Von der Kirche zu Allah

Von der Kirche zu Allah

Ich spreche mit Andreas Martin Cwolek, er ist 21 Jahre alt, ist in Hamburg geboren und seine Eltern kommen beide als Flüchtlinge aus Polen nach Hamburg. Er ist vor fünf Jahren zum Islam konvertiert, spricht sowohl fließend deutsch als auch polnisch und lernt arabisch.


Frage: Welche Sprache wird bei Ihnen zu Hause gesprochen?

Hr. Cwolek:     Bei uns zu Hause wird fast nur polnisch gesprochen, da meine Mutter Probleme mit der deutschen Sprache hat.

Frage: Haben sie Geschwister?

Hr. Cwolek:    Ja, eine jüngere Schwester. Sie ist 15 Jahre alt.

Frage: Sprechen sie mit Ihr polnisch?

Hr. Cwolek:     Nicht so viel, mehr deutsch da sie die polnische Sprache nicht so sehr beherrscht wie ich.

Frage: Als was haben sie sich vor Ihrer Konvertierung gesehen? Als Deutscher oder Pole?

Hr. Cwolek:    Ich war früher ein ,,sehr stolzer“ Pole. Ich trug immer Jacken mit einem Polska - Aufdruck auf dem Rücken. Im Zimmer hatte ich eine große Flagge hängen mit dem polnischen Adler.

Frage: Wie standen sie zu dieser Zeit zu dem Islam?

Hr. Cwolek:    Ich mochte den Islam nicht, da die meisten polnischen Jugendlichen Islam feindlich erzogen werden.

Frage: Haben sie die Leute aus dem Nahen Osten gehasst?

Hr. Cwolek:    Nein, nur den Glauben. Durch die Erziehung meiner Eltern und den Medien hatte ich eine sehr negative Einstellung, was die Leute aus dem Nahen Osten angeht. Ich wurde streng katholisch erzogen. Ich war Messdiener – Ausbilder in der Kirche zur Firmung und hatte jeden Dienstag Religionsunterricht in der Kirche.

Frage: Wie sind sie zum Islam gekommen?

Hr. Cwolek:    Durch meinen besten Freund. Er ist auch Konvertit* und länger Muslim als ich. Er brachte mich zum Nachdenken. Darauf stellte ich meinem Diakon** in der Kirche Fragen, welche er nicht beantworten konnte. Da ich als Christ sehr Bibel gebunden war und mich an das alte und neue Testament gehalten habe und nicht an die Lehren der Kirche.

Frage: Was hatten sie denn Ihren Diakon gefragt?

Hr. Cwolek:    Ich habe ihm Fragen gestellt, wie z.B., ,,warum essen wir Schwein, wenn es in der Bibel verboten ist?“, oder ,,warum beten wir im Stehen oder Knien und nicht mit dem Gesicht zum Boden gewandt, denn in der Bibel warfen sich Propheten auch mit dem Gesicht zu Boden!“, und ,,warum sind unsere Frauen nicht verschleiert, wenn es im ersten Korinther - Brief steht das sie es tun sollen. Nur die Nonnen tun es!“.

Frage: Und ihr Diakon hatte es nicht beantworten können?

Hr. Cwolek:    Nein.

Frage: Und das stimmte sie dann um?

Hr. Cwolek:    Ja, denn der Islam konnte mir Fragen wie diese beantworten.

Frage: Wie reagierten ihre Eltern darauf?

Hr. Cwolek:    Am Anfang wussten sie es gar nicht, doch irgendwann fanden sie meinen Gebetsteppich den ich auch nie wieder sah. Ich wurde von meinen Eltern ins Wohnzimmer gebeten. Mein Vater war in Rage und beschimpfte mich als einen Verräter. Er sagte ich wäre nicht mehr sein Sohn und meine Mutter weinte. Er sagte das ich schon lieber Buddhist oder Jude werden sollte, aber doch kein Muslim. Er diskutierte wochenlang mit mir und brachte ständig verachtende Sprüche und das vier Jahre lang.

Frage: Was für Sprüche hat ihr Vater denn gesagt?

Hr. Cwolek:    Immer wenn ich z.B. gebetet habe sagte er ,,na, haust du wieder mit deiner Birne gegen den Boden?“ oder ,,du kleiner bärtiger Terrorist“. Manchmal mischte er mir auch Schweinehack ins Essen. Aber das alle brachte nichts. Ich bewahrte Geduld, denn die Eltern haben im Islam einen sehr hohen Stellenwert – vor allem die Mutter – und das war nicht immer einfach.

Frage: Wie reagierten denn die Leute in der Öffentlichkeit, wenn sie sie mit der islamischen Mütze und dem Gewand sehen wenn sie auf dem Weg zur Moschee sind?

Hr. Cwolek:     Unterschiedlich. Manche sind freundlich, aber manche hingegen schauen einen auch sehr verächtlich an, bishin dazu, dass Leute in Bus und Bahn immer einen Platz frei lassen als ob ich die Pest hätte.

Frage: Was gab ihnen Halt gegen die Einstellung der Leute in der Öffentlichkeit?

Hr. Cwolek:    Vor allem der Zusammenhalt und die Warmherzigkeit unter den Muslimen. Wenn ich Probleme hatte, waren immer welche da, die Einen aufgefangen haben. In der Kirche kannte ich so eine Brüderlichkeit nicht. Die Atmosphäre in der Moschee, man vergisst alle Probleme und Sorgen für eine Zeit durch das tiefsinnige Gebet. Diese Faktoren haben mir sehr viel Kraft und Halt gegeben.

Frage: Was haben sie in Ihrem Leben erreicht das sie stolz macht?

Hr. Cwolek:    Ich habe einen Realschulabschluss gemacht, eine Ausbildung zum examinierten             Altenpfleger der staatlich anerkannt ist und mache jetzt mein Fachabitur an der FOS für Pflege und Gesundheit, danach möchte ich studieren. Ich bin stolz darauf Muslim zu sein, denn wie kann der Glaube schlecht sein, wenn ich einer geworden bin, von denen ich dachte das sie schlecht sind und die ich nicht mochte. Ich kann nur jedem ans Herz legen an seine Ziele zu glauben und Geduld zu haben und man wird dafür belohnt.

* Konvertit = Menschen, die vom christlichen Glauben zum Islam gewechselt sind.
** Diakon = Menschen, die der Kirche helfen, in Gottesdiensten mitwirken und Religionsunterricht geben.


Quellen:     - Andreas Martin Cwolek
        - http://www.orientdienst.de/muslime/konvertiten.shtml
        - http://berufe-der-kirche.bistumlimburg.de/index.php?_1=115548&_0=14&sid=38ee5dc27baca14b3ea2fa4e98834e45


http://berufe-der-kirche.bistumlimburg.de/index.php?_1=115548&_0=14&sid=38ee5dc27baca14b3ea2fa4e98834e45
 

Von der Kirche zu Allah

Informationen zum Beitrag

Titel
Von der Kirche zu Allah
Autor
keine Angabe
Schule
Staatliche Schule Gesundheitspflege W1, Hamburg
Klasse
FOS 11-1 von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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