Migration funktioniert doch!

Migration funktioniert doch!

Es ist spät am Vormittag. Ich sitze hier in einem Europäisch eingerichteten Wohnzimmer auf der Couch. Die Wohnung ist schlicht, dennoch modern gehalten. An der Wand ein großes Wandbild von Istanbul. Dilek Ö. [40 Jahre alt geschieden und hat zwei Kindern] sitzt mir gerade gegenüber und schaut mich an.

D. Özer lebt seit 1975 in Deutschland (Nordrhein-Westfalen). Sie war  erst fünf Jahre alt, als Ihre Eltern wegen dem guten Verdienst nach Deutschland gekommen sind, erzählt sie. Leider war sie oft allein zu Hause, während Ihre Eltern arbeiteten und ihre Brüder zur Schule gingen. „Ich ging nicht in den Kindergarten, da meine Eltern nicht wussten das es so etwas gab.“, sagt sie. ZU Hause hatte sie sich zwar gefürchtet, so fremd in einem anderen Land, doch es hat ihr mit der Zeit nichts mehr ausgemacht. „Naja und so fremd war es ja auch nicht, da es doch mein neues Zuhause war.“

D. Özer kam mit sechs Jahren zum ersten Mal in die Schule. „Ich kannte da keinen, alles war neu für mich und fremd.“ Es fiel ihr zwar nicht schwer Freundschaft zu schließen, doch es gab schon leichte Probleme mit der Kommunikation,“ erinnert sie sich. Was ihr damals in der deutschen Sprache geholfen hatte war, dass es im Schulunterricht Türkisch-Deutsch gab. „Das hat mir sehr geholfen in die deutsche Sprache rein zu kommen.“
Später hatte sie dann den Hauptschulanschluss Trotz Realschulempfehlung hat sie dann nur den machen können, da die Schule zu weit von zu Hause lag und die Eltern das nicht wollten. „Dennoch waren wir alle gleichberechtigt, meine Familie hat mich nie eingeschränkt und mich alles selbst machen lassen. Ich find das gut, es hat mir geholfen Selbständig zu werden und eigene Entscheidungen zu treffen.“  

Nachdem D. Özer die Schule beendet hatte, ging sie auf eine Berufsschule, weil sie damals nicht wusste, was sie werden wollte. Schon mit 18 Jahren hat sie angefangen zu arbeiten und mit dem Geld ihren Führerschein gemacht und ihr eigenes Auto finanziert. „Ich war schon früher eine selbständige heranwachsende Frau, Ich habe zwar meine Ausbildung nicht zu Ende gemacht, dennoch habe ich einen festen und gut bezahlten Arbeitsplatz an dem mir das Arbeiten richtig Spaß macht.“ Stolz fügte sie noch hinzu: „Man kann sehen, dass es meiner Familie und mir an nichts fehlt. Denn als Alleinerziehende gebe ich mein bestes für meine kleine Familie.“

Frau Özer findet es sehr wichtig die deutsche Sprache zu beherrschen, denn in anderen Ländern muss man das doch auch um sich verständigen zu können, oder etwa nicht? Man verpasst so vieles wenn man sich nicht verständigen kann. Ich sage nicht, dass man seine Mutter Sprache gar nicht mehr  sprechen sollte, doch die neue Sprache muss man lernen.“
Auch die Kinder sollten dies versuchen, denn große Unterschiede zwischen der deutschen und türkischen Kultur gibt es wenig.

„Ich fühle mich in Deutschland aufgenommen und wohl. Ich bin schließlich hier groß geworden und hab mein ganzes Leben hier verbracht, bis heute.“, sagte sie. D. Özer hat viele Freunde und kann gut Kontakte knüpfen, da Sie auf  Menschen offen und ohne Vorurteile zugeht. D. Özer sieht Deutschland  als Ihre Heimat an, denn hier ist sie aufgewachsen und hier hat sie ihre Freunde und Familie. „ Die Türkei ist zwar mein Geburtsort, doch ich habe da kaum Erinnerungen.  Wenn ich mal meine Eltern besuche fühle ich mich nicht wie Zuhause, sondern eher wie im Urlaub.“

D. Özer hat kein Problem ihre Religion den Islam aus zu leben. Keiner hindert sie dabei. „Es hat sich bis heute keiner daran gestört und alle in meiner Umgebung akzeptiert es, Jeder soll daran glauben können, was er für richtig hält.“ Das gilt auch für das Kopftuch tragen. Bei diesem Thema wird Dilek Ö. leicht wütend, denn viele Menschen sehen dann nicht den Menschen, sondern nur die Kopfbedeckung. „Ich finde, man soll die Menschen doch machen lassen. Es passiert oft aus eigener Interesse und nicht auf zwang von den Eltern, wenn ein Mädchen plötzlich Kopftuch trägt. Der Mensch ist doch nicht anders als andere Menschen nicht schlechter oder dümmer, nur weil diese/r eine Kopfbedeckung trägt.“, sagte sie.

Und wenn man sich das mal genau ansieht: nicht nur im Ausland gibt es Frauen Benachteiligung sondern, auch hier in Deutschland. [Darum versteht Fr. Özer nicht, warum alle so einen Wirbel darum machen, wenn es das Thema schon vor der Zeit der Migranten gab.]

Auch zum Thema Sachazin und seine Lektüre [Das Türkische, sowie Arabische Mitmenschen dümmer seien als alle anderen Unter uns.], findet sie zu übertrieben. Wie kann so ein Mann der die Menschen nicht mal richtig kennt, so etwas behaupten. „Doch trotz der „Spannenden“ Lektüre, hat sich für mich im Umfeld nichts geändert. Alle Menschen denen ich begegne, Respektieren mich und das schätze ich auch, an meinem Umfeld.“
Was man auch nicht verachten sollte, nachdem das Buch rauskam, hat D. Özer das Gefühl. Sind die Anschläge der Neonazis intensiver und viel häufiger aufgetreten. „Ich habe zwar keine Angst, dennoch finde ich es unglaublich, warum Menschen so schreckliche Sachen tun können. Ohne die Person überhaupt gekannt zu haben.“  Man will doch nur ein:

„Mit allen Menschen auf dem Erdball. Ob schwarz oder weiß, Türke oder Deutscher in Frieden zusammen leben!“


„Die Reportage führte Alexandra Schult, Schülerin der Fachoberschulklasse 11/1 der Staatlichen Schule Gesundheitspflege Hamburg“

Geführt am Donnerstag den 24.11.2011 es war ca. 14 Uhr.



Quelle: Mündliche Quellenangaben von Dilek Özer, www.islam-guid.com/de (Wie ist die Stellung der Frau im Islam?)
 

Migration funktioniert doch!

Informationen zum Beitrag

Titel
Migration funktioniert doch!
Autor
Alexandra Schult
Schule
Staatliche Schule Gesundheitspflege W1, Hamburg
Klasse
FOS 11-1 von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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