Eine herrliche Aussicht

Finnland ist bekannt als das Saunaland. Bei einer Bevölkerung von 5,2 Millionen Einwohnern gibt es dort 2 Millionen Saunen. „In Finnland gehört die Sauna einfach zur Familie“, sagt Matti Kivinen von der Internationalen Sauna-Gesellschaft in Helsinki.

Umso wichtiger, dass der Saunabadbesuch immer interessant bleibt. Das motivierte einige Tüftler im Jahr 2006 zu einer kreativen Idee: Saunagondeln. Herkömmliche Berggondeln wurden zur Sauna umfunktioniert und befinden sich nun auf dem Gipfel des finnischen Berges Ylläs Fjälls. „Die Fenster sind verdunkelt, um vor neugierigen Blicken zu schützen, jedoch kann man alles, was sich draußen abspielt, beobachten“, erklärt Aki Rundgren, Marketingmanager von Hiihtokeskus Iso-Ylläs Oy, mit einem jährlichen Umsatz von 6 Millionen Euro eines der bekanntesten Ski- und Sport-Resorts im Skigebiet Ylläs.

„Während einer Messe kam die Idee auf. Unser finnischer Kunde meinte das eher als Witz, aber dann haben wir ihn mit einem Saunakonzept überrascht und überzeugt“, erwähnt Tobias Haarmann, Abteilungsleiter Backoffice Sales & Marketing von CWA Constructions SA/Corp. Die CWA ist mit einem Jahresumsatz von 616 Millionen Euro der führende Hersteller auf dem Markt seil- und schienengebundener Fahrzeuge. Das Schweizer Unternehmen stellte nach achtmonatiger Planung die weltweit einzige Saunagondel her. „Sie ist schwerer als eine Standardkabine, aber die Dimensionen müssen identisch sein, da ja ein regulärer Betrieb möglich sein muss“, bemerkt Haarmann. Mit Hilfe eines Saunaschreiners entstand sie innerhalb von zwei Monaten, zu einem Einkaufspreis von etwa 50000 Euro.

Wer in luftiger Höhe schwitzen möchte, muss tief in die Tasche greifen und 1500 Euro Miete für die Gondel hinblättern. Darin enthalten ist nicht nur die Saunagondel, sondern, wie Rundgren beifügt, noch eine zusätzliche Sauna. „Die Hauptsauna befindet sich in der Bergstation, auf dem Gipfel des Ylläs Fjälls. Im Umkleideraum befindet sich ebenfalls eine Feuerstelle. Die Sauna, der Umkleideraum, Jacuzzi und die Duschen befinden sich alle im Gebäude des Café Gondola 718. Diese Einrichtung muss zuerst gemietet werden, wobei der Mietpreis 500 Euro je Gruppe beträgt.“ Die Fahrt mit der Gondel kostet etwa 1000 Euro extra. Daraus ergibt sich ein Umsatz von 40000 Euro jährlich.

Da die Anlage für zwölf Personen ausgelegt ist, lassen sich die Kosten gut aufteilen, und acht saunabegeisterte Besucher können sich in der Hauptsauna vorwärmen, während vier Teilnehmer eine Fahrt in etwa 430 Meter Höhe genießen. „Da die Gondel vor allem einen Werbeeffekt haben soll und für Firmen bestimmt ist, geht der Preis eigentlich auch in Ordnung“, urteilt Marcel Leuenberger von GlobeTop-Consulting, der schon einmal in luftiger Höhe schwitzte.

Falls es während der fünfzehnminütigen Fahrt mit vier Personen, die meist in der Frühlingszeit und bis zu dreißigmal im Jahr stattfindet, zu heiß werden sollte, lässt sich eines der Fenster in der Gondel öffnen, um eine kühle Brise hineinzulassen. Die Gefahr eines Unglücks, etwa einer Überhitzung oder eines Absturzes, besteht nach Ansicht der Betreiber jedoch nicht. „Das Holz der Saunakabine wurde mit einer brandhemmenden Substanz imprägniert. Die Isolationsmaterialien werden auch im Flugzeugbau verwendet. Ein Feuerlöscher sowie Notfunkeinrichtungen sind mit an Bord“, versichert Haarmann.

So können auch Skeptiker die vier Kilometer lange Fahrt ohne ein mulmiges Gefühl genießen und wie Marcel Leuenberger eine besondere Erfahrung machen. „Das Erlebnis, mit der Saunagondel zu fahren, ist einzigartig. Ein ganz anderes Gefühl, als in einer normalen Sauna zu sitzen. Es ist sehr speziell.“

Informationen zum Beitrag

Titel
Eine herrliche Aussicht
Autor
Karoline Scholl, Albert-Einstein-Gymnasium, Frankenthal
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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