Erst Füße, dann Knete abdrücken

Schuhe passen immer!“, heißt es im Film „In den Schuhen meiner Schwester.“ Dass diese vor allem bei Frauen verbreitete Sicht einen eingeschränkten Wahrheitsgehalt hat, weiß jeder, der neue Schuhe kauft. Denn im Laden kann man meist nur die Größe bestimmen. Diese Lücke macht sich myVale zunutze und stellt nach eigenen Angaben als einziges Unternehmen maßgeschneiderte Sandalen her.

In Australien gehören Flipflops zur Grundausstattung. Markus Schott war während eines Urlaubs von diesen Sandalen fasziniert, erkannte aber schnell, dass einige Änderungen notwendig waren. Um den Druck auf die Gelenke zu verringern, musste ein stabiler Halt gegeben sein. Doch es vergingen noch zehn Jahre, bis er seinen Traum umsetzen konnte: die Produktion von handgefertigten, orthopädischen Sandalen, die dem individuellen Fuß angepasst sind. Das Label myVale gibt es seit zwei Jahren. Mit Vale (englisch: Tal) umschreibt Schott, Orthopädieschuhmachermeister und Inhaber, zusammen mit dem Marketingbeauftragten Teja Habbishaw die Fußlandschaft. Der Slogan des Unternehmens lautet: „Die Sandale, die deinen Fuß als Vorbild hat.“ Zuerst wählt der Kunde ein Modell aus. Danach bekommt er eine Box zugesandt, in die er seinen Fußabdruck hineinpresst. Daraufhin schickt er die Box zurück. Der Fußabdruck wird mit Hilfe eines 3D-Scanners erfasst. Nach dem digitalen Fußbild wird dann die Fußlandschaft gefräst. Anschließend wird die Vale-Sandale in Handarbeit zusammengesetzt. Nach drei Stunden ist sie fertig. Das Homberger Unternehmen achtet bei der Materialauswahl auf hochwertige Qualität aus der Orthopädie. „Die Materialien werden nur aus Europa und Deutschland bezogen, nicht aus Fernost“, verdeutlicht Habbishaw. Materialien wie Ethylenvinylacetat (EVA), aus dem Einlagen hergestellt werden, sind die Basis der Sandale. Zusätzlich verwendet myVale echte und chromfreie Lederware für Riemen und Fußbettbezug. Als Sohle wird Naturkautschuk und herkömmlicher Sohlengummi verwendet. Auch besondere Aufträge, wie das Verschieben des Stegs an einen anderen Zeh, sind nicht ungewöhnlich. Die ständige Weiterentwicklung hat zu einer Auswahl von mehr als 40 Modellen geführt. Das hat seinen Preis. Ein Paar Vale-Sandalen kostet durchschnittlich 120 Euro. Mehr als zwei Drittel werden online verkauft. Jede zehnte geht ins Ausland, vor allem in den europäischen Raum. Das Alter der Kunden liegt zwischen 30 und 60 Jahren.

Der Erfolg des Unternehmens zeigt sich an den Verkaufszahlen. Im Jahr 2008 wurden etwa 500 Paar Schuhe für rund 50000 Euro verkauft, im vergangenen Jahr waren es rund 2000 Paar. Die Mitarbeiterzahl hat sich von zuerst 3 auf 13 erhöht. „Für das Jahr 2011 streben wir mit unserem Produkt die Gewinnzone (5000 Paar Sandalen) an“, sagt Schott.

Informationen zum Beitrag

Titel
Erst Füße, dann Knete abdrücken
Autor
Tamara Schneider, Heimschule Lender, Sasbach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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