Das Umweltbewusstsein nicht über Bord werfen

kreuz

Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff – der Traum vieler Menschen. Doch ein Kreuzfahrtschiff hat auch Schattenseiten. Es kommen täglich große Mengen Abfall zusammen, vom Verpackungsmüll bis zu Essensresten. Allein an Abwasser fallen zwischen eine halbe und eine Million Liter am Tag an. Was mit den Abfällen geschieht, erfährt man von der Deerberg-Systems GmbH in Oldenburg, die eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer bei der Planung und Herstellung von Entsorgungssystemen auf Schiffen ist. „Die verschiedenen Müllströme werden von dezentralen Sammelstellen zu einem komplexen Müllentsorgungssystem gebracht, das sich über mehrere Decks im Bauch des Schiffes erstreckt“, erklärt Marketingleiter Ingo Eden. „Dort wird der Müll zwischengelagert, zerkleinert, und für das Recycling geeignete Wertstoffe werden aussortiert und im nächsten Hafen an dortige Entsorgungsunternehmen abgegeben.“ Ist eine solche Abgabe nicht möglich, werden die Stoffe in eine Verbrennungsanlage transportiert und in komprimierter Form als Asche gelagert. Auch Nahrungsmittel werden nach umfangreicher Zerkleinerung und Trocknung in die Verbrennungsanlage gegeben. Dabei wird auf eine Abschirmung der mit Vakuumtechnik arbeitenden Leitungssysteme geachtet, um Hygiene zu gewährleisten. Abwässer werden durch ein System von Membranen gefiltert und können dann als sauberes Wasser ins Meer abgegeben werden.

Die Preisspanne reicht von 5000 Euro für ein einzelnes Gerät, etwa eine Ballenpresse für die Komprimierung von Müll, bis zu fünf Millionen Euro für ein komplettes System, das auf Kreuzfahrtschiffen zum Einsatz kommt. Ein System mittlerer Größe kostet bei Deerberg etwa eine Million Euro. Knapp 1000 Schiffe wurden von dem Unternehmen bereits mit solchen Systemen ausgestattet. Eingebaut werden sie nicht nur in Kreuzfahrtschiffe, sondern auch von der deutschen Marine und ausländischen Seestreitkräften sowie in Handelsschiffen und großen Yachten. Ein weiteres Segment für Deerberg sind Schiffe, die zur Installierung von Offshore-Windkraftanlagen und Hochsee-Ölplattformen genutzt werden. Hier erwartet Eden einen Zuwachs in den kommenden Jahren. Die Systeme werden für jedes Schiff individuell geplant. Die Produktion übernehmen Partnerunternehmen, den Einbau die Werften. Planung und Bau dauern bei großen Schiffen durchschnittlich ein bis drei Jahre, bei Flugzeugträgern bis zu zehn Jahre.

Die Exportquote liegt inzwischen über 75 Prozent, denn immer mehr Schiffe kommen aus Asien. Von besonderer Bedeutung sind Japan, wo zunehmend Kreuzfahrtschiffe gebaut werden, Südkorea, wo viele Schiffe entstehen, die zur Installierung von Offshore-Anlagen benötigt werden, und China, wo weltweit die meisten Fähren und Handelsschiffe gebaut werden. In Deutschland ergibt die Produktion von Kreuzfahrtschiffen und Spezialschiffen Aufträge. In den vergangenen Jahren ist die Exportquote aufgrund einer verstärkten Zusammenarbeit mit der Meyer-Werft in Papenburg gesunken.

„Der Markt ist aufgrund des Preisdrucks der Reedereien, der von den Werften an die Zulieferfirmen weitergegeben wird, umkämpft“, sagt Eden. Deerberg konnte aber seinen Marktanteil im Segment Kreuzfahrtschiffe von 40 bis 45 Prozent im Jahr 2002 auf gegenwärtig deutlich mehr als 70 Prozent steigern. Konkurrenten sind zwei skandinavische Firmen. Der allgemeine Rückgang der Produktion von Kreuzfahrtschiffen – waren es zehn bis zwölf Schiffe um das Jahr 2000, so sind es nun fünf bis sieben Schiffe – und die sinkenden Preise konnten dadurch ausgeglichen werden, dass von diesen Kreuzfahrtschiffen ein höherer Anteil mit den Systemen von Deerberg ausgestattet wurde. Durch Zuwächse in anderen Segmenten konnte Deerberg seinen Umsatz sogar steigern, von rund 10 Millionen Euro vor zehn Jahren auf knapp 16 Millionen Euro zurzeit. Die Aussichten sind gut: „Schiffe, die weltweit operieren und überall sich verschärfende Umweltauflagen einhalten müssen, benötigen neue Entsorgungssysteme, die auf dem höchsten Stand sind“, meint Eden. Bei der Planung orientiere man sich daher immer an den strengsten Vorschriften; aktuell sind es zum Beispiel Abwasser-Ablaufwerte, die in den Hoheitsgewässern der Ostseeanrainerstaaten gelten. Auch mit Innovationen will man sich einen Wettbewerbsvorteil sichern. Ein Beispiel dafür ist ein System, das die bei der Verbrennung entstehende Abwärme für die Trocknung der Lebensmittelabfälle nutzt, um so Energie einzusparen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Das Umweltbewusstsein nicht über Bord werfen
Autor
Nils Neubauer
Schule
Gymnasium Bad Zwischenahn , Bad Zwischenahn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 1. November 2012
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance