Wie sich der Skifahrer im Sommer über Wasser hält

Ski

Sich im Sommer ins kühle Nass zu stürzen und auf Skiern schwerelos über das Wasser zu gleiten ist für viele ein Traum. Nur fehlen oft die Möglichkeiten. Seit mehr als 50 Jahren kann die Rixen Cableways GmbH in Dachau als Hersteller für Wasserskiseilbahnen da Abhilfe schaffen. „Wasserski war immer mein Traum“, sagt der Erfinder der Seilbahnen, Bruno Rixen. Wasserski fahren kann im Prinzip jeder, egal ob Jugendlicher oder Senior. Voraussetzung ist freilich, dass man sicher schwimmen kann. Neulinge sollten zunächst einen Anfängerkurs besuchen.

Wasserskifahren oder Wakeboarden, eine Mischung aus Wasserski und Wellenreiten, bei der man auf einem Brett über das Wasser gleitet, ist jedoch, wenn man von einem Motorboot mit hoher Geschwindigkeit gezogen wird, ein kostspieliges Vergnügen. Da ist die Seilbahn die wirtschaftlichere Alternative. „Eine Seilbahn hat die Kapazität von 30 Motorbooten“, erläutert Rixen. Mit seiner Wasserskiseilbahn können bis zu 16 Läufer gleichzeitig fahren, insgesamt täglich mehr als 4000 Kilometer Strecke. Außerdem werden Luft und Wasser durch den elektrischen Antrieb der Anlage nicht verschmutzt. Zusätzlich trägt das Aufspritzen des Wassers zu einer Verbesserung der Wasserqualität bei, da die Seen mit Sauerstoff angereichert werden.

Der gelernte Schlosser und Maschinenbauingenieur Bruno Rixen begann 1959 mit dem Bau des ersten Prototyps in Bordesholm, Schleswig-Holstein. „Technisch war das keine einfache Sache; es wirken nämlich Kräfte von mehr als 160 Kilogramm und Geschwindigkeiten von bis zu 58 Stundenkilometern, und das bei einer Spannweite von über 300 Meter“, sagt Rixen. Ein Problem war die Lebensdauer der Umlaufseile. Anfangs hielt es nur rund 1000 Stunden, also lediglich für eine Sommersaison, heute sind es etwa 11000 Stunden, das reicht für acht Jahre.

Die Rixen GmbH wurde 1961 gegründet. Nach dem Bau eines weiteren Prototyps in Hamburg, einer größeren Seilbahn auf der Ostsee und zweier weiterer Wasserskiseilbahnen in Amerika und der Schweiz in Zusammenarbeit mit einem anderen Seilbahnhersteller wurde schließlich 1966 die erste selbstentwickelte Wasserskiseilbahn von Rixen an der spanischen Mittelmeerküste in Benidorm errichtet. Diese Anlage hat trotz schwieriger Einsatzbedingungen aufgrund des Salzgehaltes des Meeres und der langen Sommersaison 50000 Betriebsstunden überschritten und wird weiter erfolgreich betrieben.

Eine Wasserskiseilbahn hat vier bis sechs Stützen. Daraus ergibt sich die Form eines Vier-, Fünf- oder Sechsecks, wobei an den Auslegern Umlenkräderpaare sowie das etwa zehn Meter über der Wasseroberfläche laufende Umlaufseil befestigt sind. Eine der Stützen ist der Motormast, an dem der Antrieb und die Technik zum Ein- und Auskoppeln der Schleppleinen der Läufer montiert sind. Der Abstand zwischen den Läufern beträgt 70 bis 90 Meter. Das Starten von einer Gleitrampe erfolgt im rechten Winkel zum Umlaufseil und ermöglicht so eine langsame Beschleunigung, ohne dass die Betriebsgeschwindigkeit des Umlaufseils zum Einsteigen verringert werden muss. Nach dem Start wird der Wasserskifahrer auf die vom Betreiber der Anlage festgelegte Geschwindigkeit beschleunigt, die stufenlos bis zu 58 Stundenkilometer gesteigert werden kann. Der Wasserskiläufer kann dabei beliebig unter dem Seil hin- und herschwingen und über Schanzen springen oder sich einfach ziehen lassen. Grundsätzlich muss er sich aber nach der Geschwindigkeit richten, die der Betreiber voreingestellt hat. Bei Interesse werden jedoch feste Zeiten für höhere Geschwindigkeiten eingerichtet.

