Die Eiszeit kommt zurück

Eis

Eine Eismanufaktur aus Berlin macht den Großen der Branche Konkurrenz. Sie verdoppelt jeden

Monat die Verkaufszahlen. Nun kooperiert sie mit den Nachfahren des bayerischen Königshauses.

Olaf Höhn, gelernter Maschinenbauingeneur, übernahm vor fast drei Jahrzehnten das Eiscafé Annelie in Berlin-Spandau. „Schon 1927 wurde dort Eis produziert, damit ist es der älteste Speiseeisverkauf Deutschlands“, erzählt er. Da Höhn die Fernsehserie Miami Vice gern schaute, nannte er das Café Florida. 2005 eröffnete Höhn sein zweites und größtes Eiscafé. Bisher sind noch zwei kleinere in Berlin-Tegel dazugekommen. Doch Florida-Eis gibt es nicht nur in eigenen Cafés. In ganz Deutschland verkaufen es rund 500 Restaurants, Cafés und Einzelhandelsfilialen. Unter den Kunden sind Edeka, Rewe und Kaiser’s. In Berlin hat Florida-Eis laut Höhn einen Marktanteil von gut 8 Prozent. Es habe auch schon Anfragen aus dem Ausland gegeben, zum Beispiel aus Dubai.

Über den firmeneigenen Online-Shop verschickt die Florida-Eis Manufaktur GmbH an Kunden in ganz Deutschland. „Seit wir das Eis auch über Amazon anbieten, verdoppeln sich die Verkaufszahlen jeden Monat“, sagt Höhn. Im Online-Shop kosten viermal 500 Milliliter inklusive Versand 29,20 Euro. Das Eis kommt in einer mit Trockeneis gekühlten Styroporbox. 2012 wurden etwa 2000 Pakete verschickt, dieses Jahr hofft Höhn auf 3000 bis 4000. „Im Jahr produzieren wir rund 1200 Tonnen Eis.“

Die Eisindustrie und das italienische Handwerk hätten in den vergangenen Jahren vor allem auf Volumen und Cremigkeit gesetzt, sagt Höhn. Dabei sei versäumt worden, die Qualität und den Erfrischungseffekt zu berücksichtigen. Pflanzenfette und Austauschfette hätten die Qualität noch zusätzlich verschlechtert. „Unser Eis wird immer noch wie vor vielen Jahrzehnten traditionell mit viel Handarbeit in alten Maschinen mit aufgesetzter moderner Technik produziert“, berichtet Höhn. Die Art des Ausfrierens sowie die Misch- und Rührvorgänge seien in traditionellen Maschinen schonender und garantierten eine Struktur, die zwar empfindlicher sei als bei Eis aus einer Industriemaschine, aber bei weitem besser schmecke. „Zudem ist Industrieeis zwei Jahre haltbar, das zeigt, dass hier der Chefchemiker voll mit eingebunden ist. Wir garantieren maximal ein halbes Jahr.“

Zum Erfolg trägt nach seinen Angaben auch wesentlich bei, dass das Eis kohlen dioxidneutral hergestellt werde. Die Produktionshalle verfüge über ein Gründach, Solarzellen, eine ausgeklügelte Wärmerückgewinnung und eine Pellet-Heizung. Die Eisaufbereitungstechnik wurde eigens für die Produktion entworfen. „Es gibt keine Eismaschinen auf dem Markt, die auf absolute Klimaeffizienz ausgelegt sind.“

Höhn beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter. In der Hochsaison im Sommer sind es etwa ein Drittel mehr, da Studenten als Teilzeitkräfte eingestellt werden. „Wir werden immer in Berlin produzieren“, verspricht Höhn. Das dürfte vor allem die Berliner Wirtschaftssenatorin freuen, ist Höhn doch einer der größten Arbeitgeber in Berlin-Spandau.

Die Verpackung von Florida-Eis ist einfach gehalten: Ein runder, durchsichtiger Becher, darauf ein hellblauer Aufkleber. Das ist gewollt: „Immer mehr Einzelhändler und Filialketten pochen auf eine durchsichtige Verpackung, ein ehrliches Erscheinungsbild und Eindeutigkeit. Kein Verbraucher ist heute mehr bereit, Geld für Mogelpackungen und mindere Qualität auszugeben“, erklärt Höhn.

Neben dem Verkauf im Einzelhandel und den eigenen Cafés gibt es noch das Veranstaltungsgeschäft. So kann man für Hochzeiten einen drei Sorten fassenden Eistresen mieten: Dieser kostet 70 Euro Leihgebühr und 37,50 Euro je Eiswanne und Sorte, eine Wanne reicht für etwa fünfzig Kugeln. Für größere Feste kann man einen großen Tresen mieten, der mehr Sorten fasst. Außerdem ist es möglich, Eisplatten und -torten nach eigenen Wünschen fertigen zu lassen. „Am Wochenende gestalten wir zwischen zehn und zwanzig Eisplatten von zehn bis zweihundert Kugeln“, erzählt Höhn. „Unser ganzes Eventgeschäft hat derzeit zweistellige Zuwachszahlen. Es macht dennoch nur 3 bis 5 Prozent des Umsatzes aus.“

Das Eis wird mit minus sieben Grad produziert und danach auf minus 24 Grad Lagertemperatur abgekühlt. „Das Eis würde so Jahre halten“, erzählt Höhn. In den Cafés wird das Eis umso kälter gelagert, je schlechter das Wetter ist. Um es gut portionieren zu können, muss es auf minus 16 Grad aufgewärmt werden. „Je wärmer es ist, desto besser schmeckt es.“ Durchschnittlich bleibe es ein bis zwei Tage im Eiscafé, maximal drei bis fünf Tage. „Das Eis wird dann nicht schlecht, aber die Cremigkeit geht verloren.“

Im Angebot hat Florida knapp sechzig Sorten. Vanille, Schokolade und Erdbeere seien beliebt wie eh und je. „Jedoch werden Joghurt und Eis mit möglichst vielen Stücken immer mehr nachgefragt“, sagt Höhn. „Cookie ist das teuerste Eis, da die Herstellung der Keksstücke besonderen Kriterien unterliegt, zum Beispiel dürfen sie sich im Eis nicht auflösen oder stark aufweichen.“

In den eigenen Cafés kostet eine Kugel 90 Cent. „Damit liegen wir im Mittelfeld“, behauptet Höhn. Gestiegen seien in den vergangenen Jahren vor allem die Kosten für Personal, Energie und Verwaltung. Zwar denken viele, Waffeln seien ökologischer als Becher, doch das stimme nur, wenn die Becher aus Pappe seien. „Unsere Becher sind aber aus umweltschonend hergestelltem und gut abbaubarem Polystyrol.“ Waffeln gibt es natürlich trotzdem. „Diese verbrauchen aber etwa neunmal mehr Energie in der Herstellung.“

Florida kooperiert mit den Nachfahren des bayerischen Königshauses. Im Juli wird ein „König-Ludwig-Eis“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf den Markt kommen. „König Ludwig war ein absoluter Eis-Fan. Das weiß man, da noch viele alte Speisekarten von damals erhalten sind“, berichtet Höhn. Er könne sich gut vorstellen, das Eis in den Vereinigten Staaten auf den Markt zu bringen: „Könige laufen dort gut, schließlich haben sie in ihrer fast 250-jährigen Geschichte keine gehabt.“

Florida erzielte 2012 einen Jahresumsatz von knapp 6 Millionen Euro. „Vielleicht erreichen wir dieses Jahr die 7-Millionen-Euro-Marke.“ Drei Viertel des Umsatzes werden durch den Verkauf im Einzelhandel erwirtschaftet, der Rest in den vier Eiscafés. In den vergangenen drei Jahren sei der Umsatz im Einzelhandel bisweilen dreistellig gewachsen. Höhn hat Pläne für die Zukunft. In Potsdam soll das fünfte Eiscafé entstehen. Zudem träumt er von einem Fünfziger-Jahre-Café in Berlin-Mitte.

Mit seinem Eis kam Höhn schon bis in die russische Botschaft, bei einem jährlichen Treffen von Prominenten aus Politik und Film. „Unsere Florida-Fahne stand direkt neben der deutschen und der russischen.“

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Eiszeit kommt zurück
Autor
Christian Flach
Schule
Katholische Schule Liebfrauen , Berlin
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance