Schichtarbeit aus der Dose

juwitorte

Kirschkuchen aus der Konserve erinnert an den Schwarzwald.

In der Holzofenbäckerei Ruf aus St. Peter im Hochschwarzwald hat Deutschlands beliebteste Torte ihren Weg in die Konserve gefunden. Dort kam man im November 2009 auf die „Schnapsidee“, den Schwarzwälder Kirschkuchen einzudosen. Da man bereits Brot so verpackte, war der Konditor der Josef Ruf Bäckerei und Lebensmittel KG davon überzeugt, dass auch der Kirschkuchen zu einem feinen Souvenir gemacht werden kann. „Wir haben dann ein bisschen rumgewitzelt und überlegt, was wir machen können“, erzählt Geschäftsführer Johannes Ruf.

Nach einem Jahr des Tüftelns war die Projektentwicklung abgeschlossen, und man hatte die perfekte Zusammensetzung aus einem speziell angefertigten Teig, dem Schwarzwälder Kirschwasser und den Kirschen gefunden. Die Masse wird in den Dosen im Ofen gebacken. Die Sahne muss jedoch draußen bleiben. Doch auch ohne Sahne ist „der Geschmack des Schwarzwälder Kirschkuchens sehr gut getroffen“, schwärmt Kunde Tim Wagner. Und wem das Päckchen Puderzucker, das jeder Dose beiliegt, zum Verfeinern nicht genügt, der kann seinen Schwarzwälder Kirschkuchen mit frischer Schlagsahne ergänzen. Das Produkt kam im November 2010 auf den Markt. Rezeptur und Markenname sind geschützt. Durch den Online-Shop der Bäckerei wurde die Dose auch im Ausland bekannt. Die Exportquote liegt bei 10 Prozent. Zielgruppe des Produkts sind alle Personen, die ein Geschenk oder ein Mitbringsel aus dem Schwarzwald suchen.

Ruf beschäftigt insgesamt 150 Personen. Für die Dosenproduktion sind zwei von zwölf Bäckern am Tag verantwortlich. „Eine durchschnittliche Produktionsgröße sind 700 Kuchen am Tag“, sagt Ruf. Eine 400-Gramm-Dose Schwarzwälder Kirschkuchen kostet 6,95 Euro. Im Vergleich dazu kommt eine frische und natürlich wesentlich größere Schwarzwälder Kirschtorte in der Konditorei auf 22 Euro. In der Backstube der Holzofenbäckerei werden neben dem Kirschkuchen noch zwei Brotsorten hergestellt, die auch in Dosen verpackt werden. Diese kosten 3,95 beziehungsweise 4,95 Euro und sind, wie die Kirschkuchen in der Dose, länger als ein Jahr lang haltbar. Im Handel ist die Nachfrage nach dem Dosenbrot jedoch weitaus geringer als die nach dem Kuchen, da das Brot hauptsächlich von Deutschen, die im Ausland leben, über das Internet bestellt wird, um mal wieder ein Brot „von daheim“ essen zu können. Die Nachfrage nach dem Absatzschlager Dosenkuchen ist vor jedem Schulferienbeginn am höchsten, da viele Schüler ein Gastgeschenk brauchen.

Auch ungewöhnliche Aufträge erfüllt die Holzofenbäckerei. Für den SC Freiburg wurde beispielsweise eine besondere Version des Kuchens in der Dose entwickelt: der Kirschkicker. Hier werden zusätzlich kleine Bälle aus Schokolade in die Teigmasse gegeben. „Diese sollen den Fußball nachahmen“, meint Ruf. Der SC Freiburg bestellt diesen speziellen Kuchen als Gastgeschenk für jedes Auswärtsspiel. Diese Spielart des Schwarzwälder Kirschkuchens kostet 7,95 Euro. Im Jahr verkauft die Holzofenbäckerei Ruf 108000 Dosen Schwarzwälder Kirschkuchen, was alleine einen Umsatz von 750000 Euro ergibt. Damit ist aus der anfänglichen Schnapsidee inzwischen das Produkt geworden, das in der Holzofenbäckerei den größten Umsatz erzielt.

Informationen zum Beitrag

Titel
Schichtarbeit aus der Dose
Autor
Marlene Jost
Schule
Lise-Meitner-Gymnasium , Grenzach-Wyhlen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 1. November 2012
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance