Mädchen ist es schwer außerhalb von eigenethnischen Vereinen Sport zu machen. Generell treiben vor allem türkische Migrantinnen selten in öffentlichen Vereinen Sport im Gegensatz zu dem männlichen Pendant, obwohl sie genauso an Sport interessiert sind. Dies liegt z.Β. an Religionsgründen oder patriarchalischen Zuständen. So sind Frauen in eigenen Vereinen besser „kontrollierbar“ von den Vätern und Brüdern. Außerdem wollen viele Mädchen auch lieber mit Mädchen zusammen spielen, die einen ähnlichen Hintergrund wie sie selbst haben. Dies ist mit Sprachproblemen, Angst vor Rassismus in öffentlichen Sportvereinen zu begründen. Eine solche Ausgrenzung könnte schließlich bewirken, dass die Migrantinnen sich nicht integrieren, weil sie bereits negative Erfahrungen bei diesemVersuch hatten. Genau deshalb gibt es spezielle Mannschaften und Möglichkeiten für Migrantinnen, die versuchen diese Probleme zu überwinden. So zum Beispiel Türkiyemspor Berlin e.V. – der bekannteste Migrantenverein in Deutschland. Durch große Erfolge ist er bereits zum Aushängeschild des multikulturellen Bezirks Kreuzberg geworden. 2004 gab es dann erstmals auch Mädchenteams und die besondere Förderung der Frauen begann. Dabei wurden auch besondere pädagogische Gesichtspunkte berücksichtigt, wie die Betreuung und Überzeugung der Eltern fußballinteressierter Mädchen. Ziele des Vereins sind unter anderem eine Akzeptanz des Mädchenfußballs in Migrantenkreisen oder die allgemeine Verbesserung des Freizeitangebots für Migrantenfamilien.
Im Allgemeinen lässt sich also feststellen, dass sich hinter Sport bzw. besonders Fußball ein großes Integrationspotential verbirgt. Teilweise ermöglicht die Teilnahme an Sport sogar rechtliche Gleichberechtigung bzw. Sonderregelung. Der DFB führte beispielsweise den Begriff des „Fußballdeutschen“ ein, was heißt, dass Spieler ohne eine deutsche Staatsangehörigkeit, die mehrere Jahre ohne Unterbrechung im deutschen Jugendfußball aktiv gemeldet sind, rechtlich gleichberechtigt sind mit deutschen Fußballspielern. Doch neben diesem rechtlichen Zusatz ist der Fußball manchmal die einzig reale Partizipationsmöglichkeit für junge Menschen mit Migrationshintergrund – auch in Gesellschaften, die eventuell von Rassismus beherrscht werden. Dabei ist der Sport besonders für weibliche Migranten in Sachen Integration sehr vorteilhaft. Und wieder landen wir bei der Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2011. Zum ersten Mal gab es nun eine Spielerin, die von Medien hoch gepriesen wurde und auf Zeitschriften zu sehen war. Im Fernsehen und auf dem Feld war sie Idol vieler kleiner und auch großer Fußballspielerinnen – Fatmire „Lira“ Bajramaj. Und auch sie besitzt einen Migrationshintergrund und nutzte den Beitritt in einen Fußballverein als Möglichkeit der Integration. Als sie 4 Jahre alt war, wanderten ihre Eltern mit ihr aus dem Kosovo aus und gingen nach Deutschland. Dort fing sie an Fußball zu spielen und heute, mit erst 23 Jahren, kann sie schon auf eine sehr erfolgreiche Laufbahn zurückschauen. Sie war z.B. in allen Jugendmannschaften der Nationalmannschaft und zweimal Deutscher Meister mit dem Verein Turbine Potsdam. Bajramaj ist also ein Vorzeigetalent des Frauenfußballs und die bekannteste Medienfigur für Sportlerinnen mit Migrationshintergrund. Den Ball der Integration ins Rollen bringen, das ermöglicht also ein schlichter Beitritt in einen Fußballverein.


Quellen:
http://www.migration-boell.de/web/integration/47_640.asp

http://www.lirab.com/cms/website.php?id=/de/index/lira.htm&sid=vsucd471ae38io77k5kb0dhid1

http://www.tuerkiyemspor.info/staticsite/staticsite.php?menuid=50&topmenu=45

http://sites.google.com/site/tuerkiyemsporfemale/Konzepte
http://www.fussball-wm-frauen.de/das-bewegende-leben-der-fatmire-bajramaj/
 

Wenn der Ball ins Rollen kommt...

Informationen zum Beitrag

Titel
Wenn der Ball ins Rollen kommt...
Autor
Alexandra Golke
Schule
Sportgymnasium Neubrandenburg, Neubrandenburg
Klasse
11M1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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