Wo man fast automatisch gesund wird

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Die Automatisierung erreicht nun auch den pharmazeutischen Einzelhandel. In einem Kommissionierautomaten, der etwa 100000 Euro kostet, wird die Ware mit Verfallsdatum und eingescannter Pharmazentralnummer gelagert, innen gibt es ein Greifsystem. Das Medikament wird über die Kasse angefordert, und das älteste Präparat, nahe am Verfallsdatum, wird ausgeliefert. Befindet sich der Automat im hinteren Teil der Apotheke, befördern Rutschen und Förderbänder das Medikament nach vorne.

Die Apostore GmbH mit Sitz in Gelsenkirchen ist das einzige Unternehmen, das für Apotheken maßgeschneiderte Automaten je nach Leistungsumfang herstellt. Der Prozess beginnt mit dem Aufmaß der Apotheke, danach folgt die Produktion der Einzelteile. Anschließend wird der Automat beim Kunden aufgebaut. „Alle beweglichen Teile – Roboter, Greifer, Fahrmotoren – werden im Originalaufbau im Werk über eine Woche lang im Stresstest betrieben, um Produktionsfehler ausschließen zu können. Selbstverständlich gibt es auch Sicherheitseinrichtungen, die verhindern, dass zum Beispiel beim Öffnen der Tür die Roboter weiterfahren“, sagt Michael Hübel, Vertriebsleiter internationaler Verkauf von Apostore. Am Einlagerterminal trage der Bediener das Verfallsdatum ein und scanne den Barcode auf der Packung. Anschließend lege er die Packung in das Einlagerrollo oder auf das Einlagerband. Der Roboter nimmt nun die Packung, registriert alle Daten und sucht den optimalen Lagerplatz. Über eine Datenschnittstelle kommuniziert der Automat mit dem Kassensystem der Apotheke und meldet die eingelagerte Packung am Kassensystem an.

„Für den Kunden bedeutet eine Apotheke mit Automat eine höhere Lieferverfügbarkeit für Medikamente, eine schnellere Bedienung und eine verbesserte Beratungsleistung“, verspricht Hübel. Die Automaten von Apostore sind Einzelstücke und werden genau in die Apotheken hineingeplant. „Daher ist vielleicht unsere Stückzahl nicht so hoch wie bei anderen Anbietern, wir haben jedoch die zugeschnittene Kundenlösung mit den neusten Anforderungen.“ Mit 70 Mitarbeitern und einem Marktanteil von mehr als 10 Prozent erreichte das Unternehmen 2011 einen Umsatz von rund 13 Millionen Euro. Die jährlichen Steigerungsraten liegen meist zwischen 12 und 15 Prozent. Im Jahr werden in diesem Betrieb 75 Automaten produziert. Die Zahlen steigen, da das Interesse an Kommissionierautomaten auch weltweit zunimmt. „Wir haben Kunden in Südafrika und Island, aber auch in Ungarn und Slowenien, die eher zu den Ländern mit geringen Lohnkosten zählen“, sagt Hübel. Der Anteil an Geräten, die ins Ausland gehen, beträgt etwa 40 Prozent. Auch in anderen europäischen Ländern gibt es laut Apostore Anbieter von Kommissionierautomaten für Apotheken, vor allem in Spanien, Italien und Frankreich. Doch haben nach eigenem Bekunden die deutschen Anbieter einen technischen Vorsprung. Kunden kritisieren allerdings die Lautstärke der Prozesse einiger Automaten.

Marktführer für standardisierte Apotheken-Roboter ist jedoch die Rowa Automatisierungssysteme GmbH mit Sitz in Kelberg. Mit 341 Mitarbeitern weltweit, 20 Vertretungen, Tochterunternehmen in Italien, den Niederlanden, Dänemark und Schweden wurde 2011 ein Umsatz von etwa 64 Millionen Euro erzielt. Zeitgewinn, Platzersparnis und die Optimierung der Organisation seien die Folgen eines automatisierten Warenlagers. Ein durchschnittliches Gespräch zwischen Kunden und Apotheker dauert laut Rowa nur 3,5 Minuten, während man ohne einen Kommissionierautomaten allein 126 Sekunden, 60 Prozent, zum Suchen und Holen der Medikamente braucht. Ein 3,5 Meter langer Rowa-Automat ersetze 14 Schubsäulen. Durch den Platzgewinn könnten ganz neue Raumkonzepte realisiert werden, zum Beispiel durch eine Vergrößerung der Offizin und mehr Frei- und Sichtwahlbereiche. Dies bedeute mehr Umsatz je Quadratmeter – bis zu 400 Euro im Monat sind möglich. Ein Kommissionierautomat kann auch im Keller oder im Obergeschoss eingebaut werden – vor allem in teuren Innenstadtlagen spare dies Geld.

Laut Apostore hat der Automat keinen direkten Einfluss auf das Gesundheitssystem. Kleine Apotheken müssten jedoch schließen, da nicht mehr genug verdient werden könne. Eine Apotheke mit Kommissionierautomat stehe besser im Wettbewerb da.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wo man fast automatisch gesund wird
Autor
Christine Dworschak
Schule
Tannenbusch-Gymnasium , Bonn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 6. Dezember 2012
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance