Flüchtlinge in und aus Mexiko

Einzelbericht

Politische Flüchtlinge haben zu verschiedenen Zeiten einen erheblichen Teil der Zuwanderer in Mexiko ausgemacht. Die Regierung unter Präsident Lázaro Cárdenas (1934-1940) nahm 40.000 republikanische Exilanten auf, die vor dem spanischen Bürgerkrieg geflohen waren. Trotz ihrer geringen Zahl übten die Nachkommen dieser Zuwanderer sowie Flüchtlinge aus den Kriegen im südlichen Südamerika in den 1970er Jahren überproportionalen Einfluss auf das kulturelle und berufliche Leben aus.In den 1980er Jahren begannen Flüchtlinge aus Mittelamerika in großer Zahl über Mexiko in die USA zu ziehen. Ungefähr 80.000 Guatemalteken suchten während des Bürgerkriegs Zuflucht in Mexiko, viele von ihnen wurden in Camps des UN-Flüchtlingshilfswerks aufgefangen. Rund drei Viertel dieser Flüchtlinge kehrten nach dem Friedensabkommen 1996 nach Guatemala zurück, die Verbliebenen erhielten die Möglichkeit zur Einbürgerung in Mexiko.

Flüchtlinge aus Mexiko: Eines der ungewöhnlichsten Merkmale der mexikanischen Migration ist die Konzentration von 98 % der Auswanderer an einem Zielort – den USA. Kontakt zum nördlichen Nachbarn besteht in sehr hohem Ausmaß: Ein Viertel der mexikanischen Erwachsenen hat die USA besucht oder dort gelebt, 60 % haben Verwandte in den USA. Rund 11 Mio. Mexikaner – etwa 11 % der mexikanischen Bevölkerung – lebten 2005 in den USA. Jedes Jahr werden es schätzungsweise 400.000 mehr.Mexikaner stellen die bei weitem größte nationale Gruppe unter den Zuwanderern in den USA. In Mexiko Geborene machten 2002- 30 % der im Ausland geborenen US-Bevölkerung aus, und sie stellten 21 % der regulär und geschätzte 57% der irregulär Zugewanderten. Mittlerweile leben einschließlich der in den USA geborenen Nachfahren mexikanischer Zuwanderer insgesamt 25 Mio. Menschen mexikanischer Abstammung in den USA – das entspricht 8,7 % der US-Bevölkerung.

Die mexikanische Polizei hat im Süden des Landes nahe der Grenze zu Guatemala in zwei Sattelschleppern mehr als 500 Flüchtlinge entdeckt, die in die Vereinigten Staaten gebracht werden sollten. Die Polizei im Bundesstaat Chiapas erklärte, die Menschen seien stundenlang unterwegs gewesen. Sie mussten den Angaben zufolge in den Aufliegern stehen und sich an Seilen festhalten. Einige Flüchtlinge litten an Austrocknung. Unter den Wanderarbeitern waren auch 32 Frauen und vier Minderjährige.
Die Auflieger hatten Löcher in der Decke. Allerdings sagten einige Flüchtlinge der Staatsanwaltschaft, sie hätten nicht ausreichend Luft bekommen. Die Sattelschlepper waren auf dem Weg von der guatemaltekischen Grenze in die Stadt Puebla, wo sie nach Angaben der Flüchtlinge in andere Fahrzeuge umsteigen und dann in die USA gebracht werden sollten.In Chiapas beginnt in der Regel die extrem gefährliche und teure Reise der Migranten durch Mexiko in die USA. Für viele endet sie tödlich, weil Verbrecherbanden den Migranten auflauern und selbst Mitarbeiter der mexikanischen Migrationsbehörde die ohne Dokumente Reisenden an das Drogenkartell „Los Zentas“ ausliefern. Im vergangenen Jahr waren im Norden Mexikos auf einer Farm 72 Migranten getötet worden. Dort wurden jetzt noch einmal 183 verscharrte Leichen gefunden.

An der Südwestgrenze der USA sind in 2007 mindestens 371 Flüchtlinge aus Mexiko und anderen lateinamerikanischen Staaten ums Leben gekommen. Diese Zahl nannte ein Sprecher der Grenzpolizei, Lloyd Easterling. Allein in der Wüste von Arizona wurden 181 Leichen geborgen, 33 mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.

Die meisten Flüchtlinge erlagen beim illegalen Grenzübergang der großen Hitze in Arizona, wie der Gerichtsmediziner Bruce Parks mitteilte. Um die Bergung der Leichen kümmern sich freiwillige Helfer der Organisation Humane Borders (Menschliche Grenzen). Die Mitglieder stellen auch Wasserbehälter in der Wüste auf, um den Flüchtlingen zu helfen.

Pfarrer Robin Hoover, der die Organisation gegründet hat, machte die verstärkte Grenzsicherung für die höhere Zahl von Toten verantwortlich. Dadurch würden die Flüchtlinge gezwungen, immer gefährlichere Wege in Kauf zu nehmen.
 

Flüctlinge in und aus Mexiko

Informationen zum Beitrag

Titel
Flüchtlinge in und aus Mexiko
Autor
Manuela Honold
Schule
BBS 1 Aurich, Aurich
Klasse
Kollegkurs von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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