Globalisierung fair – die Pflicht der Starken

Globalisierung. Das ist die Verflechtung weltweit. Die Entstehung eines Netzes von internationalen Unternehmen, Abkommen, Gesellschaften und Staaten. Wenn fremde Kulturen aufeinander stoßen gibt es verschieden entwickelte. Und wenn die standfesten Staaten auf diejenigen stoßen, die noch gar nicht stehen können, sollte es jeder Logik entsprechen, dass hier die Aufgabe der Unterstützung nicht auf den niedriger entwickelten Teilnehmer fällt.

In der Realität? Scheint die Logik nicht zu funktionieren. Sehen wir uns in der Welt um, kommen uns unglaubliche Unverhältnismäßigkeiten entgegen. In der dritten Welt leben die Menschen auf Müllhalden, während in Deutschland der Manager in seine Limousine steigt und in seine Villa fährt. Eine natürliche Konsequenz der Entwicklung des Lebens von jedem Individuum. Doch ist es nicht erstrebenswert Selbstlosigkeit in die Welt zu setzen und für mehr Fairness zu sorgen? Das Ganze hat allerdings nur wirkliche Wirkung wenn man bei dem Grundstein der Unterschiede ansetzt. Der Bildung und den Verwirklichungsmöglichkeiten. Und an dieser Stelle ist es alles andere als realistisch, den 18-jährigen Adem aus Äthiopien in eine deutsche Universität zu stecken und zu erwarten, dass er als hochqualifizierter Ingenieur in den Arbeitsmarkt einsteigen wird.

Bleibt man im realistischen Rahmen, bietet der Industriestaat lieber den Immigranten, möglichst an den Einschränkungen und Möglichkeiten eines deutschen Bundesbürgers orientiert, eine Bildungschance. Vor allem mit Zukunft. Die sogenannten Bildungsausländer, diejenigen die im Ausland einen nichtdeutschen Schulabschluss absolvieren, aber in Deutschland studieren wollen, haben an den meisten Universitäten, Hochschulen und Akademien die Möglichkeit angenommen zu werden. Das Problem dieser Bildungsinteressierten: Der Verwaltungsstaat Deutschland und der Geldbeutel der Familie. Viele müssen in ihren Heimatländern hunderte Kilometer fahren um sich einen Antrag nach dem nächsten zu holen, womöglich in Deutschland angekommen noch einmal zurückfliegen nur für die Verwaltung. Zusätzlich gibt es für Bildungsausländer zusätzliche Kosten beim Studium, wodurch die Bildungsausländer schon wieder selektiert werden. Nur weil Cezmí aus der Türkei aus einem verarmten Elternhaus stammt, muss er am Ende einen türkischen Fastfoodstand eröffnen, obwohl sein Traum doch immer ein Medizinstudium war.

Das Problem ist allgegenwärtig. Die Bildung wird vererbt, und wenn man erst einmal wenig Geld hat, auf das man zurückgreifen kann, wird es schwer an mehr zu kommen. Natürlich kann den Bildungsausländern, die sich bisher nicht an den deutschen Steuern beteiligt haben, auch nicht das gleiche wie dem steuerzahlenden Bürger abverlangt werden, doch hier tritt wieder das große Problem der Verwaltung und auch die teils vorurteilbehaftete Einstellung des Bundesbürgers gegenüber Mitmenschen mit Migrationshintergrund auf.
Trotz aller Umstände kommt es zu vielen Absolventen mit Migrationshintergrund. Mit einem deutschen Master, einem Abschluss als Arzt, Ingenieur, Lehrer oder einer anderen Akademikerausbildung.
Bleiben diese im Land? Oftmals nicht. Viele Jahre leben die Absolventen teilweise im Land. Doch trotzdem müssen Einstellungen, Arbeitssuche, Qualifizierung und Entsprechung der Tätigkeit oft von Behörden kontrolliert werden, was oft die Konsequenz der Verwehrung der Arbeitsstelle oder sogar nach längerer Zeit eine Abschiebung zur Folge haben kann. Manche studieren ein zweites Mal um im Land bleiben zu können. Andere nehmen Einstellungen an, die ihrer Qualifizierung überhaupt nicht entsprechen.

Der Wille zum Bleiben ist vorhanden. Und trotzdem gibt es auch einen großen Teil, 2009 fast 75% der Bildungsausländer mit Abschluss, die das Land wieder verlassen, weil der riesige Verwaltungsstress eine zu große Belastung ist. Geforderte Einstiegsgehälter in unrealistischen Höhen um eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, befristete Berufserlaubnisse, erschwerte Erlangung höherer Positionen durch Vorurteile und die Tatsache, dass man anders aussieht:  All das plagt die Bildungsausländer, und hat eine Abwanderung zur Folge. Und da soll sich die deutsche Wirtschaft, die deutsche Politik, die deutsche Medienlandschaft über einen Fachkräftemangel beschweren dürfen?

Dieses Braingain durch Rücktransfer hat natürlich auch etwas Gutes an sich. Gut ausgebildete Immigranten helfen stark in der Entwicklung ihrer Heimatländer. Bekommen gute Stellen, unterstützen ihre Familien, helfen auf dem eigenen Wirtschaftsmarkt. Doch der Hintergedanke bei diesem Bildungsaustausch ist eher ein eigennütziger. Dabei sollte möglichst in Zeiten der Globalisierung ein Kulturaustausch angestrebt werden. Mehr Bildungsausländer hierbehalten. Allerdings auch mehr Bundesbürger in das Ausland vermitteln. Nur so kann man voneinander lernen. Der falsche Weg ist, sich mit aller Kraft gegen verarmte Flüchtlinge zu stemmen. Zuviel Potential, das auch unserer Wirtschaft zugute kommen kann, wird dadurch verschenkt.

Globalisierung fair – die Pflicht der Starken

Informationen zum Beitrag

Titel
Globalisierung fair – die Pflicht der Starken
Autor
Philipp Spiegel
Schule
Sportgymnasium Neubrandenburg, Neubrandenburg
Klasse
11M1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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