Wo man nicht nur einen Diener macht

Niemals zuvor gab es so viele reiche Familien auf der Welt wie heute, und deren Zahl nimmt stetig zu. Mit ihrem meist exklusiven Lebensstil nehmen diese gern die professionelle Hilfe eines Butlers oder House Managers in Anspruch. „Jeder, der reich ist, einen großen Privathaushalt oder eine ganze Menge Personal hat, braucht einen Butler. Ein Butler ist ein Lifestylemanager“, erklärt Frank Fortgens, einer der Lehrer an der International Butler Academy. In der Academy in den Niederlanden werden auf Schloss Zeist qualifizierte Butler ausgebildet. Seit Gründung der Stiftung im Jahr 2000 sind es schon mehr als 200. Die Hauptlehrerschaft besteht aus sechs Dozenten mit mindestens zehnjähriger Berufserfahrung. Um an der Academy unterrichten zu dürfen, muss jeder Lehrer trotz seiner Berufserfahrung nochmals den Kurs für Schüler besuchen. So auch Fortgens. „Dann weiß man, was die Studenten durchmachen und was erwartet wird.“ Neben den festangestellten Lehrern gibt es Gastlehrer, welche die Schüler in zusätzlichen Gebieten unterrichten, zum Beispiel der Ersten Hilfe und dem Arrangieren von Blumengestecken.

Die Lehrlinge kommen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten; der jüngste Butleranwärter war 20 Jahre alt, der älteste 68. Viele sind aus der Gastronomie, andere waren Unternehmer und suchen die Veränderung. Grundvoraussetzung ist eine positive Einstellung zum dienenden Beruf. Ein Kurs besteht aus zehn bis zwölf Schülern, die zum Teil auch aus Südafrika, Brasilien und Amerika anreisen. Jährlich gibt es etwa 35 Absolventen.

In Europa gibt es sonst nur noch wenige Butlerschulen, zum Beispiel in England die Guild of Professional English Butlers und die Schule von Ivor Spencer.

Wenn man eine Ausbildung an der International Butler Academy beginnen möchte, sind Englischkenntnisse Voraussetzung. Aber auch eine ganze Reihe weiterer Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Engagement, Loyalität, Flexibilität und die Fähigkeit, sich schnell zu integrieren, sind wichtig. Der Frauenanteil der Butleranwärter beträgt etwa 20 Prozent. Der Bedarf steigt, da vor allem in muslimischen Ländern ein männlicher Butler als Problem in einem Haushalt mit Frauen gesehen wird. Doch auch im Westen nimmt die Zahl weiblicher Butler zu. Denn erfolgreiche Frauen bevorzugen oft eine weibliche Managerin, die ihren Haushalt organisiert und zugleich Ansprechpartnerin ist.

Die Ausbildung an der International Butler Academy dauert zwei Monate, kostet 12500 Euro und beinhaltet Unterkunft, Verpflegung und eine eigene Uniform. Weinöffner, Koffer, Maniküreset, Taschenuhr, Regenschirm und weitere Arbeitsmaterialien gehören genauso dazu wie Hochglanzporträtfotos vom Vogue-Fotografen für die Bewerbungsunterlagen. Die Hälfte der An- und Abfahrtskosten in die Niederlande wird übernommen.

Der Unterricht ist anstrengend. Der Arbeitstag beginnt um 9 Uhr und endet um 21 Uhr. Sonntags haben die Schüler frei. „Nicht jeder bekommt ein Diplom. Man muss die acht Wochen aufmerksam sein und die Examen gut abschließen“, sagt Fortgens. Es gibt mehrere Zwischenprüfungen bis zur Abschlussprüfung. Die Ausbilder versuchen, einen lebensnahen Haushalt zu simulieren. Dabei wird auf die Darstellung möglichst abwechslungsreicher Situationen geachtet. So werden Hochzeiten geplant und die Tea-Time zelebriert. Zu den Übungen gehören das Kofferpacken, das Öffnen einer Flasche Champagner und das Servieren eines Menüs. Der Lehrplan umfasst auch Geschichtsunterricht und die Lehre von alten Traditionen und der Etikette – alles in englischer Sprache. Bei Exkursionen nach Deutschland, Frankreich oder Luxemburg wird versucht, den Schülern einen ersten Eindruck ihres späteren Berufslebens zu vermitteln und Gelerntes erstmals anzuwenden.

Immerhin 95 Prozent der Schüler schließen erfolgreich ab und haben dann die Garantie der Schule auf eine Stelle als Butler. Diese hohe Bestehensquote begründet Fortgens damit, dass es eine „ziemlich teure Privatschule“ ist. Die Schüler seien also sehr motiviert. Die Stellenvermittlung geschieht meist schulintern oder mit Hilfe der zahlreichen weltweiten Vermittlungsagenturen. Der Lohn eines Butlers beträgt zwischen 50000 und 100000 Dollar jährlich, schätzt Fortgens. Butlern in Privathaushalten wird meist noch ein Auto und eine Wohnung zur Verfügung gestellt, die sich in der Nähe des Grundstückes befinden. Denn der Butler sollte rund um die Uhr erreichbar sein.

Zusätzlich zu den Ausbildungskursen, die dreimal im Jahr stattfinden, trainiert die Butler Academy Personal für Luxushotels. Einige ihrer wichtigsten Klienten sind die Hilton-Hotels, das Ritz-Carlton Hotel in Barcelona, das Four Seasons in Schanghai und die Queen Mary 2.

Auch das Adlon in Berlin gehört zu den Luxushotels, die Butlerdienste anbieten. Insgesamt drei Butler gibt es, die dem Gast als Service bei Buchung der Präsidentensuite zur Verfügung stehen. „Die Suiten mitsamt dem Butler buchen neben Staatsgästen auch Filmstars, Musiker und Privatpersonen aus der Wirtschaft. Dies sind Gäste aller Nationen“, sagt Sabine Kalkmann, eine Pressesprecherin des Hotels Adlon. Bereits vor der Anreise des Gastes gehört es zu den Aufgaben des Butlers, sich über Herkunftsland, Interessen und besondere Wünsche zu informieren. Der 24-Stunden-Service beinhaltet einen Begrüßungscocktail, die Lieblingsblumen und das bevorzugte Mineralwasser in der Minibar. Adlon bildet seine Butler selbst aus.

„Es gibt schon die Möglichkeit, ein Privatleben zu führen. Aber ich denke, die meisten sind nicht verheiratet, haben keinen festen Partner und wohnen alleine. Denn es gibt Wochen, an denen man bis zu 70 Stunden arbeiten muss und in denen keine Zeit für ein Privatleben ist. Man bekommt aber auch ein sehr gutes Gehalt“, sagt Fortgens.

Er selbst hatte bereits mit 18 Jahren einen Nebenjob in einem Restaurant, von dessen Besitzer, einem professionellen Butler, er mehrere Jahre ausgebildet wurde. Diese Erfahrung hat seine Karriere wesentlich beeinflusst. Bevor er bei der International Butler Academy begann, arbeitete er in der Pharmaindustrie. Nachdem er Anteile an einem Hotel gekauft hatte, machte ihn seine Tochter auf die Butler-Schule aufmerksam und stellte kurz darauf den Kontakt zu Robert Wennekes, dem Gründer und Besitzer, her.

Um die Zukunft der International Butler Academy braucht man sich wohl keine Sorgen zu machen, denn laut Frank Fortgens ist die Nachfrage nach gut ausgebildetem Personal groß. „Die Menschen lieben das Geld und den Luxus, und deshalb brauchen sie auch einen Butler.“

Informationen zum Beitrag

Titel
Wo man nicht nur einen Diener macht
Autor
Anna Brunner, Johannes-Kepler-Gymnasium, Leonberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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