Wind of change or change the wind

Von Nina Scheiermann
Das 30. Lebensjahr. Man ist noch nicht alt und nicht mehr ganz jung. Es lohnt ein Rückblick auf die erste Phase des Lebens, der Erfolge und der Niederlagen, der Glückseligkeit und schlafloser Nächte…

Slava N. ist 30 Jahre alt. Er ist in einem kleinen Dorf in der Ukraine geboren. Heute lebt er in Hamburg und ist als Projektleiter bei Siemens Wind Power tätig. Er steuert den Bau zweier Windparks in Norddeutschland und erwartet weitere Aufträge in Marokko, Spanien, Rumänien und weiteren Ländern. Slava nimmt einen Schluck von dem eiskalten zehn Jahre alten Glenmorangie, bevor er seine Geschichte erzählt. Ein leichter Geruch von Mandarine und ein Hauch von Vanille wandern aus seinem Whiskeyglas durch die Luft.

Als er vor 14 Jahren die Schule beendet hat, verlässt er das kleine, malerische Dorf seiner Geburt und geht nach Charkiw (nach Kiew die zweitgrößte Stadt in Ukraine).
Seine Karriere beginnt 1997 mit einem Englischstudium an der Nationalen Universität Charkiw. Um sein Studium finanzieren zu können, muss er nebenbei viel arbeiten. Die Jobs sind sehr unterschiedlich. Von Gartenarbeiten bis hin zu Englischunterricht an einem Gymnasium. Manchmal ist er gezwungen in der Nacht zu arbeiten und tagdarauf die Vorlesungen zu besuchen. Trotzdem: Er spürt den wind of change.

Nach Beendigung des Studiums im Jahre 2002 trägt er nun die Bezeichnung Dolmetscher und Englischlehrer. Er realisiert schnell, dass gute Englischkenntnisse allein für eine erfolgreiche berufliche Karriere nicht ausreichend sind. So beschließt er Internationales Management per Fernstudium zu studieren. Die Inhalte des Studiums sind sehr komplex, doch er hört auf seine innere Stimme, die sagt, dass es zum Erreichen der Ziele notwendig sei.
Er nimmt den letzten Schluck von dem Whiskey, steht auf und erzählt weiter, während er langsam im Zimmer auf- und abläuft.
 
2004 lernt Slava den Direktor einer pharmazeutischen Firma in Charkiw kennen, bei dem er arbeiten darf. Kurze Zeit später wird er zu einem Direktor in einem seiner Unternehmen befördert.
Durch die gesammelte Arbeitserfahrung und einen guten Kontakt zu den Arbeitskollegen bekommt er die Möglichkeit im Ausland zu arbeiten. Das europäische Leben prägt ihn so sehr, dass er beschließt die Welt zu sehen und neue Erfahrungen im Ausland zu sammeln.
Eine Möglichkeit zum Studium des Master of Business Administration ergibt sich in Hamburg an der TUHH. Da er alle Zulassungsvoraussetzungen erfüllt, beginnt er mit dem Studium. Nach den ersten Prüfungsergebnissen erhält er ein Stipendium, womit er sein Studium finanzieren kann.
 
Ab 2007 beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Slava.  Er knüpft viele Kontakte, sammelt neue Eindrücke und integriert sich erfolgreich in die Gesellschaft. Das Studium erfordert ein intensives Lernen und so verfliegt ein ganzes Jahr. Ein Jahr, in dem er es geschafft hat durch seine Zielstrebigkeit und den Fleiß einen guten Ruf bei den Professoren und den Studenten zu erlangen.
Nach dem Abschluss des Studiums zum MBA nimmt er eine Arbeitsstelle bei der Gesellschaft Siemens Wind Power in Dänemark an. Einige Jahre bleibt er in Dänemark und ist begeistert von dieser Branche der Windenergie. Die Geschäfte der SWP entwickeln sich gut und aufgrund ihrer Marktmacht und der steigenden Nachfrage kann sie den Folgen einer Wirtschaftskrise 2008-2009 entkommen. Er hilft mit, aus Wind Strom zu erzeugen: Change the wind ist jetzt seine Aufgabe…

Die Arbeit in Dänemark bereitet Slava viel Freude und er kann weitere wertvolle Erfahrungen sammeln. Außerdem erweitert sich sein ohne hin schon großer Horizont an Kontakten immer weiter.
Doch wie sehr ihm seine Arbeit in Dänemark auch gefällt, muss er immer wieder an die faszinierend schöne Stadt Hamburg denken, die ihm eine Chance gab, ein neues Leben anzufangen. „ Das war Liebe auf den ersten Blick“ sagt er und lächelt dabei.
 Er besucht fast jedes Wochenende seine wunderbare Frau, die er im Oktober 2009 heiratete. Im Mai 2011 hat sich die Gelegenheit ergeben, für immer nach Hamburg zu ziehen und dabei seinen Job bei Siemens zu behalten.

Slava beherrscht die deutsche Sprache sehr gut und fühlt sich vollständig in Deutschland integriert. Er spricht 4 Sprachen: Russisch, Ukrainisch, Englisch und Deutsch.

„Das Lebensprinzip, das mich während meiner langen Strecke begleitet hat, ist einfach: In einer schwierigen Situation sollst du nicht verzweifeln, sondern immer nach vorne schauen. Und wenn du ins Wasser fällst, dann denke immer daran, dass es nicht wichtig ist, ob du ein guter oder ein schlechter Schwimmer bist. Es ist wichtig, dass du vorwärts zu den entfernten, jedoch sich annähernden Ufern schwimmst.“

Zum Abschluss unseres Gesprächs sagt er: „Das 30. Lebensjahr. Ob ich bisher viel oder wenig mit meinem Leben getan habe, kannst du selber beurteilen. Ich bin damit zufrieden.“
 

Wind of change or change the wind

Informationen zum Beitrag

Titel
Wind of change or change the wind
Autor
Nina Scheiermann
Schule
Staatliche Schule Gesundheitspflege W1, Hamburg
Klasse
FOS 11-1 von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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