Migration und Arbeit in Deutschland

Als Migrant ist es keinesfalls leicht die deutsche Sprache zu lerne. Darum werden Einwanderer Unterstützt und gefördert. Vor allem im Arbeitsleben sind bei vielen Berufen gute Deutschkenntnisse gefordert. Oft wird auch eine bestimmte Fachsprache vorausgesetzt. Migranten müssen in Deutschland viel Ausdauer und Ehrgeiz beweisen, um unter den selben Voraussetzungen und Gegebenheiten in Deutschland leben und arbeiten zu können, wie Menschen, die bereits in Deutschland geboren sind.

Wie aber können Migranten in Deutschland Arbeit finden? Wie kann man Sie in unsere Gesellschaft integrieren und vor allem, wie wird ihnen dabei geholfen?
Das Aufenthaltsgesetz regelt hier wer einwandern darf und wer nicht. Dabei ist vor allem wichtig, ob und wie viele Arbeitskräfte in Deutschland gebraucht werden. Ist der Bedarf an Arbeitskräften gedeckt, kann eine Einwanderung sehr lange dauern oder gar nicht möglich sein. Hier gibt es natürlich auch Sonderfälle: für Hochqualifizierte oder Forscher ist die Einreise sehr einfach. Etwas schwieriger gestaltet ist die Einreise bei Selbstständigen, da man „nur“ ein gewisses Kapital und die Schaffung von mindestens 5 Arbeitsplätzen mitbringen muss. Am schwersten haben es die Normalbeschäftigten, da sie wie bereits erwähnt auf einen passenden Arbeitsplatz hoffen müssen.
Hat man diese Hürde überwunden, besitzt man eine begrenzte Arbeitserlaubnis in Deutschland. Diese berechtigt zum Aufenthalt in Deutschland solange man eine Arbeit besitzt. Und eben das ist der Haken: ist man noch kein deutscher Staatsbürger oder hat man keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, wird man wieder zurück in das eigene Land geschickt wenn man keine Arbeit besitzt.
Aber wie kann man deutscher Staatsbürger werden? Um dies zu werden müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:  man muss ein geregeltes Einkommen besitzen, das heißt man kann sich damit selbst und ohne staatliche Hilfe versorgen, man muss eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung besitzen, den Integrations- oder Einbürgerungstest erfolgreich abgeschlossen haben und ausreichende Deutschkenntnisse besitzen. Das geregelte Einkommen wäre durch die Arbeit schon mal gesichert, die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung kann man mit einer geregelten Arbeit beantragen.
 Bleibt also nur noch das Beherrschen der deutschen Sprache übrig und, dass das nicht ganz einfach ist, weiß jeder der in der Schule eine Fremdsprache gelernt hat. Deswegen fördert der deutsche Staat das Erlernen der deutschen Sprache durch Sprachkurse, die die Kommunikation und Integration von Migranten fördern. Diese Sprachkurse umfassen nicht nur den Deutschunterricht, sondern können auch zur Fortbildung dienen, wenn man schon Grundkenntnisse in Deutsch besitzt.
Durch diese Sprachkurse soll das Sprechen der Muttersprache natürlich nicht verhindert werden, sie gehört zur Kultur der Menschen, allerdings ist es von Nöten, dass man als Arbeiter in Deutschland deutsch sprechen kann da man gekündigt werden kann, wenn man die deutsche Sprache nicht beherrscht. Sprachförderung ist also unerlässlich bei der Arbeitssuche und natürlich auch in anderen Bereichen wie sozialen Kontakten oder allgemein der Integration.

Um die Frage zu klären, wie es Migranten, beim lernen der deutschen Sprache wirklich geht, führten wir ein Interview mit der 30 jährigen Iranerin Shivaa*. Shivaa lebte bis zu ihrem achten Lebensjahr im Iran und zog dann mit ihren Eltern und ihrer 4 Jahre jüngeren Schwester nach Süddeutschland.
Shivaa, deine Muttersprache ist Farsi. Denkst du auch in Ihr?
Das kommt ganz darauf an. Die meiste Zeit jedoch denke ich in deutsch. Jedoch hat es auch viel mit  dem Thema über das ich nachdenke zu tun. Wenn ich mich aufrege, oder emotional in etwas hereinsteigere, denke ich oft in Farsi.
Wie hast du denn überhaupt deutsch gelernt?
In erster Linie in der Schule. Zu beginn war es sehr schwierig für mich mit den Anderen Kindern zu spielen, da sie mich nicht verstanden und ich sie nicht. Nach und nach kam das aber dann. Außerdem hat mein Vater mir sehr geholfen, da er schon fließend deutsch sprach als wir hier her kamen. Außerdem hatte ich zu Anfang 2 mal wöchentlich private Deutschstunden, was mir sehr dabei half, die Sprache zu lernen.
Wo hast du heute noch Schwierigkeiten dich auszudrücken?
Es fällt mir teilweise immer noch schwer , die Grammatik richtig zu verwenden. Ich habe deutsch sehr stark über das sprechen gelernt und weniger über das schreiben und somit die richtige Anwendung von Pronomen.
Gab es Hindernisse in deinem Leben, die es für dich schwerer machten, dich zu Integrieren?
Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich denke auch, dass das mit der Gegend hier zu tun hat. Im drei Länder eck treffen automatisch viele Nationen aufeinander. Ich habe das Gefühl, dass man hier sehr tolerant und geduldig ist gegenüber Menschen, die vielleicht Probleme mit der Sprache haben. Wirkliche Benachteiligungen gab es also für mich nicht, wenn dann kleine Missverständnisse oder verschiedene Sichtweisen und Meinungen.
Ergab deine 2-sprachigkeit auch schon Vorteile für dein Leben?
Ich arbeite als Sozialpädagogin mit jungen Menschen zusammen. Oft steckt hinter einer Sprache auch eine bestimmte Mentalität. Mit türkischen Mädchen kann ich mich beispielsweise gut unterhalten und ihre Probleme verstehen weil sie unter Umständen ähnliche Probleme haben wie ich in ihrem Alter. Es ist also niemals nur eine Sprache die man lernt, sondern auch eine bestimmte Einstellung zu manchen Dingen die man vertritt.
Möchtest du Deine Kinder auch einmal 2-sprachig erziehen?
Auf jeden Fall! Ich denke es ist eine tolle Möglichkeit, auch andere Menschen kennen zu lernen und in der heutigen Zeit keinesfalls ein Hindernis mehr als eine Sprache fließend zu beherrschen. So spreche ich mit meinem Vater oft Farsi, wenn wir über die Politische Situation im Iran sprechen. Es ist also auch Themenabhängig und von meinen Emotionen untermalt, welche Sprache ich in bestimmten Momenten lieber benutze.
Gibt es denn auch bestimmte Wörter auf deutsch, die du besonders gerne anwendest?
Ja, die gibt es. Dazu gehören vor allem universell anwendbare Wörter wie „Interessant“ oder „schwierig“. Es gefällt mir etwas zu sagen, ohne dabei eine genaue Stellung zur Aussage des anderen nehmen zu müssen, wenn ich in diesem Moment möglicherweise auch nicht weiß, was ich zum jeweiligen Thema sagen soll.

Vielen Dank Shivaa für das aufklärende Interview!

*Name geändert


Am schwierigsten ist es scheinbar, eine Sprache, die nicht die Muttersprache ist, sowohl fehler- , als auch Akzentfrei zu beherrschen. Menschen die im öffentlichen Leben sehr präsent sind, müssen oft jeden Tag mit ihrer Sprache arbeiten. So zum Beispiel Moderatoren, Schauspieler oder Autoren. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Deutsche Rapper Benjamin „Casper“ Griffey. Geboren in Deutschland, zog er im Alter von 2 Wochen mit seiner Familie nach Amerika. Als er 11 Jahre alt war, kehrte er mit seiner Mutter zurück nach Deutschland zurück. Erst hier lernte er die Deutsche Sprache. Casper  versuchte seine Deutschkenntnisse durch aufschreiben von Texten zu verbessern. Ihm half es offenbar seine Probleme durch Texte schreiben zu verbessern und gleichzeitig die Sprache zu lernen. In dem Lied „Hin zur Sonne“ aus dem gleichnamigen Album aus dem Jahr 2008 verarbeitet er die Probleme, die er mit der deutschen Kultur, mit der Umstellung auf andere Menschen und eine andere Umgebung hatte, verarbeitet: „Mama, die Kinder verstehen mich nicht,  übersehen mich, ich
würde so gerne dabei sein, aber sie wählen mich nicht.Wenn, dann doch als letztes, ich kenne die Regeln nicht. Seh’ doch täglich, ich quäle mich. Bitte lass mich zu Papa zurück.Diese Sprache lern’ ich im Leben nicht.“ Bei diesem Zitat wird sehr klar, wie sich der Junge Benjamin fühlt. Offenbar ausgeschlossen und unverstanden. Durch die Sprachbarriere konnte er sich in der neuen Heimat nicht wohlfühlen. Er greift hier ganz bewusst das ausgeschlossen werden von Migranten in Deutschland auf, was er selbst hautnah miterleben musste.


Wie genau verarbeitet denn nun das Gehirn eine neue Sprache? Welche Vorgänge laufen ab?
Man nimmt an, dass die Entwicklung von Sprache mit der besonderen Fähigkeit des Arbeitsgedächtnisses begonnen hat. Was macht man als erstes, als zweites, als drittes? Das können Tiere aber auch kleine Kinder eher schlecht, während Erwachsene das meist gut können, zu überlegen, welche Schritte sie hintereinander setzen müssen, um etwas zu tun oder zu erreichen. Vermutlich hat sich aus dieser Fähigkeit zur Manipulation der Zeitachse Sprache entwickelt, denn beim Sprechen muss man wissen, wie man anfange, wie man Sätze in der richtigen Syntax und Grammatik formt. Auch beim Lernen einer neuen Sprache braucht man meist einige Zeit, um ein „Gefühl“ für deren Eigenheiten zu bekommen, wobei insbesondere bei schnellen Sprechern es anfangs schwer fällt, einzelne Wörter herauszuhören. Das liegt daran, dass sich das Gehirn an fremde Sprechrhythmen erst gewöhnen muss, denn in der Muttersprache wird das Gehörte ohne große Mühe und annähernd in Echtzeit verarbeitet. Die Auswertung der zahllosen Sinnesreize können in der Muttersprache nur deswegen so schnell erfolgen, da das Gehirn sie oft gehört hat    und somit auf bereits gelerntes zurück greifen kann. Unser Gehirn nutzt beim Verstehen von Gesprochenem also nicht so sehr die semantischen und grammatischen Informationen, sondern wertet Dauer, Rhythmus, Tempo und Betonung der Silben aus, um zeitliche Regelmäßigkeiten in den Lauten zu erkennen. Oft nimmt man automatisch beim anwendenden lernen einer Sprache den Satzbau automatisch auf. Umgangssprache und Sprichwörter sind dabei sehr hilfreich, denn nur so kann jemand authentisch wirken und eine Sprache gezielt verwenden. Lernen einer Sprache kann also nur durch ständiges Sprechen, üben und wiederholen gewährleistet werden. Fachvokabular kann in manchen Berufen sehr wichtig sein. Als Verkäuferin in einer Bäckerei zum Beispiel müssen gewisse Begrifflichkeiten wie Inhaltsstoffe der Lebensmittel, die genaue Benennung der Produkte und die Preise gelernt werden. Diese Voraussetzungen die für einen Menschen mit deutsch als Muttersprache nicht sonderlich schwer scheinen, können für Migranten Missverständnisse und Verwirrung hervorrufen.

 

Informationen zum Beitrag

Titel
Migration und Arbeit in Deutschland
Autor
Linda Kiefer
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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