Die Schüler seilen sich ab

Klettern

Kletterwände werden zunehmend beliebt

In riesigen Hallen, ausgekleidet mit Birkenholzplatten, hangeln sich Menschen an Seilen mit Gurten und Sicherungen der Decke entgegen. Sie klettern an Wänden, die von Unternehmen wie der 1995 gegründeten On Top Klettern Gesellschaft für Freizeitsport mbH montiert wurden. On Top Klettern mit Sitz in Wesseling gehört zu den Pionieren im Kletterwandbau in Europa. Sie entwickelt Kletteranlagen und Klettergriffe für Freizeit, Sport und Therapie. Zurzeit beschäftigt der Betrieb zwölf Mitarbeiter. „Im Gegensatz zu anderen Kletterwandherstellern, die ihre Aufträge mit freien Mitarbeitern abwickeln, sind unsere Monteure festangestellt und alle ausgebildete Schreiner“, sagt Carsten Eggert, der für Marketing und Vertrieb zuständig ist. „Wir sind in den Sparten Kletteranlagen in Schulen und therapeutische Anwendungen in Deutschland Marktführer. In deutschen Schulen werden stetig steigend Kletteranlagen montiert, da der Sportunterricht an der Kletterwand in fast allen Bundesländern schon fester Bestandteil des Schulsports ist. Auch wird in fast jeder neuen Sporthalle eine Kletteranlage mit eingeplant, wobei der Trend zu immer größeren Kletterwänden geht“, führt Eggert weiter aus. Zum Klettern an diesen Wänden werden Seilsicherungen verwendet. Auch die Nachfrage nach Boulderwänden steigt, da Pausenhöfe als öffentliche Spielplätze genutzt werden. Vom Bouldern wird gesprochen, wenn ohne Absicherung in Absprunghöhe geklettert wird. Als Fallschutz dienen hier Matten oder Holzschnitzel. In der Regel werden Boulderwände bis drei Meter Höhe gebaut. In kommerziellen Kletterhallen sind bis zu 4,5 Meter erlaubt.

Im Jahr 2001 entwickelte On Top Klettern eine elektrisch hochziehbare Kletterwand, die heute zum Standard in neuen Sporthallen zählt. Eine solche Wand mit Umlenkungen, fünf Metern Höhe und sieben Metern Breite, acht Routen und einer Quarzsand-Harz-Oberfläche kostet einschließlich Montage rund 25000 Euro. Mittlerweile verkauft On Top Klettern durchschnittlich 15 dieser hochziehbaren Kletterwände im Jahr. Insgesamt werden von dem Unternehmen alljährlich 50 bis 60 Kletteranlagen montiert, neun von zehn stehen in Schulen.

„Derzeit werden Kletterwände und Boulderanlagen im Verhältnis 50 zu 50 nachgefragt, wobei der Trend zu Boulderanlagen geht“, sagt Eggert. Montiert wird hauptsächlich in Deutschland und dem europäischen Ausland. Neben Schulen zählen Gemeinden, Kindergärten, Freizeitparks, Kletterhallen, therapeutische Einrichtungen und private Anwender zu den Kunden. Dabei steigt die Nachfrage kommerzieller Kletteranlagenbetreiber ebenso wie die Nachfrage aus dem europäischen Ausland. Die Kletterwände werden auf Kundenwunsch gefertigt. Birkenholz eignet sich dafür besonders, da es preiswert, stabil und elastisch ist. Ein unbehandeltes Kletterpaneel mit 40 Befestigungsmöglichkeiten je Quadratmeter kostet knapp 200 Euro für einen Meter. Der Preis ist abhängig von deren Größe und Ausstattung, etwa der Zahl der Griffe oder Routen, und auch von der Unterkonstruktion. Als Durchschnittswert werden 400 Euro je Quadratmeter angegeben. So kommen für eine Wand von fünf mal sieben Metern übergabefertig rund 17000 Euro zusammen. „Mittlerweile gibt es gut 400 Kletteranlagen in Deutschland, Tendenz steigend. Vor zehn Jahren lag die Zahl noch bei 100 bis 150 kommerziellen Kletteranlagen“, erläutert Eggert. In den vergangenen drei Jahren pendelte sich der Umsatz seines Unternehmens bei rund 1 Million Euro für Wände, Zubehör und Wartung ein. In Deutschland gibt es rund ein Dutzend Anbieter von Kletterwänden. Bei Großkletteranlagen ist On Top deutschlandweiter Vertriebspartner des größten Kletterwandherstellers der Welt, Walltopia. Auf dem Markt für Schulkletterwände konkurriert On Top Klettern mit einer Handvoll Hersteller. „Über den Marktanteil lässt sich jedoch aufgrund der noch jungen Branche nichts sagen“, meint Eggert.

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Schüler seilen sich ab
Autor
Caroline Weiermüller
Schule
Günter-Wöhe-Gymnasium , Saarbrücken
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 13. September 2012
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

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