Trikottausch am grünen Tisch

Kickern ist ein beliebtes Freizeitspiel. Es kann zu zweit oder zu viert gespielt werden, doch bevor es losgeht, muss eine Frage beantwortet werden: Welcher Spieler wählt welches Team? Dabei fällt die Entscheidung zwischen den Farben Blau und Rot.

Das war den Designern Stefan Schabenberger, Susanne Märcz und Markus Schmidt nicht abwechslungsreich genug, sodass sie zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland erstmals Nationaltrikots für Kickerfiguren entwickelten. Diese Idee war der Startschuss für das Unternehmen Kicker-Trikot GbR, das seinen Sitz in Hamburg hat. „Das Besondere an den kleinen Stofftrikots ist die Möglichkeit, die Figuren an- und ausziehen zu können, ohne sie dabei von ihrer Halterung entfernen zu müssen. Das funktioniert mittels eines Klettverschlusses an den Ärmeln“, erklärt Schabenberger, dessen Wohnung als Firmensitz dient. Für diese Technik, bei der die Trikots über die Füße angezogen werden, hat Kicker-Trikot einen Gebrauchsmusterschutz. „Da nicht alle Kickerfiguren dieselbe Form haben, besteht der Stoff der Leibchen aus 10 Prozent Elasthan, das leicht dehnbar ist. So passen die Shirts auf alle gängigen Figuren“, sagt der Designer, der nun alleiniger Gesellschafter und eigener Mitarbeiter ist.

In den Anfängen seien die Trikots noch in mühevoller Handarbeit mit einer Nähmaschine hergestellt worden. Nun werden sie in China produziert. Das Unternehmen, das mit 60 Arbeitern relativ klein ist, fertigt normalerweise Karnevalskostüme. Zum dortigen Firmenchef bestehe ein persönlicher Kontakt, und Stefan Schabenberger habe sich während einer siebentägigen Asienreise sowohl einen Eindruck von der Fertigung als auch vom Produktionsbüro in China verschaffen können. Die Gestaltung der Trikotdesigns, das Entwerfen von Schnittmustern oder mögliche Weiterentwicklungen finden in Hamburg statt.

„Die Unternehmensphilosophie von Kicker-Trikot steht für langsames, aber nachhaltiges Wachstum“, erklärt Schabenberger. So werden keine Kredite aufgenommen oder anderweitige Risiken eingegangen. Werbung werde nur bei genügend Zeit und Geld geschaltet. Allerdings sei das Unternehmen auf Spielwarenmessen vertreten. Einmal jährlich werde beispielsweise die Nürnberger Spielwarenmesse besucht. Nur ein Firmenschild am Briefkasten der Wohnung des Designers deutet auf das Unternehmen hin. Schabenberger, der als freiberuflicher Art-Director arbeitet, beschreibt es selbst als Feierabendfirma. Doch insgeheim hofft er, dass eine Größe erreicht wird, die es erlaubt, davon zu leben.

Die Chancen stehen nicht schlecht, denn nirgendwo gibt es ein weiteres Unternehmen, das mit einem derartigen Produkt konkurriert. „Alle Trikots, die man zurzeit im Internet oder Einzelhandel findet, stammen von uns – weltweit.“ Da kein Ladengeschäft vorhanden ist, könne er sich auf die Bearbeitung von Anfragen, Aufträgen, Bestellungen und Gestaltungen konzentrieren. Die Aufträge werden über das Internet entgegengenommen. Vier Großhändler und drei Einzelhändler werden beliefert.

Laut Schabenberger gibt es zwei Arten von Kunden: „Die einen sind die fußballverrückten Männer, die einen Kicker haben oder einen Freund mit Kicker kennen, und die zweite Gruppe sind Frauen, die die Trikots ihren Männern zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken. Frauen finden die Trikots meist niedlich und assoziieren diese gerne mit Puppenkleidern.“ Die Trikots verkaufe das Unternehmen zum größten Teil in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Fortschritte, das Unternehmen voranzubringen, sind schon zu erkennen. Nicht mehr nur Nationaltrikots, sondern auch die von Bundesligavereinen, für die Kicker-Trikot eine Lizenzgebühr bezahlen muss, können gekauft werden. Beim Hamburger SV ist das eine Pauschalsumme, die zu Beginn jedes Jahres zu leisten ist, bei den übrigen Vereinen sind es Stücklizenzgebühren von 15 Prozent des Verkaufspreises. Die Trikots des Hamburger SV und von Hertha BSC Berlin müsse man außerdem, da es von den Vereinen so verlangt werde, jedes Jahr neu gestalten, damit diese den aktuellen Trikots entsprechen, sagt der Unternehmer. Die Trikots der Nationalmannschaften entwerfe er alle zwei bis drei Jahre neu. Es gebe auch Trikots von Frauenmannschaften, doch deren Verkauf halte sich in Grenzen. Am beliebtesten seien die deutschen Nationaltrikots, dicht gefolgt vom FC St. Pauli. Der Kunde kann auch selbst entwerfen. „Die aufwendigsten Trikots waren für eine Hochzeit: Es gab ein schwarzes Team im Anzug und ein rosafarbenes im Brautkleid-Design“, sagt Schabenberger. Ein Set, das aus 11 Trikots besteht, kostet 17,90 Euro.

Der Umsatz, den Kicker-Trikot laut Schabenberger verzeichnen kann, lässt auf weitere Fortschritte hoffen. So habe das Unternehmen im ersten Jahr 2006 schon 25000 Euro eingenommen. 2010 habe sich der Umsatz mit 51000 Euro mehr als verdoppelt. Besonders hervorzuheben ist das Jahr 2008, in dem ein Umsatz von 85000 Euro verzeichnet wurde. Eine Folge der Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich, da zu diesem Zeitpunkt dorthin schon Trikots verkauft wurden. Ziel für das Jahr 2011 waren 8000 Sets.

Die Ideen gehen der Kicker-Trikot GbR nicht aus. Für die laufende Europameisterschaft gibt es die Trikots vieler Teilnehmer. Als weiteres Ziel wird die Erhöhung des Marktanteils in Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien in Angriff genommen. Deshalb solle die Internetseite des Unternehmens bald auch auf Englisch und Französisch übersetzt werden.

Die deutschen Botschaften in Saigon und Bagdad haben für bevorstehende Kickerturniere Trikots bestellt. Ihnen scheint die Wahl zwischen den Farben Blau und Rot auch nicht mehr abwechslungsreich genug zu sein.

Informationen zum Beitrag

Titel
Trikottausch am grünen Tisch
Autor
Nicolai Leschke
Schule
Mallinckrodt-Gymnasium , Dortmund
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2012
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance