So hält man Biathleten in Schuss

biath

Der Biathlonsport ist in einem neuen Aufschwung. Für gute Ergebnisse der Sportler sind eine gute Laufleistung, aber vor allem Genauigkeit beim Schießen nötig. An den Treffern beteiligt ist der Unternehmer Peter Fortner, der 1984 das Unternehmen Peter Fortner Jagd- und Sportwaffentechnik in Rohrdorf bei Rosenheim gründete und es bis heute selbst leitet. Er ist einer der weltweit führenden Hersteller von Biathlonverschlüssen. „Der Verschluss einer Waffe ist neben dem Lauf das wichtigste Teil, etwa wie beim Auto der Motor. Er hat die Aufgabe, den Nachladevorgang zu ermöglichen und den Lauf bei der Schussabgabe am hinteren Ende sicher abzuschließen. Denn beim Schuss findet bekanntlich eine Explosion in der Patrone statt, und die darf nicht nach hinten losgehen, sondern muss das Geschoss aus dem Lauf pressen“, erklärt Fortner. Er hat 1984 einen Gewehrverschluss entwickelt, der nur mit Zeigefinger und Daumen in einer gradlinigen Bewegung zu betätigen ist. Dadurch konnten die Schießzeiten beim Biathlon deutlich reduziert werden.

Zuvor mussten die Biathleten mit Gewehren schießen, bei denen man mit der Hand umständlich einen Hebel betätigen musste um nachzuladen. Dabei gab es immer wieder ein Verreißen der Waffe. In Kooperation mit der J. G. Anschütz GmbH & Co. KG aus Ulm, einem führenden Hersteller für Kleinkaliber-Sportgewehre, rüstet Fortner heute nach eigenen Angaben 95 Prozent aller Biathleten des internationalen Wettbewerbs aus. In Deutschland ist er durch sein Patent der einzige Hersteller für Biathlon-Waffen. Weltweit muss er in dieser Sparte nur einen Konkurrenten aus Russland fürchten. „Der russische Konkurrent Izhmash besitzt zurzeit nur etwa 3 Prozent des weltweiten Marktanteils. Das russische Gewehr ist etwas günstiger, dafür ist die Qualität nicht so gut“, meint Benjamin Wirthgen, Spezialist für Biathlongewehre bei Anschütz. Das Unternehmen liefert Fortner Gewehrläufe, Abzugseinheiten, Magazine und diverse andere Teile. Fortner erstellt unter Verwendung seiner Verschlüsse daraus die komplette Biathlonwaffe. Den Vertrieb übernimmt wiederum Anschütz. So gelangen jährlich rund 500 Biathlongewehre in deren weltweites Vertriebsnetz. Ein Kunde muss etwa 3000 Euro für ein komplettes Biathlongewehr mit Zubehör einkalkulieren. Mehr als 10000 Biathlongewehre hat Fortner schon verkauft.

Das Skiinternat Furtwangen bezieht sämtliche Gewehre, Ersatzteile und auch Spezialanfertigungen über Anschütz von ihm. „Fortner macht vieles möglich, was für andere einfach unmöglich ist. Für einen meiner Schüler, der Rechtsschütze ist, aber mit dem linken Auge zielt, hat er beispielsweise eine Spezialanfertigung kreiert. Mit einem Aufsatz, bestehend aus zwei Streben, hat er die Visierung einfach nach links versetzt“, berichtet Ina Metzner, Trainerin des Landeskaders Baden-Württemberg für Biathlon im Skiinternat. Fortner produziert auf Kundenwunsch Einzelteile. „Für unsere Industriekunden fertigen wir aber auch Serien mit mehreren hundert oder gar tausend Stück“, berichtet Peter Fortner. Biathlonwaffen sind das am meisten nachgefragte Produkt. Daneben bietet Fortner seinen Kunden ein breites Angebot von mehr als 1000 Artikeln wie Jagd- und Sportwaffen, Munition, Ferngläser, Zielfernrohre und Zubehör. Auch für die Sportwaffen stellt Fortner die Verschlüsse her und vertreibt sie über Anschütz. „Die chinesische Schützin Du Li hat am 24. Januar 2012 bei einem internationalen Wettkampf in Doha/Qatar mit unserem Modell F27A den Weltrekord im Kleinkaliber-3-Stellungskampf, also dreimal 20 Schuss auf 50 Meter, eingestellt“, sagt Fortner. Seine Sportwaffen kosten zwischen 3000 und 4000 Euro. Jährlich werden zwischen 70 und 100 Sportwaffen über Anschütz verkauft. Die Verschlüsse und diverse weitere Produkte wie Biathlon- und Sportschützenzubehör produziert Fortner im eigenen Haus auf sechs computergesteuerten Maschinen. Weitere patentierte Produkte lässt er in Lizenz produzieren. So stellt beispielsweise Heym in Gleichamberg in Thüringen Repetierbüchsen auf Lizenzbasis her. Fortner beschäftigt derzeit acht Mitarbeiter. Neben Teilzeitkräften für Bürotätigkeiten arbeiten bei ihm Gesellen in der Teileproduktion und Montage, ein Meister für Ausbildung und Biathlonproduktion sowie ein angehender Meister für den Jagdwaffenbereich. „Mein Kundenkreis besteht aus Biathleten, Firmenkunden, Jägern und Sportschützen“, sagt Fortner. Der Anteil von Privatkunden und Vereinen am zu gleichen Teilen weiblichen wie männlichen Kundenkreis ist dabei von der unterschiedlichen Gesetzgebung der Länder abhängig. „In Russland beispielsweise ist der Erwerb von Waffen nur für Vereine erlaubt“, erklärt Wirthgen. In Deutschland dagegen muss der Käufer einer Biathlonwaffe eine Waffenbesitzkarte vorzeigen können, das Mindestalter erreicht haben und ein Bedürfnis nachweisen. Anschütz verkauft seine Produkte über Händler und auch direkt an den Endverbraucher. Exportiert wird hauptsächlich in skandinavische Länder. So beliefert Anschütz beispielsweise auch ein schwedisches Sportgymnasium. Die höchsten Gewinne erzielt Fortner mit seinen Eigenentwicklungen. Im Vorjahr erwirtschaftete er einen Umsatz von rund 700000 Euro. Mehr als die Hälfte davon erzielt er mit dem Verkauf von Biathlonwaffen und Zubehör. Für dieses Jahr erwartet Fortner einen Umsatz in gleicher Höhe. „Es geht der Branche der Jagd- und Sportwaffen zurzeit aber eher schlecht. Wir müssen gegen strenge Gesetzgebungen und das schlechte Image der Jäger und Schützen in den Medien ankämpfen. Der Biathlonbereich jedoch ist davon nicht betroffen, er ist immer noch am Wachsen“, sagt Fortner.

Wolfgang Fuchs, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler, bestätigt dies. „Aufgrund der scharfen Waffengesetze ist der Umsatz der gesamten Branche rückläufig. Besonders die Gesetzeslage für Minderjährige ist streng geregelt.“ Neben einer vermehrten Nachfrage der Jäger nach hochwertigen Jagdgewehren registriert die Branche nach Angaben von Fuchs auch einen Trend in der Nachfrage hochentwickelter Sportwaffen. So bleibt der Spaß am Schießsport erhalten.

Informationen zum Beitrag

Titel
So hält man Biathleten in Schuss
Autor
Michelle Nicolaus
Schule
Günter-Wöhe-Gymnasium , Saarbrücken
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 6. Dezember 2012
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance