Arbeitsmigration

In Deutschland wird viel über Integration gesprochen und diskutiert. Dazu gibt es auch Grund genug, denn laut dem Statistischem Bundesamt haben von den rund 82 Millionen1) Einwohnern in Deutschland mehr als 16 Millionen (2009)2) einen Migrationshintergrund. Da also fast jeder 5. in Deutschland lebende ein Migrant ist, ist Integration ein Thema, das alle Bundesbürger betrifft. Wir treffen auf unterschiedlichste Kulturen, Religionen, Moralvorstellungen und Sprachen. Zieht ins Nachbarhaus ein pakistanisch sprechender Mann mit seiner komplett schwarz verhüllten Frau und 8 Kindern ein, so könnte man im ersten Moment denken, dass man mit diesen Migranten nicht mehr gemein hat, als dass beide auf deutschem Boden leben. Und nicht nur in der Nachbarschaft treffen wir auf Personen, die nach Deutschland zugezogen sind. Die kulturelle Vielfalt begegnet uns in Deutschland vom Kindergarten bis in die Politik.
Da Integration eine sehr breitgefächerte Thematik ist, haben wir, der Sozialkunde Leistungskurs der MSS11 des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, uns auf die Arbeitsmigration spezialisiert.
Speziell von Arbeitsmigration ist dann die Rede, wenn man sein Herkunftsland verlässt, um in einem anderen Land zu leben.

Deutschland hat erstmals in den 50er Jahren Gastarbeiter angeworben, doch lange Zeit hielt man es nicht für nötig, die Ausländer zu integrieren, man glaubte sie seien nur vorübergehend da. Es kam anders und es bedurfte vieler Gesetze, bis die Lage für die Zugewanderten verbessert werden konnte und Deutschland sich ihrer Bedeutung bewusst wurde.
Heute braucht man die Migranten, Innovation aus dem Ausland, vor allem qualifizierte Facharbeiter, denn in vielen Branchen herrscht großer Mangel an Fachpersonal. Die Graphik aus der FAZ3) zeigt, dass der Personalbedarf in diesem Jahr so hoch ist wie noch nie.
Auch in unserem Landkreis Bad Dürkheim (132.757 Einwohner; Stand: 31.12.2010) leben rund 8000 Menschen mit Migrationshintergrund (Stand: 12/2011). Durch Kontakte einiger Kursmitglieder zu Migranten hatten wir die Möglichkeit, mit diesen in Verbindung zu treten.

Graphik 1:   


(von Johanna Bruns, Christoph Gaiser, Maike Kaul)


1) / 2) www.destatis.de
3) „Personalbedarf knackt Rekordmarke“ Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.08.11, Sven Astheimer


Auswertung der Fragebögen



Mithilfe der Fragebögen konnten wir Erkenntnisse im Bezug auf die Lebensumstände der Migranten in unserer Umgebung erlangen.
Diese beinhalten Einblicke in beispielsweise Bildung, Gründe für Einwanderung und Stellungsnahme hinsichtlich der Arbeitsverhältnisse. Uns überraschte es zu erfahren, dass sich immer noch einige Migranten an ihrem Arbeitsplatz unwohl fühlen.
An unserer Umfrage nahmen insgesamt 20 Personen teil, zehn Personen mit Migrationshintergrund, sowie zehn ihrer deutschen Arbeitskollegen. Durch die Umfragen hatten wir einen Einstieg in die Auseinandersetzung über Migration und kulturelle Vielfalt.


Graphik 2:

Graphik 3:  Seit wie vielen Generationen leben Sie hier in Deutschland?

Graphik 4: Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Graphik 5:

Auf die Frage, was Deutschland besser machen könnte, antwortete die Mehrheit der Migranten, Sprachkurse sollten regelmäßiger und differenzierter angeboten werden. Außerdem wurde mehr Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen gefordert. Ein weiterer Vorschlag war, die deutsche Bevölkerung mehr über andere Länder zu informieren, angefangen in der Schule, um eine größere Auseinandersetzung und Akzeptanz zu erreichen.

(von Caroline Kalbfuß, Johanna Bruns, Lisa Uhlemann, Julia Sartisson)
3 Beispiele für gelungene Integration

In Zusammenhang mit den Fragebögen sind wir auf Migranten getroffen, die sich erfolgreich integriert haben. Da sie bereit waren, uns mehr über ihre Zuwanderung zu berichten, besuchten wir ein Krankenhaus, eine Elektrofirma und einen Kindergarten. 
Diese drei Einrichtungen stellen Beispiele in unterschiedlichen Arbeitsbereichen da, mit denen wir zeigen wollen, dass Integration in verschiedenen Arbeitsfeldern gelingen kann.

Beispiel 1: Die Elektrofirma

Kaum in der Firma angekommen, hören wir lautes Gelächter aus dem Pausenraum. Beim Mittagessen und bester Laune treffen wir auf vier Arbeiter. Erst bei genauerem Hinsehen können wir unseren Interviewpartner Herrn K. aus der Gruppe ausmachen. Er erzählt uns seine persönliche Geschichte:

Herr K. fühlte sich in seinem Heimatland, dem Südkaukasus, politisch bedroht und war sehr unzufrieden mit der Regierung. Nachdem sich die Situation nicht verbesserte, entschloss er sich, mit seiner Familie nach Deutschland auszuwandern, um dort ein besseres Leben zu beginnen. Er bewarb sich bei der besagten Firma, die zu diesem Zeitpunkt zwar nicht konkret nach Arbeitern suchte, aber dennoch Arbeit zu vergeben hatte. Obwohl Herr K. in seinem Heimatland studiert hatte, konnte er keinerlei Zeugnisse oder Zertifikate vorweisen. Trotzdem entschloss sich die Firma, ihm eine Chance zu geben, und stellte ihn als Hilfsarbeiter ein. Nach einigen Schulungen stellte sich heraus, dass Herr K. bestens qualifiziert und motiviert bei der Arbeit war und außerdem von den Leitern der Schulungen in höchsten Tönen gelobt wurde. Somit hatte er seine Qualifikation unter Beweis gestellt und wurde befördert. 
An seinem Arbeitsplatz fühlt sich Herr K. von seinen Kollegen voll und ganz akzeptiert und es herrscht ein sehr angenehmes Arbeitsklima. 

Uns interessiert noch, wann Herr K. sich das erste Mal „deutsch“ gefühlt habe. Mit einem Lächeln erklärt er uns, dass er nur Glück, Gesundheit und seine Familie brauche, damit es ihm gut gehe. 
Nicht die Akzeptanz als Pole, Deutscher, Italiener oder Chinese, sollte eine Rolle spielen, sondern die Akzeptanz als Mensch. Der Mensch als Individuum und seine Fähigkeiten sollten im Mittelpunkt stehen. 
Dass das Nationalgefühl für diesen Arbeiter absolut keine Bedeutung hat, hat uns sehr überrascht, wir fanden es aber auch gleichzeitig bewundernswert.
(von Laura Georgens, Hannah Bender)

Beispiel 2: Der Kindergarten

,,HALLO!“ – Lachende Kinder laufen mir beim Betreten der Kindertagesstätte über den Weg und schon werde ich an meine eigene Kindergartenzeit erinnert, die ich in derselben Einrichtung verbracht habe. Auch ich war eines der Kinder mit Migrationshintergrund, die eine hervorragende Aufnahme in die Schwerpunktskita für Sprache und Integration erleben durfte, in der sogar eine bestimmte Zahl an ausländischen Kindern vorgeschrieben ist. Momentan umfasst diese um die 16 Sprösslinge aus den verschiedensten Ländern der Welt. In meiner Befragung mit der Kindergartenleiterin habe ich viel über die Möglichkeiten des Konzepts erfahren: Im Haus befindet sich eine Teilzeitkraft, welche eine Sprachförderung für Kinder ab zwei Jahren, besonders mit Migrationshintergrund, anbietet. Hinzugezogen wird eine externe Sprachförderung für Kinder, die sich im letzten Kindergartenjahr befinden, um einen reibunglosen Start in die Schule zu erzielen. Die besondere Fähigkeit aller Erziehungskräfte liegt in der Förderung der sozialen Integration der Kinder. Außerdem wird auch den Eltern geholfen, indem bei vorhandenen Sprachproblemen praktische Hilfe angeboten wird, möglicherweise durch eine Dolmetschervermittlung. Hilfreich ist auch eine private Kontaktvermittlung, bei der Familien in ähnlicher Situation sich mit anderen Betroffenen austauschen und Tipps geben können. Zudem kann auf freiwilliger Basis eine Art Hausbesuch stattfinden, bei der ein Bild über Familien- und Wohnlage gemacht wird.
Nichtsdestotrotz wünscht sich die Kindergartenleiterin Frau W. einen besseren Personalverband und außerdem eine größere Teilnahmebereitschaft der Migranten, da oft ein unregelmäßiger Besuch der Kinder Probleme bereitet.
(von Julia Sartisson, Johanna Bruns)

Beispiel 3: Das Krankenhaus
Dieses Krankenhaus wird von der evangelischen Kirche getragen. Das bedeutet, um dort zu arbeiten, muss man christlich sein. Es bedeutet aber nicht, dass dort keine Migranten angestellt sind. Ein Beispiel dafür findet sich in der gynäkologischen Abteilung. Dort arbeiten unter einer deutschen Chefärztin eine griechischstämmige Oberärztin, deren Eltern nach Deutschland übergesiedelt sind und eine russische Fachärztin, welche in Deutschland geboren wurde, ihre Kindheit, Jugend und Ausbildung bei ihrer Familie in Russland machte und seit ein paar Jahren mit ihren Kindern und ihrem Mann wieder in Deutschland lebt. Der Ärztemangel führte dazu, dass die beiden Frauen gerne eingestellt wurden, vor allem da beide hochqualifiziert sind und ihre Arbeit mindestens genauso gut machen wie deutschstämmige Kolleginnen und Kollegen.
 

Der Fachkräftemangel in hochqualifizierten Berufen in Deutschland hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass vermehrt ausländisches Fachpersonal angeworben und eingestellt wurde. So besteht auch die Möglichkeit sich auszutauschen und wir in Deutschland können von den im Herkunftsland gemachten Erfahrungen der Zugewanderten profitieren.

Arbeitsmigration

Die beiden Ärztinnen der gynäkologischen Abteilung fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz akzeptiert und respektiert. Wie dieses Beispiel lassen sich auch viele andere in Deutschland finden, die zeigen, dass man es in Deutschland als Migrant sehr weit bringen kann.

(von Annika Hübner, Johanna Bruns)

Arbeitsmigration

Informationen zum Beitrag

Titel
Arbeitsmigration
Autor
16 Schüler (Caroline Kalbfuß, Hannah Bender, Julia Sartisson, Lisa Uhlemann, Annika Hübner, Johanna Bruns, Laura Georgens, Julia Jüllich, Sara Kozak, Maike Kaul, Christian Thoma, Johannes Cox, Leo Staudacher, Christoph Gaiser, Sebastian Volkmer, Florian F
Schule
Werner-Heisenberg-Gymnasium, Bad Dürkheim
Klasse
11Sk1 von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180