Damit die Wasserski- und Wakeboardseilbahn wirtschaftlich betrieben werden kann, sollte ein Gewässer mindestens 100 Meter breit und 130 Meter lang sein. Die Wassertiefe im Startbereich muss mehr als 1,5 Meter betragen, in der Nähe von Schanzen mindestens 2 Meter. Je nach verfügbarer Wasserfläche ergibt sich ein Umlaufkurs von 250 bis 1600 Metern. „Die Kosten für die reine Wasserskiseilbahn belaufen sich auf etwa 230000 Euro. Hinzu kommen Gebäude mit Gastronomie, Toiletten und Umkleidekabinen“, sagt Viviane Schefers von der Betriebsorganisation. Die errichte Rixen allerdings nicht.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert hat der mittlerweile 80 Jahre alte Geschäftsinhaber nahezu eine Alleinstellung am Markt erreicht. Er beziffert den Anteil am Weltmarkt mit fast 90 Prozent, als Jahresumsatz werden etwa 4 Millionen Euro erreicht. Damit liegt Bruno Rixen weit vor seinen drei Wettbewerbern, der Sesitec aus Deutschland, Alta aus den Niederlanden und Pentasia aus Ungarn.

Doch die Weltwirtschaftskrise ist auch an Rixen nicht unbemerkt vorübergegangen. „Es gab viele Stornierungen“, berichtet Schefers. „Jedoch konnte diese Krise durch das umsatzstärkste Projekt, den Bau des Cableparks in Abu Dhabi 2009, wieder ausgeglichen werden.“ Hier wurde ein See mit mehreren Anlagen errichtet.

Derzeit beschäftigt Rixen 21 feste und 5 freie Mitarbeiter. Mehr als 250 Wasserskianlagen in 40 Ländern wurden gebaut, etwa 60 davon in Deutschland. Gut 70 Prozent des Umsatzvolumens werden im Ausland erwirtschaftet. „Und jedes Jahr erschließen wir neue Märkte“, ergänzt Rixen. Durchschnittlich stellt Rixen Cableways jährlich 20 Wasserskianlagen auf.

Deren bisher größte in Deutschland findet man in Langenfeld (Nordrhein-Westfalen). Hier können sich die Skifahrer an vier Seilbahnen von Rixen und einem Zwei-Mast-System von Sesitec ziehen lassen. Eine Anfängerstunde kostet dort zwischen 25 und 29 Euro für Erwachsene und 15 bis 20 Euro für Jugendliche bis 16 Jahre. Wer es schon kann, bezahlt zwischen 23 Euro für zwei Stunden und 730 Euro für eine Jahreskarte. Hinzu kommen Leihgebühren für Neoprenanzug, Schwimmweste und Wasserskier. „Beratung und Service sind entscheidende Faktoren für unseren Exporterfolg. Wir besuchen unsere Kunden und besprechen auch alles mit den Behörden“, sagt Rixen. Die Dienstleistungspalette reicht von der Planung der Anlage über Finanzierung und Hilfe im Genehmigungsverfahren bis hin zur schlüsselfertigen Übergabe. Das kann bis zu ein Jahr dauern. Auch nach dem Aufbau, an den sich eine Schulung des Betreibers zur Bedienung, Wartung und Reparatur der Anlage anschließt, steht das Unternehmen dem Kunden für die gesamte Lebensdauer der Bahn zur Seite. „Die durchschnittlichen Ersatzteilkosten belaufen sich für den Betreiber auf etwa 5000 Euro im Jahr“, erklärt Schefers.

Auch im Winter muss die Wasserskiseilbahn nicht stillstehen. Auf einem zugeschneiten See oder auf einer Schneepiste kann der Sportfreund ebenfalls über Schanzen oder andere Hindernisse springen. Allerdings wird dazu eine kleine transportable Zwei-Mast-Seilbahn benutzt. „Wasserski ist für mich der schönste Sport“, schwärmt Bruno Rixen. So erklärt es sich auch, dass der Unternehmer schon im Jahr 1969 die erste Wasserski-Meisterschaft an einer Seilbahn veranstaltet hat.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wie sich der Skifahrer im Sommer über Wasser hält
Autor
André Gantschnig
Schule
Gymnasium Bad Zwischenahn , Bad Zwischenahn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2012
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance