Integrationskurse an der Volkshochschule

Integrationskurse an der Volkshochschule

Viel mehr als nur einen Sprachkurs

Dr. Tatiana Koch ist im September 2003 von Russland aus Familiengründen mit 34 Jahren nach Deutschland gekommen. Frau Koch hat in Russland Germanistik studiert und anschließend in all-gemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Ein Teilstudium in Germanistik wurde von Ihr an der Humboldt-Universität in Berlin noch vor der Wende absolviert. Der Vorgang der Anerkennung Ihrer Abschlüsse dauerte ziemlich lange wurde aber mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. In Russland hat Sie an der staatlichen Universität zu Krasnodar am Lehrstuhl für deutsche Philologie als Dozentin tätig, unterrichtete verschiedene Fächer, unter anderem Übersetzungstheorie, Text-analyse sowie Deutsch als Fremdsprache.Seit November 2003 ist Sie als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache an der VHS(Volkshochschule) in Bad Oldesloe tätig. Seit Februar 2005, nachdem das Zuwanderungsgesetz in Kraft getreten ist, unterrichtet Sie in den Integrationssprachkursen, die die VHS Bad Oldesloe als vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugelassener Sprachkurs-träger anbietet.
 

*Infos über das Sprachkurssystem:
Grundkenntnisse: Kurse A1 und A2
Da können sich die Lernenden über vertraute Themen mit einfachen Worten verständigen.
Gute Sprachkenntnisse: Kurse B1 und B2
Da können sich die Lernenden im privaten und beruflichen Bereich in der Standardsprache verständigen.
Nahezu muttersprachliche Kennt-nisse: Kurse C1 und C2
Die Lernenden können sich fließend im gesellschaftlichen und privaten Leben verständigen.
 

Während Ihres Studiums hat Sie an einigen Seminaren vom Goethe-Institut teilgenommen, dazu kam selbstverständlich der praktische Sprachunterricht an der Universität. Einen Deutschkurs im Sinne eines Integrationskurses hat Sie von der Seite einer Kursteilnehmerin nicht miterlebt.


Reporterin: Was ist ein Integrationskurs?

Fr. Koch: Es ist nicht nur ein Sprachkurs, sondern ein Kurs, in dessen Rahmen man sehr viele Informationen über Ge-schichte Deutschlands Rechtsordnung sowie seine Kultur und Traditionen bekommt. Als zugelassener Sprachkurs-träger bietet die VHS Bad Oldesloe seit Februar 2005 Inte-grationskurse nach den Richtlinien des neuen Zuwander-ungsgesetzes an. Die Deutsch Integrationskurse bereiten über die Niveau-stufen A1 und A2 auf die Abschlussprüfung zum europäisch-en Sprachzertifikat B1 vor.


Reporterin: Wer hat einen Anspruch auf einen Integrationskurs?

Fr. Koch: Alle Ausländer/-innen sowie Bürger/-innen aus der Europäischen Union, die auf Dauer in Deutschland leben möchten, haben einen Anspruch auf die Teilnahme an einem Integrationskurs.

Reporterin: Wo und wie meldet man sich für einen Integrationskurs an?

Fr. Koch: Wir, die VHS Bad Oldesloe nehmen die Anmeldungen zum Integrationskurs von den An-tragsteller/-innen entgegen. Die Vergabe der Kursteilnahme erfolgt nach Eingang der Anmeldung und nach Verfügbarkeit der Kursplätze. Wir führen Einstufungsgespräche und stellen fest, welches Kursmodul zu Ihren Sprachkenntnissen passt. Wir klären die Voraussetzungen für die Kostenbe-freiung und helfen bei der nötigen Antragstellung.

Reporterin: Was passiert, wenn man den Kostenbeitrag für den Integrationskurs nicht bezahlen kann?

Fr. Koch: In solchen Fällen wird individuell nach einer Lösung gemeinsam gesucht. Zum Beispiel wird von uns dem Teilnehmer/-in eine Ratenzahlung vorgeschlagen. Aber der Teilnehmer/-in wird nicht abgemeldet.

Reporterin: Wer führt die Integrationskurse durch und wer unterrichtet darin?

Fr. Koch: Die Sprachkursträger werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geprüft und unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen. Vor allem müssen sie leistungsfähig sein, Fortbild-ungsangebote für Lehrkräfte anbieten usw. In den Integrationskursen dürfen auch nur DaF- Lehr-kräfte unterrichten, die über speziale Ausbildung verfügen und vom Bundesamt zugelassen sind.

Reporterin: Wie sieht es aus, wenn man an einigen Tagen nicht zum Unterricht erscheint?

Fr. Koch: Es wird von uns sowie auch vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sehr streng kontrolliert und wir benachrichtigen den Leistungsgeber weiter. Dann wird der Leistungsgeber ent-sprechende Maßnahme treffen müssen. Die Teilnahme an einem Integrationskurs soll sehr ernst ge-nommen werden, wie auch jede schulische bzw. berufliche Verpflichtung.

Reporterin: Was geschieht, wenn man eine Arbeit findet und dann keine Zeit mehr für den Kurs hat?

Fr. Koch: Der Integrationskurs ist in sechs Module eingeteilt. Jedes Modul besteht aus 100 Unter-richtsstunden. Grundsätzlich darf der Kurs nicht abgebrochen werden, man darf aber den Kurs unterbrechen, solche Möglichkeit hat man nach dem Abschluss eines Moduls unter der Bedingung einer entschuldigten Unterbrechung, z. B. Aus gesundheitlichen Gründen, aufgrund einer erfolg-reichen Bewerbung und Aufnahme einer Arbeit. In diesem Fall kann man sich überlegen, ob man den Integrationskurs auch am Abend bzw. am Nachmittag weiterhin besucht.

Reporterin: Würden Sie was an den Kursen ändern, wenn Sie die Möglichkeit hätten?

Fr. Koch: In erster Linie sollte man darüber nachdenken, die Möglichkeit den leistungsstarken Kursteilnehmern zu geben, die ohne ihr Stundenkontingent (600 geförderte Stunden) auszu-schöpfen, trotzdem erfolgreich den Integrationskurs abschließen, ihre Förderung weiterhin in An-spruch nehmen zu dürfen. Aktuell gelten die Regeln: Mir der Erstzulassung bekommt man den Anspruch auf 600 geförderte Unterrichtsstunden. Hat man bis zur Prüfung nur 300 Unterrichts-stunden gebraucht und die Prüfung erfolgreich bestanden, verfällt der Anspruch auf weitere 300 geförderte Stunden, die einem mit der Erstzulassung zustehen. Es könnte ein wichtiger Motivations-mechanismus werden, mit dem B1-Kurs möglichst schnell und erfolgreich abzuschließen, um sich sprachlich auf die weiteren Forderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten. Eine weitere Maßnahme wäre die Erweiterung der geförderten Stufen, von B1 auf B2, denn Integration bedeutet nicht nur Einbezogenheit in das all-tägliche Leben der Umgebung, sondern auch in die berufliche Welt und soziale Prozesse der Gesellschaft. Um diesen Anforderungen sprachlich zu entsprechen, sind die Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 nicht ausreichend.

Reporterin: Welche positiven Erfahrungen haben Sie und ist es ein sinnvolles Angebot?

Fr. Koch: Sehr viele Teilnehmer/-innen schließen den Integrationskurs mit dem B1-Zertifikat ab und können sich ziemlich frei im alltäglichen Deutsch bewegen. Im Rahmen eines Integrations-kurses setzt man sich ja sehr intensiv mit deutschen kommunikativen Gepflogenheiten auseinander, sammelt wichtige Erfahrungen des sprachlichen Umgangs aus verschiedenen Bereichen des Alltags und der Gesellschaft. Man bekommt viele Impulse und Anregungen für seine weitere Sprachent-wicklung. Sehr oft wird der Besuch eines Integrationskurses mit dem Besuch eines B2- Kurses fort-gesetzt. Jedoch nicht alle Teilnehmer können sich über positive Ergebnisse der Abschlussprüfung freuen. Für einige besteht allerdings die Möglichkeit, den Aufbaukurs zu wiederholen.

Das Gespräch führte Mrouwa Al-Zoubeidi, Schülerin der Fachoberschulklasse 11/1 der Staatlichen Schule Gesundheitspflege W1 Hamburg mit Frau Dr. Koch, Sachberaterin der VHS Bad Oldesloe.


Quellen:

http://www.bamf.de/DE/Infothek/infothek-node.html    Zugriff: 01.12.2011
http://www.bamf.de/DE/Infothek/FragenAntworten/Integrationskurse/integrationskurse-node.html   Zugriff:01.12.2011
Das Gespräch war mit Frau Dr. Koch am Freitag, 02.12.2011 mündlich in der VHS Bad Oldesloe.

Integrationskurse an der Volkshochschule

Informationen zum Beitrag

Titel
Integrationskurse an der Volkshochschule
Autor
Mrouwa Al-Zoubeidi
Schule
Staatliche Schule Gesundheitspflege W1, Hamburg
Klasse
FOS 11-1 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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